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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.07.2010

Protest gegen die Ausrichtung der Mercedes Fashion Week auf dem Berliner Bebelplatz und dem Denkmal Bibliothek
AVIVA-Redaktion

Der K├╝nstler Michael Ullmans und mehrere Berliner Initiativen protestieren gegen die Verschleppungstaktik und T├Ąuschung der ├ľffentlichkeit durch den Berliner Senat, die Bezirksverwaltung...



... Mitte und die VeranstalterInnen der Mercedes Fashion Week.


Mit der f├╝nften Ausrichtung der Mercedes Fashion Week auf dem Berliner Bebelplatz vom 07. bis 10. Juli 2010 wird Micha Ullmans unterirdisches Denkmal "Bibliothek" aufs Neue f├╝r mehrere Wochen (incl. Aufbau- und Abbauzeiten) verdeckt. Die im Kontext des Platzes der NS-B├╝cherverbrennung konzipierte Skulptur, 1995 installiert zur Erinnerung an den ersten ├Âffentlich inszenierten Terrorakt der Hitler-Regierung, wird dadurch wiederum ver├Ąndert und zeitweise besch├Ądigt. Besch├Ądigt wird auch das Vertrauen der B├╝rgerInnen in das verantwortliche Handeln ihrer demokratischen Institutionen.

Dem Berliner Senat, der Bezirksverwaltung Mitte, der Veranstalterfirma IMG und dem Hauptsponsor Mercedes ist seit mehreren Jahren bekannt, dass der K├╝nstler Micha Ullman die kommerzielle Bespielung des Bebelplatzes und die Verdeckung seines Denkmals, das unter einer Glasscheibe leere Regale f├╝r 20.000 B├Ąnde zeigt, als Eingriff in sein Urheberrecht und als Besch├Ądigung des Kunstwerkes ablehnt.

Seit vergangenem Herbst h├Ąufen sich diesbez├╝gliche, in der Regel nicht beantwortete B├╝rgerInnen-Beschwerden bei den Beh├Ârden. Einer Unterschriftensammlung des Berliner VVN-BdA folgte eine ├ľffentliche Sitzung des Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses und dessen Empfehlung, die Modemesse zu verlegen. Einen Offenen Brief an den Regierenden B├╝rgermeister haben w├Ąhrend der letzten Mode-Veranstaltung im Januar 2010 unter anderem Berlins Ehrenb├╝rger Edzard Reuter, die Vorsitzende der J├╝dischen Gemeinde, der Pr├Ąsident der Humboldt-Universit├Ąt und der Direktor des Deutschen Historischen Museums unterzeichnet.

Berliner B├╝rgerInnen und StadtbesucherInnen sind dem Aufruf gefolgt, w├Ąhrend der Modeveranstaltung das weltber├╝hmte Denkmal unter dem Zeltdach zu besuchen und damit f├╝r seine Unversehrtheit zu demonstrieren. In der Folge k├╝ndigten die Beh├Ârden, PolitikerInnen, VeranstalterInnen und der Hauptsponsor an, der Bebelplatz werde nicht als bleibender Standort angesehen, man suche intensiv Alternativen.

In den Medien wurden diese Erkl├Ąrungen als definitive Ank├╝ndigung des Umzugs der Modemesse gedeutet. Dem widersprach von Seiten des Bezirks und der IMG niemand. Das Ergebnis dieser Pressepolitik war die T├Ąuschung der ├ľffentlichkeit. Bis April 2010 konnte die Bev├Âlkerung davon ausgehen, der Konflikt zwischen der fl├Ąchendeckenden ├ťberdachung des Platzes und dem Kunstwerk, das mit ihm korrespondiert, habe sich erledigt.

Die Ende Mai in einer ├Âffentlichen Sitzung des Bezirkswirtschaftsausschusses Mitte bekanntgegebene Ank├╝ndigung, im Juli 2010 und im Februar 2011 m├╝sse die Mercedes Fashion Week weitere Male auf dem Bebelplatz stattfinden, ist als Teil einer fortgesetzten Verschleppungstaktik zu erkennen.
Das Argument, der einzige Alternativ-Standort "Stra├če des 17. Juni / Sowjetisches Ehrenmal" sei erst ab Sommer 2011 zu benutzen, ├╝berzeugt nicht. Auch gegen diesen Standort lassen sich praktische Einw├Ąnde der VeranstalterInnen wie der ├ľffentlichkeit ins Feld f├╝hren, wie auch gegen die derzeit verworfenen anderen Standort-Optionen: Tempelhofer Feld, Washington-Platz, Schloss-Platz. Keine dieser Optionen erf├╝llt alle Kriterien ideal, jede ist mit Einschr├Ąnkung aber durchaus geeignet und jedenfalls weniger problematisch als der Bebelplatz. Ausschluss-Kriterien werden bei der Verwerfung beliebig angewendet. Insbesondere wird kritisch angemerkt, ein nicht unbefristet verf├╝gbarer Ort sei den VeranstalterInnen nicht zuzumuten. Zugleich gibt es die ├ťberlegung, die Modemesse alternierend ÔÇô im Winter unter Dach, im Sommer im Freien ÔÇô stattfinden zu lassen. Auch dieser Ansatz weist darauf hin, dass es keinen glaubw├╝rdigen Grund gibt, die Mercedes Fashion Week sogar noch im Februar 2011, ein weiteres Mal, auf dem Denkmal zur B├╝cherbrennung stattfinden zu lassen, wie ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Mitte vom 17. Juni 2010 annonciert.

Gemeinsam mit dem K├╝nstler Micha Ullman appellieren die Initiative Bebelplatz, der Berliner VVN-BdA, der Rat f├╝r die K├╝nste, der BBK Berlin, das Aktive Museum und der F├Ârderkreis Denkmal f├╝r die ermordeten Juden Europas an alle B├╝rgerInnen Berlins, dem zust├Ąndigen Politiker Protestschreiben zu ├╝bermitteln: dem Berliner Finanzsenator Harald Wolf, der die Angelegenheit derzeit an den Bezirk zur├╝ckdelegiert, sich aber nicht aus der Verantwortung ziehen kann. Diese Mails sind zu schreiben an:
Harald.Wolf@senwtf.berlin.de

B├╝rgerInnen und Berlin-BesucherInnen, denen die Achtung vor der Kunst, vor der Sch├Ânheit unserer Stadt und der Respekt vor dem historischen Gedenken Anliegen sind, werden gebeten dem Denkmal "Bibliothek" vom 7. bis 10. Juli 2010 zwischen 10 Uhr und 22 Uhr einen Besuch abzustatten und auf diese Weise ihrer Solidarit├Ąt mit dem K├╝nstler Ausdruck zu verleihen.
Der Berliner VVN-BdA k├╝ndigt an, da├č gegen eine weitere, nach dem Juli 2010 auf dem Bebelplatz geplante Mercedes Fashion Week juristische Mittel eingelegt werden.

Weitere Infos und Kontakt:

Aktives Museum. Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.

Berufsverband Bildender K├╝nstlerInnen Berlin: info@bbk-kulturwerk.de

F├Ârderkreis Denkmal f├╝r die ermordeten Juden Europas: info@holocaust-denkmal-berlin.de
Initiative Bebelplatz (Matthias Fl├╝gge, Monika Gr├╝tters, Thomas Lackmann, Christhard-Georg Neubert): initiative@bebelplatz.org

Rat f├╝r die K├╝nste (SprecherInnen: Leonie Baumann und Kay Wuschek)

Berliner Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes ÔÇô Bund der AntifaschistInnen

Public Affairs Beitrag vom 07.07.2010 AVIVA-Redaktion 





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