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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 07.02.2009


Mahnwache für die ermordeten Frauen von TERRE DES FEMMES
Angelika Boczek

Mahnwache für Hatun Sürücü am 7. Februar 2009 in Berlin und Mahnwache für Morsal Obeidi am 13. Februar 2009 in Hamburg. Stellvertretend für die namenlosen Opfer von Männergewalt.




Zwei Morde an Frauen "im Namen der Ehre" standen in den letzten Jahren im Blickpunkt einer größeren Öffentlichkeit: Am 7. Februar 2005 wurde Hatun Sürücü (23) in Berlin von ihrem jüngeren Bruder Ayhan mit drei Kopfschüssen erschossen und am 8. Mai 2008 starb Morsal Obeidi (16) in Hamburg, brutal durch 23 Messerstiche von ihrem Bruder Ahmad Sobair Obeidi hingerichtet. Beide Fälle lösten endlich eine überregionale Diskussion aus über das Leiden von Frauen, die sich ihrer traditionellen, von der Familie vorgegebenen, Rolle nicht aussetzen mochten. Beiden Morden war eine jahrelange Bedrängung seitens der Familien vorausgegangen, beide Frauen erlitten Schikanen und Anschuldigungen, die mit der Auslöschung ihres Lebens endeten.

Um die Aufmerksamkeit wach zu halten, die Tat an Hatun Sürücu nicht vergessen zu lassen, gegen Gewalt im Namen der Ehre zu protestieren, wird von TERRE DES FEMMES eine Mahnwache am Ort und Tag des Mordes veranstaltet: Am 7. Februar 2009, Ecke Oberlandstraße/Oberlandgarten, Berlin-Tempelhof, 10 Uhr. (U Alt-Tempelhof, Bus 246).

Die Mahnwache soll zugleich Forum bieten für längst überfällige Forderungen:

  • Verbesserungen im Aufenthaltsrecht für Migrantinnen
  • Einen eigenen Straftatbestand Zwangsheirat
  • Erhalt und Schaffung von spezialisierten Beratungs- und Schutzeinrichtungen.


    Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen gedenkt ebenfalls des Mordes an Hatun Sürücü und verweist auf "ressortübergreifende Konzepte zur Bekämpfung von Zwangsverheiratung" und weitere Maßnahmen wie zum Beispiel Projekttage an Schulen zum Thema Gewalt.
    Damit die Jugendlichen so früh wie möglich qualifizierte Unterstützung und Beratung erhalten, ist es wichtig, andere Kontaktpersonen wie Lehrerinnen und Lehrer zu sensibilisieren und die Problematik auch an den Schulen zu thematisieren.
    "Hier setzt die AG Schulaktionen, eine gemeinsame AG des Berliner Arbeitskreises gegen Zwangsverheiratung und des Aktionsbündnisses gegen häusliche Gewalt des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, an", berichtet Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz. "Die AG hat Materialien für die Unterrichtsgestaltung entwickelt und benennt kompetente Projekte, die beispielsweise Projekttage zum Thema Gewalt und Zwangsverheiratung an Schulen durchführen. Wir sehen darin einen wichtigen Weg, präventiv tätig zu werden."

    In Hamburg wird voraussichtlich am 13. Februar 2009 für Morsal Obeidi eine Mahnwache abgehalten, vor dem OLG Hamburg, Sievekingplatz 3, nach der Urteilsverkündung gegen den Bruder und Mörder des toten Mädchens.

    Das tägliche Leiden von Frauen, die in einer Parallelgesellschaft leben, laut Serap Cileli "... in totaler Abhängigkeit von ihren Eltern, ihrem Ehemann und/oder ihren Schwiegereltern..." ist eine Vorstellung, die von Frauen ohne Migrationserfahrung zumeist sehr weit entfernt ist, selbst wenn wir in unmittelbarer Nachbarschaft zu MigrantInnen-Familien leben.

    Anschaulich und anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte wird der Terror, dem türkische Frauen oft ausgesetzt sind, in dem Buch von Serap Cileli "Eure Ehre – unser Leid. Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord" geschildert. Ein Buch des Schreckens - aber auch der Hoffnung und des Mutes und der konsequenten Anklage:
    "Zwangsverheiratung ist Vergewaltigung auf Lebensdauer". Serap Cileli dokumentiert und archiviert auch die zahllosen Fälle von Morden an Frauen, die keine Öffentlichkeit erhielten.

    Stellvertretend für die namenlosen Opfer von Männergewalt stehen die Namen Hatun Sürücü und Morsal Obeidi.

    Infos zu TERRE DES FEMMES finden Sie unter:
    www.terre-des-femmes.de und www.frauenrechte.de

    Betroffene finden in Berlin Hilfe und Beratung u. a. bei der
    BIG-Hotline (Tel. 611 03 00)
    beim Mädchennotdienst (Tel. 61 00 63)
    dem Jugendnotdienst (Tel. 61 00 62)
    oder online über beratung@papatya.org
    oder www.sibel-papatya.org

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    Beitrag vom 07.02.2009

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