Sammelklagen wegen lebensbedrohender Pille, Selbsthilfegruppe erkrankter Frauen gegr├╝ndet - Bayer in Bedr├Ąngnis - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 30.07.2010

Sammelklagen wegen lebensbedrohender Pille, Selbsthilfegruppe erkrankter Frauen gegr├╝ndet - Bayer in Bedr├Ąngnis
Marie Heidingsfelder

Seit der Markteinf├╝hrung im Jahr 2000 starben 190 Frauen, die mit den Bayer-Contraceptiva Yasemin┬«, Yasminelle┬« oder Yaz┬« verh├╝tet haben. ├ťberpr├╝fen auch Sie, ob Ihre Pille zu den riskanten...



... drospirenonhaltigen Pr├Ąparaten geh├Ârt. Alle Infos hier.

NEWS vom 23.04.2012Bayer muss mit Klagen in Millionenh├Âhe rechnen

Wie der Tagesspiegel am 23. April 2012 berichtete, laufen in den Staaten zu den gef├Ąhrlichen Verh├╝tungsmitteln derzeit mehr als 11.300 Klagen wegen Gesundheitssch├Ądigung gegen Bayer. SprecherInnen des Konzerns r├Ąumten ein, dass der Versicherungsschutz eventuell nicht ausreichen werde, um alle durch die Prozesse anfallenden Kosten abzudecken. Wie das "Bulletin zur Arzneimittelsicherheit" im Dezember 2011 schrieb, erkranken bei der Einnahme oraler Kontrazeptiva 9,1 von 100.000 Frauen pro Jahr an einer Thrombosembolie. Bei Einnahme drospirenonhaltiger Pillen sind es 23 von 100.000 Frauen im Jahr.

Felicitas Rohrer ist die erste betroffene Frau, die in Deutschland gegen den Konzern klagt. Ihre Geschichte trug sie im April 2011 dem Bayer Vorstand vor.
Inzwischen hat sich eine deutsche Selbsthilfegruppe erkrankter Frauen gegr├╝ndet, die ├╝ber die Risiken der Drospirenon-Pillen informiert.

Unter folgendem Link k├Ânnen Sie ├╝berpr├╝fen, ob Ihre Pille zu den riskanten drospirenonhaltigen Pr├Ąparaten geh├Ârt.

(Quellen: Tagesspiegel, Coordination gegen BAYER-Gefahren, Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ärzteblatt)



Bittere Pille

Die in den Vereinigten Staaten laufenden Verfahren um Gesundheitssch├Ądigungen durch gef├Ąhrliche Anti-Baby-Pillen gegen den Bayern-Konzern k├Ânnten das Pharmaunternehmen in ungeahnte Kosten st├╝rzen.

Seit der Markteinführung im Jahr 2000 starben 190 Frauen, die mit den Bayer-Contraceptiva Yasemin®, Yasminelle® oder Yaz® verhütet haben

So das erschreckende Fazit der amerikanischen Gesundheitsbeh├Ârde. Laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts f├╝r Arzneimittel vom M├Ąrz 2010 gab es auch in Deutschland 2009 f├╝nf Opfer, die Pillen mit dem Wirkstoff "Drospirenon" nahmen.


Von den deutschen Frauen verh├╝ten 55 Prozent der 20- bis 44-J├Ąhrigen mit der Pille, bei den 20- bis 29-J├Ąhrigen sind es sogar 72 Prozent. Die Vorteile des damit beliebtesten Verh├╝tungsmittels sind bekannt: Das Hormonpr├Ąparat ist sehr sicher, einfach in der Anwendung und die Nebenwirkungen f├╝r die meisten Nutzerinnen rein ├Ąsthetischer Natur oder sogar gew├╝nscht - wenn es beispielsweise um gelinderte Menstruationsbeschwerden oder reinere Haut geht. Der j├╝ngst konstatierte Zusammenhang mit Todesf├Ąllen sorgte deshalb - wenn auch leicht versp├Ątet - f├╝r einen Skandal.

Zwar gibt es - zumindest bei den deutschen Opfern - keinen verl├Ąsslichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Yasmin und dem Tod, wie Maik Pommer vom Bundesinstitut f├╝r Arzneimittel in Bonn gegen├╝ber PressevertreterInnen sagte, doch die bereits im M├Ąrz 2010 ver├Âffentlichte Studie stellt f├╝r Drospirenon im Vergleich zu anderen Wirkstoffen ein h├Âheres Risiko f├╝r die Entwicklung ven├Âser thromboembolischer Ereignisse fest: Gef├Ąhrliche Blutgerinsel in den Beinen oder der Lunge k├Ânnen entstehen. In Amerika kam es bereits zu einer Klagewelle mit 2.700 Betroffenen, die im zweiten Rechnungsquartal zu ernsten Umsatzeinbr├╝chen des Chemiekonzerns f├╝hrten. Denn das medikament├Âse Verh├╝tungsensemble um Yaz┬«, Yasmin┬«, Yasminelle┬«, sowie Aida┬« und Petibelle┬« der Bayer-Tochter Jenapharm┬« war bis dato ein Gewinngarant und ist dank neuer M├Ąrkte in Asien weiter auf dem Vormarsch. Seit der Zulassung vor zehn Jahren avancierte Yasmin┬« sogar zeitweise zum beliebtesten Verh├╝tungsmittel der Welt - obwohl es seit seiner Einf├╝hrung kritisiert wurde, weil es Wassereinlagerungen entgegenwirkt und so eine Verdickung des Blutes herbeif├╝hren kann.

Nebenwirkungen als Verkaufsargument

Tats├Ąchlich hat Bayer diese Kritik umgekehrt und in die Marketingstrategie f├╝r seine Contraceptiva eingebaut: Durch den Abbau von Wasser mache das neue Wundermittel die Nutzerinnen auch schlank. Wer sich auf der Bayer-Website ├╝ber Yasmin┬« und die kleine Schwester Yasminelle┬« informieren m├Âchte, wird auf die vom Pharmakonzern finanzierte Website "pille.com" geleitet und landet in der Rubrik "Mikropille 21/7 - The light side of love", wo als weiterer Service ein BMI-Rechner angeboten wird.

Die Empf├Ąngnisverh├╝tung als eigentliches Ziel der Behandlung ger├Ąt fast in den Hintergrund, folgt man der weiteren Beschreibung des "Wellnessprodukts": Yasmin┬« hat danach "einen positiven Einfluss auf pr├Ąmenstruelle Beschwerden wie z.B. V├Âllegef├╝hl, Brustspannen oder geschwollene Extremit├Ąten. Dar├╝ber hinaus wirkt sich Drospirenon auf Grund seiner antiandrogenen Eigenschaften g├╝nstig auf das Hautbild aus.".
Niedliche, betont feminine Namen, bunte Verpackungen und das Image eines Wellness-Produktes - es scheint, als sei die Pille 50 Jahre nach ihrer Zulassung aus den Tiefen der Schubladen und Handtaschen zum Accessoire der modernen, selbstbewussten Frau avanciert.

23. Juni 2010: 50 Jahre Pille

Zweifellos stellt die Erfindung der kleinen Tabletten eine Revolution dar, denn die Pille erm├Âglicht Frauen, selbstst├Ąndig und sicher zu verh├╝ten - Die sexuelle Selbstbestimmung auf Rezept f├╝hrte zu wichtigen gesellschaftlichen und famili├Ąren Umbr├╝chen. Doch so wichtig und gut das Medikament ist, so wenig wissen viele ├╝ber ihre Nebenwirkungen. Wer nach der Pappschachtel ein P├Ąckchen Zigaretten aus der Tasche kramt, wei├č oft nicht, dass sie ihr Thromboserisiko unabh├Ąngig des verwendeten Wirkstoffs deutlich erh├Âht. Des weiteren kann die Pille kann unerw├╝nschten Wirkungen wie ├ťbelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Migr├Ąne, Spannungsgef├╝hlen in den Br├╝sten, Stimmungsver├Ąnderungen und zur Absenkung der Libido bis hin zur Frigidit├Ąt f├╝hren. Und neben dem Thromboserisiko sind Bluthochdruck und St├Ârungen der Leberfunktion als schwerer Risiken bekannt.
Derartige Erkrankungen betreffen zwar Einzelf├Ąlle, doch der j├╝ngste Skandal zeigt, dass die Pille - wie alle Medikamente - Gefahren bergen kann und eine ├Ąrztliche Beratung und Betreuung n├Âtig macht.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Selbsthilfegruppe Drospirenon Gesch├Ądigter (SDG)

Die Selbsthilfegruppe Drospirenon Gesch├Ądigter auf Facebook

"Streit um die Antibaby-Pille : Die Risiko-Frage f├╝r Bayer" (Tagesspiegel, 23. April 2012)

Kontrazeptiva: Drospirenon mit h├Âherem Thrombosembolierisiko (├ärzteblatt, 26. April 2011)

"Bulletin zur Arzneimittelsicherheit" (Dezember 2011)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Unbekannte Patientin. Die Medizin entdeckt den weiblichen K├Ârper neu" von Birgit Frohn und Claudia Praxmayer

"Das Schwarzbuch Markenfirmen" von Klaus Werner und Hans Weiss


Public Affairs Beitrag vom 30.07.2010 Marie Heidingsfelder 





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