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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 19.03.2003

Was ist eigentlich Gender Mainstreaming?
Gerlinde Behrendt

Es geht nicht mehr nur um die ewigen gleichen Chancen fĂŒr Frauen - und den Vorwurf, dass Frauen sie nicht richtig nutzen. Ziel ist die völlige ParitĂ€t, die Geschlechterdemokratie



Bisher hatte Frauenpolitik hĂ€ufig das Problem, als Extra-Ressort ohne eigene Kompetenzen mit VerbesserungsvorschlĂ€gen von außen in den eigentlichen Machtzentren der Politik in Erscheinung zu treten, quasi als Bittstellerin. Die neue Politik erhielt 1995 auf der Pekinger Weltfrauenkonferenz den Namen: "Gender Mainstreaming". In allen Politikbereichen soll ĂŒberprĂŒft werden, welche Auswirkungen die Entscheidungen auf die Lebenssituation von Frauen und MĂ€nnern haben. Also: der Abschied von der Vorstellung, dass es "geschlechtsneutrale" Politikbereiche gibt. Mit dem Amsterdamer Vertrag vereinbarten alle Staaten auf europĂ€ischer Ebene, das Gender Mainstreaming Prinzip bei ihrer Politik anzuwenden.

In Europa sind die Skandinavierinnen die Vorreiterinnen, wenn es darum geht, konservative Strukturen in Organisationen aufzubrechen. Sie haben bisher die meisten Erfahrungen mit Gender Mainstreaming als innovativer Strategie - speziell fĂŒr Organisationen, die "geschlechtshierarchisch" aufgebaut sind, die sich aber bisher als "neutral" ansahen. Eine Organisation ist dann geschlechtshierarchisch, wenn ĂŒberwiegend MĂ€nner die Entscheidungspositionen besetzen und wenn der "Mainstream", also der dominierende Teil, traditionellen mĂ€nnlichen Denk-und Handlungsschemata verhaftet ist. Solche Denkschemata blenden z.B. unbezahlte Familienarbeit aus und halten den 10 Stunden-Arbeitstag fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte fĂŒr "normal". MĂ€nner profitieren von der "patriarchalischen Dividende", d.h. dem Nutzen, den sie oftmals unbewußt aus den alltĂ€glichen patriarchalen VerhĂ€ltnissen ziehen. Auch MĂ€nner haben ein Geschlecht: Wenn ihnen das bewusst wird, wird Gender Mainstreaming erfolgreich sein.

Der neue Begriff "Gender-Mainstreaming" lĂ€sst sich bisher nicht adĂ€quat ins Deutsche ĂŒbersetzen. FĂŒr das englische Wort "gender" ist das deutsche "Geschlecht" in der Übersetzung zu stark biologisch ausgerichtet. Im englischen wird unterschieden zwischen "gender" und "sex". Der Gender-Ansatz knĂŒpft an die durch Gesellschaft und Erziehung vorgeprĂ€gte Rolle des jeweiligen Geschlechts an.

Bedeutet das nun den Abschied von der herkömmlichen Frauenpolitik?
Werden Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte ĂŒberflĂŒssig? Im Genderbereich werden die Frauenpolitikerinnen und -praktikerinnen weiterhin gebraucht, aufgrund ihrer Facharbeit aus der Geschlechterperspektive.

Die europÀische "Gender Mainstreaming" Richtlinie enthÀlt den Auftrag, Analysen zu den geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Gesetzes- und Fördervorhaben zu erstellen, das wird erst mit der Mitwirkung der Frauen aus den Fachbereichen möglich werden. Aber von einigen liebgewordenen Vorstellungen sollte frau sich wohl verabschieden:
- Frauen, Frauenbeauftragte, Frauenpolitikerinnen sind nicht mehr allein fĂŒr Fragen der Geschlechterdemokratie "zustĂ€ndig",
- "Frauenförderung" heißt nicht, dass man sich um Frauen besonders kĂŒmmern muss, weil sie persönliche Defizite aufweisen,
- VerÀnderung von geschlechtsbezogenen Verhaltensweisen muss auch von MÀnnern eingefordert werden,
- Gender Mainstreaming fördert nicht die Chancen einzelner Frauen, sondern verĂ€ndert nachhaltig in einem ĂŒber lĂ€ngere Zeit angelegten Prozess diskriminierende Strukturen von Organisationen.

Fazit: Neben der offiziellen Genderpolitik bleibt eigenstÀndige Frauenpolitik als Instrument zur Entwicklung und Durchsetzung von Zielen weiterhin erforderlich.

Public Affairs Beitrag vom 19.03.2003 Gerlinde Behrendt 





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