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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 20.08.2008

13 Jahre Haft f├╝r brutalen Angriff auf Aylin K.
Andrea Petzenhammer

Mehmet K. hat seine Ex-Frau fast get├Âtet, als er ihr aus Rache das Gesicht und den K├Ârper zerschnitt. Das Gericht verh├Ąngte f├╝r die "Beziehungstat" am 14. August 2008 eine Haftstrafe von 13 Jahren.



Am 21. November 2007 hat Mehmet K. das Leben seiner ehemaligen Ehefrau zerst├Ârt. Er verletzte sie mit mehr als 20 Messerstichen lebensgef├Ąhrlich, doch es gelang ihm nicht, sie zu t├Âten. Zun├Ąchst wurde die Urteilsverk├╝ndung, die urspr├╝nglich f├╝r den 31. Juli 2008 festgesetzt war, mehrfach verschoben. Nach der ersten Vertagung wegen Krankheit des Verteidigers musste das Gericht am 07. August 2008 noch ├╝ber weitere sieben Hilfsantr├Ąge der Verteidigung entscheiden, die nach dem Pl├Ądoyer eingereicht wurden. Wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer K├Ârperverletzung wurde Mehmet K. schlie├člich am 14. August 2008 zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt. Die Richter sahen im Angriff keine Ehren- sondern eine Beziehungstat. Der Verteidiger will jetzt Revision gegen das Urteil einlegen. Er hatte auf maximal 6 Jahre wegen Totschlags pl├Ądiert.

Jahrelange Gewalt in einer arrangierten Ehe

Nach fast 15 Jahren voller Dem├╝tigungen und Gewaltexzessen reichte Aylin K. 2003 die Scheidung ein. Er hatte sie immer wieder geschlagen, Ausl├Âser waren ihr Wunsch Deutsch zu lernen oder FreundInnen zu treffen. "Es geht wie in anderen F├Ąllen, in denen die T├Ąter Deutsche sind, um knallharte Machtanspr├╝che der M├Ąnner gegen├╝ber der Frau. Sonst nichts." sagt Aylin K.s Rechtsanw├Ąltin Brigitte Kiechle zu Beginn der Verhandlung gegen Mehmet K. dem Magazin Spiegel Online.

Er zerschnitt ihr das Gesicht, die Brust und die Arme

Aylin K ist furchtbar entstellt. Narben ziehen sich quer durch ihr Gesicht, ein Ohr fehlt. Die 36-j├Ąhrige wurde im November 2007 in der gemeinsamen Arbeitsstelle, der Autobahnrastst├Ątte Baden-Baden, von ihrem Ex-Mann ├╝berrascht. Er sperrte sie in ein Zimmer und ging dann mit zwei Messern auf sie los. Er zerstach ihre Milz, zerschnitt ihr Gesicht und ihre Brustwarzen und lie├č sie dann blutend liegen. Laut Zeuginnenaussagen von Mitarbeiterinnen der Tankstelle war Mehmet K. nach der Tat v├Âllig ruhig und gel├Âst. Erst als er erfuhr, dass Aylin K. ├╝berlebt hatte, begann er zu toben.

Tradition und Familienehre als Tatmotiv d├╝rfen nicht zur Strafmilderung f├╝hren

Terre des Femmes kritisierte den Umgang der Beh├Ârden mit der gef├Ąhrlichen Situation. Diese reagierten mit einem N├Ąherungsverbot f├╝r Mehmet K., als dieser nach dem Auszug seiner Frau aus der gemeinsamen Wohnung im Juni 2007 mit Mord drohte. F├╝r die Bundesgesch├Ąftsf├╝hrerin Christa Stolle war das absolut unzureichend. Sie fordert, dass die Polizei die ihr zur Verf├╝gung stehenden Ma├čnahmen bei F├Ąllen von Stalking konsequent anwendet, bevor es zu einem gewaltt├Ątigen ├ťbergriff kommt. Die Organisation h├Ąlt au├čerdem eine bessere Vernetzung und h├Ąrteres Durchgreifen der zust├Ąndigen Beh├Ârden bei F├Ąllen h├Ąuslicher und ehrbezogener Gewalt f├╝r dringend notwendig.

Sprachhindernisse und Aufenthaltsbestimmungen setzen Migrantinnen unter Druck

Migrantinnen sind ├╝berdurchschnittlich h├Ąufig von k├Ârperlicher und sexueller Gewalt in der Familie betroffen. Mangelnde Sprachkenntnisse, Druck aus der Verwandtschaft und die Angst um die Aufenthaltsgenehmigung lassen die Frauen erst in ├Ąu├čerst extremen F├Ąllen handeln. Auch dann k├Ânnen sie sich oft nur an die Polizei wenden, weil ihnen innerhalb ihres famili├Ąren Umfelds nicht geholfen wird.

"Er wird wieder versuchen, mich zu t├Âten"

Aylin K. hat ├╝berlebt, aber der Albtraum wird f├╝r sie nicht zu Ende gehen. Noch immer hat sie Operationen vor sich und genauso sichtbar wie die Narben ihres Gesichts werden sie auch die psychischen Folgen ein Leben lang begleiten. Angst hat sie vor allem vor einem: Sollte Mehmet K. entlassen werden, wird er versuchen, seine Rache zu Ende zu bringen. Trotz ihrer Angst versucht Aylin K., Opfern h├Ąuslicher Gewalt Mut zu machen und sich zu wehren. Sie engagiert sich in Organisationen wie Terre des Femmes und erz├Ąhlt in Schulen ihre Geschichte.

Terre des Femmes ist eine gemeinn├╝tzige Menschenrechtsorganisation f├╝r Frauen und M├Ądchen, die durch Aktionen, ├ľffentlichkeitsarbeit, Einzelfallhilfe, F├Ârderung von Projekten und internationale Vernetzung von Gewalt betroffene Frauen unterst├╝tzt. Schwerpunktthemen sind H├Ąusliche Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverst├╝mmelung, Frauenhandel und Zwangsprostitution. Terre des Femmes hatte gefordert, dass Tatmotive wie Tradition und Familienehre nicht zur Strafmilderung f├╝hren d├╝rfen und auf eine lebenslange Freiheitsstrafe f├╝r Mehmet K. gehofft.

Quellen:

www.frauenrechte.de
www.spiegel.de
www.spiegel.de
www.bmfsfj.de
www.bmfsfj.de

Weitere Informationen

Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess: www.kok-buero.de

Information zu Gewalt gegen Migrantinnen und Fl├╝chtlingsfrauen
www.autonome-frauenhaueser-zif.de

Hilfe f├╝r betroffene Frauen:

Frauenhaussuche beim "Verein Frauenhauskoordinierung": www.frauenhauskoordinierung.de

Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe: www.bv-fgg.de

Public Affairs Beitrag vom 20.08.2008 AVIVA-Redaktion 





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