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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 04.03.2011

EuropĂ€ischer Gerichtshof beschließt Unisex-Tarife fĂŒr Versicherungen
Kristina Auer

In seinem Urteil vom 1. MÀrz 2011 hat der EuropÀische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden, dass Unterscheidungen nach Geschlecht bei Versicherungstarifen eine Diskriminierung darstellen.



Ab spĂ€testens 21. Dezember 2012 mĂŒssen Versicherungen nun Unisex-Tarife anbieten. Das Urteil, dass allerdings nur neu abgeschlossene VertrĂ€ge betrifft, ist EU-weit gĂŒltig.

Dem Urteil liegt eine EU-Richtlinie zur Gleichstellung aus dem Jahr 2004 zugrunde, die jegliche Diskriminierung aufgrund von Geschlecht untersagt. Eine Ausnahmeklausel dieser Richtlinie, die mit dem Gerichtsbeschluss nun fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt wurde, erlaubte den Versicherungen bislang, dennoch nach Geschlecht zu unterscheiden, wenn dieses einen entscheidenden Risikofaktor darstelle.

Bisher wurden Versicherungstarife nach dem statistischen Risiko berechnet, wobei das Geschlecht der zu versichernden Person oft eine erhebliche Rolle spielte. So mĂŒssen Frauen in Deutschland in der privaten Krankenversicherung deutlich mehr bezahlen, weil das "Risiko" einer Schwangerschaft besteht. Auch in der privaten Rentenversicherung mĂŒssen Frauen höhere BeitrĂ€ge zahlen, da sie im Durchschnitt fĂŒnf Jahre lĂ€nger leben. Bei Risikolebensversicherungen und der Kfz-Haftpflicht haben Frauen dagegen Vorteile, da sie durchschnittlich gesĂŒnder leben und weniger UnfĂ€lle verursachen. All dies wird sich mit dem neuen Urteil Ă€ndern.

Viele Organisationen begrĂŒĂŸen das Urteil des EuGH. "Es ist sehr gut, dass sich der hohe Stellenwert der Gleichbehandlung im Unionsrecht gegenĂŒber den Versicherungsgepflogenheiten durchgesetzt hat", Ă€ußerte sich Jutta Wagner, PrĂ€sidentin des Deutschen Juristinnenbunds (djb) zu dem Urteil. Dem Juristinnenbundes zufolge ist nun vor allem eine zĂŒgige Neuberechnung der Tarife durch GesetzgeberInnen und Versicherungsaufsicht wichtig.

Auch der Total E-Quality e.V., der sich fĂŒr Chancengleichheit von MĂ€nnern und Frauen im Beruf einsetzt, Ă€ußerte sich in einer Pressemitteilung erfreut ĂŒber die Entscheidung des Gerichtshofs. "Menschen haben unterschiedliche Risiken aufgrund ihres Verhaltens, nicht aufgrund ihres Geschlechts", sagte die Vorsitzende Eva Maria Roer. Mit dem Urteil werde eine VerĂ€nderung in einem Bereich angestoßen, indem viele Menschen eine geschlechtsspezifische Stigmatisierung klaglos hingenommen hĂ€tten, so Roer weiter.

Heide HĂ€rtel-Herrmann vom Frauenfinanzdienst Köln freute sich vor allem in Bezug auf die BeitrĂ€ge zur privaten Rentenversicherung ĂŒber das Gerichtsurteil, denn hier sind die Unterschiede fĂŒr MĂ€nner und Frauen am höchsten. Außerdem kritisierte das unabhĂ€ngige FinanzberatungsbĂŒro fĂŒr Frauen das Verhalten vieler VertreterInnen der Branche, die auf das Urteil mit einem entsetzten Aufschrei reagierten und ein Steigen der BeitrĂ€ge fĂŒr alle Versicherten ankĂŒndigten.

"Das Urteil bietet keine Veranlassung, ĂŒber die Erhöhung der PrĂ€mien nachzudenken, sondern lediglich ĂŒber die diskriminierungsfreie Lastenverteilung", sagte auch die Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Marlies Brouwer. Mit der AnkĂŒndigung zu grundsĂ€tzlich höheren PrĂ€mienzahlungen werde versucht, den VersicherungsnehmerInnen das Urteil fĂŒr mehr Gerechtigkeit madig zu machen. Der Frauenrat fordert die Versicherungswirtschaft daher auf, die Berechnungen offen zu legen, nach denen höhere Beitragssummen nötig werden.


Das vollstÀndige Gerichtsurteil finden Sie unter:
curia.europa.eu

Weitere Infos finden Sie unter:

www.djb.de

www.frauenrat.de

www.total-e-quality.de

www.frauenfinanzdienst.de

www.spiegel.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Equal Pay Day 2011

(Quellen: Deutscher Journalistinnenbund, Total E-Quality e.V., Deutscher Frauenrat, Spiegel, Frauenfinanzdienst)

Public Affairs Beitrag vom 04.03.2011 Kristina Auer 





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