Frauenforschung - Frauen in der Geschichte der Informationstechnik - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Finanzkontor
AVIVA-Berlin > Public Affairs AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Politik + Wirtschaft
   Diskriminierung
   Veranstaltungen in Berlin
   Kultur
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 27.01.2003

Frauenforschung - Frauen in der Geschichte der Informationstechnik
Gerlinde Behrendt

Von Ada Lovelace bis Sandy Stone: Ein Projekt der Diplom-Informatikerin Veronika Oechtering an der UniversitÀt Bremen bietet hierzu Unterrichts- und Informationsmaterial an



In der Publikation werden einzelne Pionierinnen der Informationstechnik vorgestellt. Zugleich fragt Oechtering die Möglichkeiten der Frauen ab, sich jeweils in ihrer Zeit auszubilden und die erworbenen wissenschaftlichen FÀhigkeiten wirkungsvoll einzusetzen. Damit verbunden ist ein Blick in klassische und neue Frauenerwerbsbereiche mit Berufen wie Rechnerin, Datentypistin oder Programmiererin.

Informatik und Mathematik im Beruf

Oechtering stellt klar heraus: Das Fundament aller herausragenden Leistungen in der Informatik ist die Ausbildung in Mathematik. Erst der Zugang zu besserer Ausbildung ermöglichte es Frauen, auch in technische Berufe hineinzugelangen. Frauen haben zur Entwicklung der Informationstechnik entscheidend beigetragen, aber viele von ihnen sind unbekannt geblieben. MĂ€nnliche Erfinder (oft ihre EhemĂ€nner) wurden von der Öffentlichkeit eher wahrgenommen und anerkannt. Bei den LebenslĂ€ufen wird deutlich, dass Informatikerinnen meistens nicht dem jeweils geltenden bĂŒrgerlichen Frauenideal entsprechen. Ihre Strategien zur Vereinbarkeit von Familie und BerufstĂ€tigkeit werden in den Veröffentlichungen dargestellt, ebenso wie ihr Engagement fĂŒr andere Frauen oder fĂŒr andere gesellschaftliche Belange.

Der geschichtliche Abriss beginnt in der Antike, der frĂŒhen Periode der Aufteilung der menschlichen Arbeit in "Berufe": Seither werden Frauen dem familiennahen Bereich zugeordnet. Mathematik blieb zu dieser Zeit den Philosophischen Schulen - und somit den MĂ€nnern - vorbehalten. Erst mit der "industriellen Revolution" begann die Frauenarbeit generell, zum ökonomisch notwendigen Faktor zu werden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fingen die Frauen allmĂ€hlich an, in BĂŒros und Kontoren zu arbeiten - Rechenmaschinen und Kassen wurden "weibliche" ArbeitsgerĂ€te.

In dem Frauenforschungsprojekt beschĂ€ftigte frau sich auch mit der paradoxen Tatsache, das der Krieg den Frauen - zumindest vorlĂ€ufig - dabei geholfen hat, in MĂ€nnerdomĂ€nen vorzudringen: Im 2. Weltkrieg ĂŒbernahmen Frauen die ArbeitsplĂ€tze eingezogener MĂ€nner in Industrie und Ausbildung, Ingenieursarbeiten waren besonders gefragt, die Rechenlabors in Amerika und Europa "rekrutierten" eine enorme Anzahl von Frauen. Nach Kriegsende wurde diese "weibliche Reservearmee" wieder entlassen. Einflussreiche Positionen wurden an MĂ€nner - Kameraden aus dem Krieg - vergeben. Die Teilhabe von Frauen an Forschung und technologischer Entwicklung wurde damit fĂŒr Jahrzehnte zurĂŒckgeworfen. Die verbleibenden Frauen hatten zudem darunter zu leiden, dass ihre Arbeiten - fĂŒr MilitĂ€r und Großindustrie - immer noch der Geheimhaltung unterlagen und sie ihre Forschungsergebnisse nicht publizieren durften. Immerhin kamen Großrechner fortan auch im zivilen Bereich zum Einsatz.

Mit der rasanten Entwicklung des Personal Computers - verbunden mit der gesteigerten wirtschaftlichen ProduktivitĂ€t und Personalknappheit - boten sich erneut Chancen fĂŒr Frauen, sich mit unterschiedlichen Ausbildungen an der Entwicklung und Verbreitung der Datentechnologie zu beteiligen. Und sich bis in leitende Positionen hoch zu arbeiten....

PortrÀts der Frauen - Lebensgeschichten herausragender Informatikerinnen

Ada King, Countess of Lovelace ist die erste bekannte Programmiererin in der Geschichte. Sie entwarf Konzepte zur Programmierung einer mechanischen Maschine, die zu ihrer Zeit technisch noch nicht realisierbar war. Als Tochter von Annabella Byron und dem Dichter Lord Byron, wurde Augusta Ada in London geboren. Ihre Mutter erzog sie standesgemĂ€ĂŸ, allerdings war ihr Hauslehrer ein ehemaliger Cambridge Professor und der Privatunterricht umfasste die fĂŒr MĂ€dchen ungewöhnlichen FĂ€cher Mathematik und Astronomie.

Als verheiratete Frau und Mutter wurde ihr das wissenschaftliche Arbeiten zunÀchst schwer gemacht. Frauen war der Zugang zu Bibliotheken und UniversitÀten untersagt. 1834 hörte Ada zum ersten Mal von Charles Babbages Idee einer neuen Rechenmaschine, der Difference Engine. Zusammen mit Babbage arbeitete sie die Programmiergrundlagen dazu aus. Adas Vorschlag zur Berechnung von Bernoulli Zahlen wird heute als das erste Computerprogramm angesehen.

Ihre Publikation war mit dem KĂŒrzel A.A.L. unterschrieben und in der Fachwelt fanden ihre Ergebnisse wie ihr mathematisches Talent große Anerkennung. Adas Erfolg blieb ihr selbst jedoch weitgehend verborgen. Aie bewegte sich in der "Höheren Gesellschaft" und sorgte dort fĂŒr GesprĂ€chsstoff, ihr Interesse widersprach dem aristokratischen Frauenbild jener Zeit.

Ada Lovelace zeichnete sich durch außerordentliche Visionskraft aus. Sie war davon ĂŒberzeugt, dass eine Maschine eines Tages dafĂŒr genutzt werden könne, MusikstĂŒcke zu komponieren und Graphiken zu erstellen, und sowohl wissenschaftliche wie praktische Anwendung finden werde. "Die Analytische Maschine," sagte sie, "webt algorythmische Muster, genauso wie der Jacquard-Webstuhl Blumen und BlĂ€tter webt."

In der Publikation stellen die Bremer Frauenforscherinnen viele weitere aufwĂŒhlende und Mut machende Lebensgeschichten von Frauen vor, die es in der Mathematik, Informatik und Computerkunst zu (manchmal reichlich spĂ€ter) Anerkennung und Ruhm gebracht haben, z.B. die jĂŒdische Mathematikerin Emmy Noether, die Admiralin der US-Armee Grace Murray Hopper, die EDV-Spezialistin bei Daimler-Benz Maria-Christine FĂŒrstin von Urach, die Herausgeberin des Magazins "Computer-Praxis" Kristin Mierzowski, und die KĂŒnstlerin und Wissenschaftlerin AllucquĂšre Rosanne "Sandy" Stone.

Wie weit sind Frauen heute fortgeschritten?

Zum heutigen Stand der Dinge wird in der Studie Anita Borg zitiert, GrĂŒnderin des Institute for Women and Technology (www.iwt.org) "Frauen mĂŒssen heute fĂŒr eine "technologische StaatsbĂŒrgerschaft" kĂ€mpfen, in der Art, wie die Sufragetten fĂŒr ihr Wahlrecht gekĂ€mpft haben. Demokratie in der Technologie ist wichtig, und wir haben sie heute noch nicht. Die Teilhabe und der Einfluss an der Technologie ist heute weiß und mĂ€nnlich. Frauen, MinoritĂ€ten, Arme sind draußen." Und "Eine positive Entwicklung der Technologie hĂ€ngt davon ab, welche Technolgien weiterentwickelt werden, wer sie entwirft, wer sie konstruiert, wer sie kontrolliert, benutzt und wie sie benutzt wird. Wie Frauen eine positive Zukunft sicherstellen können? Indem Sie lernen, wissen, Meinungen haben,und sich ĂŒber Technologie austauschen."

FĂŒrs erste haben die Teilnehmerinnen des Bremer Frauenforschungsprojektes eine Materialsammlung fĂŒr Recherche- und Unterrichtszwecke und hergestellt, die die wissenschaftliche Publikation, Plakate und eine CD-ROM umfasst. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium fĂŒr Familie, Senioren, Frauen, und Jugend.

Mehr Infos unter: www.frauen-informatik-geschichte.de

Public Affairs Beitrag vom 27.01.2003 Gerlinde Behrendt 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken