Wissenschaftler stellen Berliner Programm gegen Rechtsextremismus gute Noten aus - Fremdenfeindliche Gewalt trotzdem an der Tagesordnung - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Finanzkontor
AVIVA-Berlin > Public Affairs AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Politik + Wirtschaft
   Diskriminierung
   Veranstaltungen in Berlin
   Kultur
   J√ľdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 10.06.2010

Wissenschaftler stellen Berliner Programm gegen Rechtsextremismus gute Noten aus - Fremdenfeindliche Gewalt trotzdem an der Tagesordnung
Marie Heidingsfelder

Vor dem Hintergrund aktueller F√§lle rassistischer Gewalt klingt die k√ľrzlich ver√∂ffentlichte Auswertung des Programms "Demokratie, Vielfalt, Respekt" des Berliner Senats √ľberraschend optimistisch



"Mit dem 2003 eingerichteten Landesprogramm gegen Rechtsextremismus ist es dem Berliner Senat gelungen, die aktive Auseinandersetzung mit rechtsextremistischem und rassistischem Gedankengut zu st√§rken, den organisierten Rechtsextremismus zur√ľckzudr√§ngen und zivilgesellschaftliche Initiativen f√ľr Demokratie und Respekt zu stabilisieren."
Dieses positive Ergebnis teilt die Senatsverwaltung f√ľr Integration, Arbeit und Soziales mit: Grundlage ist die Evaluation des Berliner Landesprogramms, die am Montag der √Ėffentlichkeit vorgestellt wurde. Prof. Dr. Roland Roth: "Wie in keinem anderen Bundesland ist es in Berlin gelungen, nachhaltig wirksame Strukturen zu etablieren, die auf neue Herausforderungen innovativ und eigensinnig reagieren k√∂nnen." Mit Prof. Dr. Roland Roth und Dr. Frank Gesemann vom Institut f√ľr Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (DESI) haben zweirenommierte Wissenschaftler der Rechtsextremismus- und Integrationsforschung in den Jahren 2008 und 2009 das beim Berliner Integrationsbeauftragten angesiedelte Landesprogramm untersucht. Sie attestieren dem Berliner Senat, dass er mit seinem Landesprogramm die demokratische Zivilgesellschaft nachhaltig unterst√ľtzt. Die Projekte und Ma√ünahmen haben sich "insgesamt bew√§hrt und eine kreative Infrastruktur entstehen lassen.", so das Wissenschaftsteam.

Stärkung der Zivilgesellschaft
Eine Besonderheit des Berliner Weges, so die Senatorin f√ľr Integration, Arbeit und Soziales, Carola Bluhm, sei die Verkn√ľpfung des Themas Integration mit der Bek√§mpfung von Rassismus und Antisemitismus: "Der Evaluationsbericht best√§tigt, dass Berlin in richtiger Weise auf die Anfeindungen gegen die Einwanderungsgesellschaft reagiert. Eine demokratische Einwanderungsgesellschaft funktioniert nur, wenn sich die aufnehmende Mehrheitsgesellschaft mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus auseinandersetzt. Die in Deutschland einzigartige Verkn√ľpfung integrationspolitischer Konzepte mit Ma√ünahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus ist ein Erfolgsmodell. Ohne eine nachhaltige Pr√§vention gegen Diskriminierung sowie Schutz vor Rassismus und Fremdenfeindlichkeit werden auf Dauer weder Chancengleichheit noch Integration gelingen. Dieser Schutz vor Diskriminierung geh√∂rt zum Kern einer funktionierenden Zivilgesellschaft. Akzeptanz und gegenseitiger Respekt sind Grundbedingungen demokratischer Konfliktaustragung."

"Der Bund darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen
Die Empfehlungen aus der Evaluation sollen schnell umgesetzt werden. Berlins Integrationsbeauftragter G√ľnter Piening k√ľndigte eine Pr√ľfung an, wie mittelfristig die F√∂rderprogramme beim Integrationsbeauftragten zu einem Gesamtprogramm "Demokratie, Menschenrechte, Vielfalt, Respekt" zusammengef√ľhrt werden k√∂nnen. Carola Bluhm erinnerte in diesem Zusammenhang an die Verantwortung des Bundes. "Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sind Probleme, die sich √ľber die Grenzen der Bundesl√§nder hinweg √ľberlappen", so die Senatorin.

Die Säulen des Berliner Landesprogramms
In der Auseinandersetzung mit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung verfolgt der Berliner Senat einen Ansatz, der auf drei S√§ulen ruht: Bildungsarbeit, soziale Arbeit und Beratung (Mobile Beratung und Opferberatung) . Ziel ist, die demokratischen Strukturen zu st√§rken und die Regelinstitutionen in der Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Ideologien zu unterst√ľtzen. Ebenso erhalten die Opfer rassistischer und antisemitischer Gewalt Hilfe und Beratung. Im Rahmen des Landesprogramms werden pro Jahr etwa 30 Projekte bewilligt. Die gef√∂rderten Projekte sind den f√ľnf Handlungsfeldern des Landesprogramms zugeordnet:

  • Mobile Beratung und Netzwerke
  • Demokratische Jugendkultur und St√§rkung der Zivilgesellschaft
  • Kommunale Integration / Nachbarschaften st√§rken
  • Opferberatung
  • Dokumentation und Recherche.
    Ein √úberblick √ľber das Landesprogramm gegen Rechtsextremismus und der Abschlussbericht des Evaluationsteams ist auf den Internetseiten des Integrationsbeauftragten unter www.berlin.de zu finden:

    Rechte Gewalt ‚Äď (K)ein Problem in Berlin?
    Obwohl dieses positive Ergebnis der wissenschaftlichen Analyse suggeriert, dass der Staat Rechtsextremismus und Rassismus gut im Griff hat, werfen aktuelle Fälle fremdenfeindlicher Gewalt ein ganz anderes Licht auf die Problematik, drei Beispiele:

  • 26. 3. 2010: Antisemitischer √úberfall in der U-Bahn
    Die J√ľdische Gemeinde zu Berlin ist besorgt √ľber den √úberfall auf zwei junge deutsche Frauen und einen Mann in der U-Bahn am Freitag, dem 26.3. 2010.
    Diese wurden von einem ‚Äös√ľdl√§ndisch‚Äô aussehenden Mann gefragt, ob sie ‚ÄöJuden‚Äô seien. Als die jungen Leute dies bejahten, holte er offenbar weitere Bekannte hinzu. Am U-Bahnhof G√ľntzelstra√üe schlugen sie dem jungen Mann eine Flasche √ľber den Kopf und den Frauen ins Gesicht. Die T√§ter fl√ľchteten. Der Staatsschutz ermittelt.
    Die Zunahme tätlicher Gewalt im öffentlichen Raum, die von jugendlichen Schlägergruppen ausgeht, ist allgemein beängstigend. Dass die gegen vermeintliche oder tatsächliche Juden gerichtete Gewalt immer häufiger von Jugendlichen aus dem Zuwandererkreis ausgeht, ist ein weiteres Alarmsignal.
    Es ist dringend n√∂tig, die Ursachen und Auswirkungen von Antisemitismus, besonders unter jungen T√ľrken und Arabern, endlich konkret zu erfassen und ihnen mit aller Kraft entgegenzusteuern.

  • 17. 5. 2010: Brandanschlag auf Synagoge in Worms: Abscheuliche Tat im Schutz der Dunkelheit
    Auf die Synagoge in Worms (Rheinland-Pfalz) ist ein Brandanschlag ver√ľbt worden. In der Nacht zum Montag, 17. Mai, haben unbekannte T√§ter ein Fenster des Geb√§udes mit einem Brandsatz eingeworfen und die Synagoge an mehreren Stellen mit einer brennbare Fl√ľssigkeit angez√ľndet. Der Brand konnte durch die Feuerwehr schnell gel√∂scht werden, so dass diese bis auf ru√ügeschw√§rzte W√§nde nicht ernsthaft besch√§digt wurde.
    Die Synagoge aus dem 12. Jahrhundert, die w√§hrend der Novemberpogrome 1938 von den Nationalsozialisten zerst√∂rt und erst 1961 wieder aufgebaut wurde, ist nun abermals in Brand gesetzt worden. An dieser Stelle ist vor allem die Zivilgesellschaft gefragt. Vorf√§lle wie dieser d√ľrfen nicht bagatellisiert und einfach zur Tagesordnung √ľbergegangen werden. Vielmehr sollten die Bem√ľhungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene intensiviert werden, pr√§ventiv gegen solche hasserf√ľllten und antisemitischen Taten vorzugehen.

  • 21. 6. 2010: Hasspropaganda und Aufruf zum Mord an Juden im Internet
    Wie das j√ľdische Forum f√ľr Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) in einem Bericht feststellt, haben Hasspropaganda und Morddrohungen gegen√ľber Juden besonders im Internet in letzter Zeit massiv zugenommen. Die zu Grunde liegende Recherche zeigt in √∂ffentlich sichtbaren Beitr√§gen sozialer Netzwerke - wie beispielsweise Facebook und in Webblogs - antisemitische √Ąu√üerungen einschlie√ülich volksverhetzender Tatbest√§nde.
    Die Recherche bildet lediglich antisemitische Statements von BenutzerInnen ab, die in ihren Privatsph√§re-Einstellungen ihre Beitr√§ge f√ľr alle sichtbar gesetzt haben. Es kann daher keine genaue Aussage dar√ľber getroffen werden, wie verbreitet antisemitische √Ąu√üerungen tats√§chlich bei Facebook sind, da eine derartige Information auch diejenigen Beitr√§ge mit einbeziehen m√ľsste, die nur f√ľr die Freunde oder bestimmte Kreise der Benutzer freigegeben sind. die zust√§ndigen Beh√∂rden wurden √ľber die Suchergebnisse informiert. Vor dem Hintergrund der antisemitischen Agitation fordert das j√ľdische Forum f√ľr Demokratie und gegen Antisemitismus, dass Politik, Medien und Zivilgesellschaft noch deutlicher und entschiedener gegen diese antij√ľdische Hasspropaganda vorgehen.
    Dazu Anetta Kahane von der "Amadeu Antonio-Stiftung": "In der scheinbaren Anonymit√§t des Internets treiben Antisemitismus und Rassismus ihre Bl√ľten und dominieren oft die dortigen politischen Diskussionen. Ihre Reichweite ist dabei aber gr√∂√üer als die des Stammtisches. Aus seiner Latenz bricht Antisemitismus bei jeder Gelegenheit aus."

  • Aktuell hat die "Amadeu Antonio-Stiftung" eine Neue Liste von Todesopfern rechtsextremer und rassistischer Gewalt ver√∂ffentlicht
    Außerdem finden Sie auf den Seiten der Stiftung die Statistiken des Verfassungsschutzes zu rechtsextremen Aufrufen


    Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
    Bessere Bekämpfung des Antisemitismus gefordert (2009)

    Antisemitismus in Deutschland (2008)

    Holger Kulick und Toralf Staud - Das Buch gegen Nazis

  • Public Affairs Beitrag vom 10.06.2010 Marie Heidingsfelder 





      © AVIVA-Berlin 2018 
    zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken