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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 24.01.2012

Politikwissenschaftlerinnen der Freien Universität Berlin fordern Korrekturen in der Arbeitsmarktpolitik
AVIVA-Redaktion

Studie "Die Lebens- und Erwerbsverläufe von Frauen im mittleren Lebensalter. Wandel und rentenpolitische Implikation" zum Renteneinkommen der geburtenstarken Jahrgänge am 24.01.2012 vorgestellt



"Altersarmut bekämpfen, wo sie entsteht: am Arbeitsmarkt"

Die Biografien und Erwerbsverl√§ufe der heute 45- bis 50-j√§hrigen Frauen sind im Vergleich zu denen vorheriger Generationen vielf√§ltiger geworden. Diese Vielfalt wirkt sich nicht nur unterschiedlich auf die Alterssicherung der Frauen aus, sondern f√ľhrt zu "Klassenbildung" - nicht nur zwischen Mann und Frau, Ost und West, sondern auch innerhalb der Gruppe der Frauen. Das ist ein Ergebnis der neuen Renten-Studie, die die Politikwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Barbara Riedm√ľller und Ulrike Schmalreck vom Otto-Suhr-Institut f√ľr Politikwissenschaft am 24. Januar 2012 vorgestellt haben.

Sie forderten von PolitikerInnen, verst√§rkt Anreize zu schaffen, damit auch Frauen mit Kindern in Vollzeit arbeiten und so ihr Rentenkonto auff√ľllen k√∂nnten.
F√ľr die von der Deutschen Rentenversicherung gef√∂rderte Studie "Die Lebens- und Erwerbsverl√§ufe von Frauen im mittleren Lebensalter. Wandel und rentenpolitische Implikation" werteten die Wissenschaftlerinnen Daten des Sozio√∂konomischen Panels - einer repr√§sentativen Wiederholungsbefragung von √ľber 12.000 Privathaushalten in Deutschland - aus sowie der Versichertenkontenstichprobe - einer st√§ndigen Sondererhebung der gesetzlichen Rentenversicherung.

Wie der Vergleich zu fr√ľheren Generationen zeigt, weisen die "Babyboomerinnen" eine h√∂here Bildungs- und Erwerbsintegration auf. Auch der Anteil der reinen Hausfrauenbiografien ist im Westen mit 19 Prozent geringer als bei fr√ľheren Generationen (25 Prozent). Immer mehr Frauen vereinbaren Beruf und Kinder miteinander. Als "Trendsetterinnen" zeigen sie, dass ein qualifizierter Job erstrebenswert ist und finanzielle Unabh√§ngigkeit bis ins Alter garantiert. Von diesen Entwicklungen gehen positive Effekte aus, die zu einer h√∂heren eigenst√§ndigen Alterssicherung f√ľhren.
Gleichzeitig wirkt sich der Strukturwandel im Arbeits- und Besch√§ftigungssystem negativ auf die Sicherung im Alter aus. Die Frauen sind st√§rker als vorherige Jahrg√§nge von der Ausweitung der Teilzeit- und geringf√ľgigen Besch√§ftigung und den l√§ngeren und h√§ufigeren Phasen der Arbeitslosigkeit betroffen. Nur 21 Prozent der westdeutschen und 43 Prozent der ostdeutschen Babyboomerinnen weisen eine Vollzeiterwerbskarriere auf. Anders als fr√ľhere Rentnerinnengenerationen k√∂nnen die Frauen nicht darauf hoffen, ihre Versorgungsl√ľcken in der gesetzlichen Rente durch die Einkommen der Ehepartner zu kompensieren. Sinkende Renten der M√§nner, geringe Witwenrenten und die erh√∂hte Scheidungsrate lassen das Versorgermodell br√∂ckeln.

Um die von Altersarmut bedrohten Frauen zu sch√ľtzen, bestehe dringender Handlungsbedarf, sagt Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Riedm√ľller: "Die Politik muss sich endlich dazu durchringen, Altersarmut dort zu bek√§mpfen, wo sie entsteht: am Arbeitsmarkt. Das hei√üt, die volle Integration der Frauen ins Erwerbsleben muss gef√∂rdert werden. Wie die Analyse der Konzepte der Parteien und gesellschaftlichen Akteure zeigt, sind wir weit davon entfernt, dieses Ziel zu erreichen."

Kritik der Wissenschaftlerinnen

  • Durch die Mitversicherung der nicht oder nur geringf√ľgig erwerbst√§tigen Ehefrau in der Krankenversicherung werde kein Anreiz zur Aufnahme oder Ausweitung der Erwerbst√§tigkeit geschaffen. Das "Beamtenrecht" ist noch gro√üz√ľgiger und f√∂rdere den "Zuverdiener-Status" der Ehefrau, indem sie bis zu einer j√§hrlichen Einkommensgrenze von 18.000 Euro eine Beihilfeberechtigung erh√§lt.
  • Gleiches gelte f√ľr das Ehegattensplitting, welches sich besonders f√ľr Ehem√§nner mit hohem Einkommen und deren nicht erwerbst√§tige Ehefrau lohne. Diese gro√üz√ľgige Subventionierung der Ehe - unabh√§ngig von Kindern - setze finanzielle Fehlanreize und wirke der Erwerbst√§tigkeit der Frau entgegen.
  • Familienpolitische Ma√ünahmen wie das Elterngeld und die Erziehungszeit seien Faktoren, die lange Erwerbsunterbrechungen von M√ľttern herbeif√ľhrten.

    Forderungen an die Politik

  • Die abgeleiteten Anspr√ľche in der Rentenversicherung suggerierten der Ehefrau eine finanzielle Sicherheit im Alter, die die Witwenrente jedoch bekanntlich nicht mehr leisten werde. Hier w√§re den Wissenschaftlerinnen zufolge eine √Ąnderung der Renteninformation sinnvoll. Frauen sollten neben ihrer eigenen Rente auch die zu erwartende abgeleitete Rente ihres Ehepartners in ihrer Renteninformation erfahren. Bisher w√ľssten sie wenig √ľber die H√∂he der Witwenrente und √ľbersch√§tzten ihre Anspr√ľche h√§ufig. Familienorientierten Frauen mit geringen eigenen Rentenanspr√ľchen k√∂nne so der Glaube genommen werden, dass der Ehepartner f√ľr sie eine sichere Altersvorsorge darstellt.
  • Die Abschaffung der Steuer- und Sozialversicherungspflicht sowie die Erh√∂hung der Entgeltgrenze von 325 Euro auf 400 Euro f√ľr Minijobs haben zur massiven Ausweitung der geringf√ľgigen Besch√§ftigung gef√ľhrt. Diese Entwicklung entwerte die Erwerbsarbeit von h√§ufig gut qualifizierten Frauen und f√ľhre zu geringen Altersrenten. Deshalb m√ľssten an erster Stelle die Niedriglohnjobs bek√§mpft werden. Eine sinnvolle Ma√ünahme w√§ren die Einf√ľhrung der Sozialversicherungspflicht vom ersten Euro an und die Abschaffung der Geringf√ľgigkeitsgrenze. Auch ein fl√§chendeckender Mindestlohn k√∂nne helfen, die T√ľren zum Niedriglohnsektor zu schlie√üen.

    Weitere Informationen:

    Prof. Dr. Barbara Riedm√ľller, Otto-Suhr-Institut f√ľr Politikwissenschaft, Telefon: 0175 / 2464553, E-Mail: b.riedmueller@fu-berlin.de
    Ulrike Schmalreck, Otto-Suhr-Institut f√ľr Politikwissenschaft, Telefon: 030 / 838- 533 16, E-Mail: ulrike.schmalreck@fu-berlin.de

    Die Studie finden Sie im Internet unter:

    www.polsoz.fu-berlin.de

  • Public Affairs Beitrag vom 24.01.2012 AVIVA-Redaktion 





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