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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 08.02.2011

Water Makes Money - Ein Aufruf
AVIVA-Redaktion

Beteiligen Sie sich am Protest! Der franz√∂sische Wasserkonzern VEOLIA versucht den Film "Water Makes Money" aus der √Ėffentlichkeit zu verbannen. Eine Verleumdungsklage wurde von dem Konzern...



... bereits eingereicht. Wird die Dokumentation verboten? Was hat die Stadt Berlin damit zu tun?

Im Vorfeld des Berliner Volksentscheids am 13. Februar 2011 zur Offenlegung der Teilprivatisierungsvertr√§ge bei den Berliner Wasserbetrieben, beschw√∂rt die Klage des Konzerns gegen√ľber den FilmemacherInnen einen faden Geschmack herauf. Dieses Vorgehen erinnert an Stieg Larssons Romanfigur, den Journalisten Mikael Blomkvist, der einen Prozess wegen angeblicher Verleumdung gegen einen Konzern verliert. Ein machtvolles Imperium gegen einen integeren B√ľrger. Der Plot des Romans ist zwar eine fiktionale Konstruktion, bezieht sich jedoch auf Ereignisse der 70ziger Jahre in Schweden. Die aktuelle Klage erinnert auch an den Elf-Aquitaine-Skandal, den die franz√∂sische Ermittlungsrichterin Eva Joly in ihrem Buch "Im Auge des Zyklons" als z√§hen Kampf gegen den internationalen Finanzbetrug beschreibt. B√ľrgerInnen in aller Welt waren die Leidtragenden der internationalen Schmiergeldaff√§re auf h√∂chster Ebene.

Water Makes Money ist ein Film, der darauf aufmerksam macht, dass √ľberall dort, wo Kommunen Auftr√§ge √∂ffentlich ausschreiben, vorrangig die weltgr√∂√üten Konzerne wie VEOLIA und Suez den Zuschlag erhalten.

Skandal√∂s sind dabei die √ľblichen geheimen Deals der Wassermultis mit den Kommunen: Der Konzern kauft sich bei der Gemeinde ein, damit er das Gesch√§ft mit dem Wasser bzw. Abwasser betreiben darf. Diese 200-300 Mio. Euro oder mehr gelten dann als Kaufsumme oder auch als Geschenk an die Kommune. Die B√ľrgermeister punkten damit vor ihren W√§hlerInnen, senken die lokalen Steuern, verringern die Schulden oder bauen ein Kongresszentrum. Doch die Zahlung des Konzerns ist in der Regel nur ein Kredit, der von den WasserkundInnen √ľber 20-30 Jahre mit Zins und Zinseszins in dreifacher H√∂he zur√ľckgezahlt werden muss.

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat VEOLIA es √ľbrigens nach eigenen Angaben geschafft, in 450 deutschen St√§dten die Wasserversorgung zu √ľbernehmen oder an ihr beteiligt zu sein. Mittlerweile ist der franz√∂sische Konzern inklusive seiner Beteiligungen im Trink- und Abwasserbereich etwa gleich stark vertreten wie Gelsenwasser, der gr√∂√üte Versorger in Deutschland.

Der Film sensibilisiert f√ľr die komplexen Prozesse der Teilprivatisierung und M√∂glichkeiten, wie privates Eigentum wieder in die kommunale Hand zur√ľckgef√ľhrt werden k√∂nnte. Kommunale Gegenwehr ist m√∂glich. Der Film zeigt, was Paris und andere franz√∂sische Gemeinden aus der Abh√§ngigkeit von privaten Monopolstrukturen gelernt haben und wie sie es schaffen, gegen die enorme Macht der Globalplayer, das Wasser in eigene Regie zur√ľckzuholen. Episoden und Interviews werden aneinander gereiht und beleuchten so die komplexen Umst√§nde der Privatisierung.

Die Dokumentation bringt etwas Licht ins Dunkle. Den FilmemacherInnen, Leslie Franke und Herdolor Lorenz geht es um Aufkl√§rung √ľber globale Prozesse, und wie diesen begegnet werden kann. Der Film will B√ľrgerInnen dazu verhelfen, Demokratie aktiv zu gestalten und sie dabei unterst√ľtzen, kompetente Entscheidungstr√§gerInnen zu sein.

Das Problem besteht darin, dass die franz√∂sische Staatsanwaltschaft dem Antrag der Klage VEOLIAs bereits stattgegeben und einen Untersuchungsrichter bestellt hat. Dieser l√§sst mit Hilfe eines auch auf Deutschland ausgeweiteten Rechtshilfeersuchens polizeilich ermitteln. Bis der Prozess er√∂ffnet wird, kann es einige Zeit dauern. Noch darf der Film gezeigt werden. ARTE h√§lt weiterhin an der Planung fest, eine TV-Fassung am Internationalen Wassertag, dem 22. M√§rz 2011 um 20.15 Uhr auszustrahlen. Ein Ausstrahlungs- bzw. Auff√ľhrungsverbot ist k√ľnftig aber nicht auszuschlie√üen.

Wohl wissend, was es bedeutet, die Praktiken eines weltweit t√§tigen Konzerns zu durchleuchten, wurde im Auftrag von Water Makes Money praktisch jedes Wort von Anw√§ltInnen in Hamburg und Paris hin- und hergewendet und √ľberpr√ľft. Auch bei ARTE wurde jeder Fakt noch einmal gegengepr√ľft. Dennoch wird sicherlich nicht allein auf juristischem Feld entschieden, ob es VEOLIA mit seiner Klage gelingt, dass der Film aus den Kinos und von den Bildschirmen verschwindet.
F√ľr VEOLIA sind die Kosten eines solchen Verfahrens Peanuts. F√ľr Leslie Franke und Herdolor Lorenz kann das von Instanz zu Instanz potenzierte finanzielle Risiko aber ruin√∂s werden.

Deshalb der Aufruf:

  • Lassen Sie nicht zu, dass VEOLIAs Attacke auf "Water Makes Money" unbeobachtet bleibt. Verhindern Sie, dass Gro√ükonzerne Kritik an ihrem Gesch√§ftsgebaren unterdr√ľcken k√∂nnen.
  • Verbreiten Sie die Infos √ľber diese Attacke auf die Pressefreiheit √ľber Ihre Netzwerke, so weit Sie k√∂nnen.
  • Nutzen Sie Ihre Kontakte zur Presse, um diesen Fall breit in die √Ėffentlichkeit zu bringen!
  • Der Film "Water Makes Money" darf noch verbreitet werden, kann noch aufgef√ľhrt werden: Machen Sie VEOLIA einen Strich durch die Rechnung. Die Infos des Films m√ľssen noch breiter in die √Ėffentlichkeit gebracht werden.
  • Organisieren Sie eine Auff√ľhrung des Films.
  • Wenn Sie WMM schon gesehen haben, verschenken Sie die DVD. Helfen Sie mit, den Film m√∂glichst weit zu verbreiten!

    Water Makes Money
    Ein Film von Leslie Franke und Herdolor Lorenz

    Eine Kernfilm-Produktion in Koproduktion mit ARTE
    In Zusammenarbeit mit Jean Luc Touly, Marc Laimé, Christiane Hansen, Markus Henn und Aquattac
    Finanziert von zahllosen SpenderInnen
    2010, 90 Minuten

    Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:

    www.watermakesmoney.com
    www.wasser-in-buergerhand.de

    Inhalte zum Film finden Sie unter:

    kernfilm.de/site/inhalte/kern-film
    www.wasser-in-buergerhand.de/medien/water_makes_money_leitfaden.pdf

    E-Mail: film@watermakesmoney.org

    DVDs von "Water Makes Money" k√∂nnen Sie bestellen unter: bestellung@kernfilm.de (f√ľr eine nichtkommerzielle √∂ffentliche Vorf√ľhrung zum Preis von 28,50 Euro (inkl. MwSt.) zuz√ľglich Versandkosten oder f√ľr eine kommerzielle √∂ffentliche Vorf√ľhrung im Kino, wenn Eintritt genommen wird, zum Preis von 60 Euro Netto)

    Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

    "Im Auge des Zyklons. Der Elf-Aquitaine-Skandal und mein Kampf gegen internationalen Finanzbetrug" von Eva Joly

    (Quellen: www.watermakesmoney.com, kernfilm.de und www.wasser-in-buergerhand.de, Berlin, 02. Januar 2011)


  • Public Affairs Beitrag vom 08.02.2011 AVIVA-Redaktion 





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