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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.06.2003

Wissenswert: Chemische Helfer in Kosmetika - besser als ihr Ruf?
Gerlinde Behrendt

Warum Tomaten f√ľr manche gef√§hrlicher sind... Eine Veranstaltung der Technologiestiftung Berlin erl√§utert die Wirkung chemischer Hilfsstoffe in Hautcremes



Der Moderator der einladenden Investitionsbank zitierte zu Beginn einige religi√∂se Glaubenss√§tze zum Thema Frauen und Sch√∂nheit: "Wahre Sch√∂nheit komme von innen, gottesf√ľrchtige Frauen seien dem Manne untertan und m√ľssen sich nicht sch√∂n machen, in fundamentalistischen Religionen d√ľrfen Frauen keine Sch√∂nheitsprodukte verwenden." Umgekehrt lie√üe sich demnach der Schluss ziehen, dass Kosmetik und Mode eine Errungenschaft der Emanzipation sind. Wenn es so ist, war es dennoch verwunderlich, dass auf dem Podium Forscher und Unternehmer sa√üen und keine Forscherinnen und Unternehmerinnen....

Ist Natur in Kosmetika grundsätzlich gut und Chemie eher schlecht?

Die Eingangsfrage hielt Prof. J√ľrgen Lademann von der Humboldt Universit√§t schon f√ľr den Ausdruck einer falschen Vorstellung von Chemie: Auch in der Haut finden chemische Reaktionen statt. Selbst wenn man Honig oder Eselsmilch auftr√§gt, reagiert die Haut darauf mit einem chemischen Prozess. Naturkosmetik enth√§lt ein Gemisch von Wirkstoffen, das auf der Haut chemisch reagiert. Zur Frage der Wirksamkeit von Naturkosmetik √§u√üerte er sich eher skeptisch: "Glaube versetzt Berge".

Dr. Rolf Dieter Schilling von der Firma Berlin Cosmetics betonte, dass die Vorstellung: Natur - gut, Chemie schlecht, so nicht haltbar sei. Naturprodukte k√∂nnen Sch√§digungen verursachen, Tomaten z.B w√ľrden die strengen Vertr√§glichkeitspr√ľfungen f√ľr Hautcremes nicht bestehen: Als nat√ľrliches Produkt w√ľrden sie zu viele Allergien hervorrufen. Berlin Cosmetics ist ein mittelst√§ndisches Unternehmen, das seit 50 Jahren - zuerst im Ostteil der Stadt - Kosmetikprodukte herstellt, preiswerte Kosmetik. Die bekannteste Hautcreme der Firma ist die "Kaloderma". Besondere St√§rken von Berlin Cosmetics liegen im Bereich der Farbkosmetik, die Firma "kann flexibel auf Nachfrage√§nderungen reagieren." Naturprodukte verwendet man bei Berlin Cosmetics selbstverst√§ndlich, die Frage ist eher, ob organisch oder anorganisch, bei organischen Produkten muss Konservierungsstoff verwendet werden, der auch wieder chemisch hergestellt ist.

Wozu braucht man eine Hautcreme? Prof. Lademann erl√§utert, dass die Haut eine Barrierefunktion hat, eine Grenze zum √Ąu√üeren darstellt, die gegen Einfl√ľsse wie Sonnenstrahlen und Verschmutzungen sch√ľtzen muss. Dabei ist sie vielfachen Gef√§hrdungen ausgesetzt Die Haut sollte unterst√ľtzt werden, da sonst der Alterungsprozess schneller eintritt. Er erw√§hnt das Br√§unungsideal als einen Risikofaktor f√ľr die Haut, das zu einem Ansteigen des Hautkrebsrisikos gef√ľhrt hat.

Helfer gegen freie Radikale, die "Terroristen" des Körpers

Norbert Groth vom Privaten Forschungsinstitut Galenus
weist auf die besondere Rolle der freien Radikalen hin, die den Alterungsprozess der Haut beschleunigen, sie entstehen haupts√§chlich durch Sonneneinstrahlung, aber auch durch Rauchen, falsche Ern√§hrung usw. Sie sind in der Tat eine Art Terroristen des K√∂rpers. Die Wirkung der freien Radikalen erkl√§rt er folgenderma√üen: Ein Hautmolek√ľl entsteht, indem zwei Atome sich verbinden, zerf√§llt ein Molek√ľl, entstehen Bruchst√ľcke, die in der Lage sind, noch intakte Zellen zu "zerschie√üen", die wiederum Nachbarzellen zerst√∂ren k√∂nnen, eine ganze Kettenreaktion wird durch freie Radikale in Gang gesetzt.
Als Gegenmittel dazu sollen die "Radikalenf√§nger" dienen, die die Zellmembran vor solchen Angriffen sch√ľtzen k√∂nnen. Er betont, dass Radikale zum normalen Reaktionsprozess der Haut geh√∂ren, nur d√ľrften es nicht zu viele werden. Bisher bekannte Radikalenf√§nger sind z.B. Sonnenschutzmittel, die Wirkstoffe Beta Carotin und Vitamin C. Die Firma Galenus hat eine M√∂glichkeit gefunden, mit wissenschaftlichen Methoden freie Radikale zu messen, und dabei den Radical Protection Factor (RPF) als Standard entwickelt.

Wie kann man Lichtschäden vermeiden?

Noch besser erforscht und standardisiert ist der Lichtschutzfaktor (LSF): Wie viel mal l√§nger man in der Sonne bleiben kann, bis die Haut Sonnenbrand bekommt, wenn ausreichend eingecremt wurde. Dabei k√∂nnen Fehler passieren: Fu√üsohlen, Ohren, Stirn (Haare sollen nicht fettig werden) werden h√§ufig ausgespart, k√∂nnen aber ebenso schnell Sonnebrand bekommen wie andere Hautstellen. LSF ist in Sonnenschutzmitteln weitgehend realisiert, W√ľnsche an die Industrie beziehen sich auf die Applikationsm√∂glichkeiten, eine bessere Konsistenz wird gefordert, die Creme soll nicht glitschig sein. Richtig eingecremt ist man mit 2 mg pro qm Haut - das ist ziemlich viel! Und die Wirkung geht auch z. T. durch Austrocknen und Baden verloren, dann muss nachgecremt werden. Wenn eine Creme wasserresistent ist, heisst das immer noch, dass die Wirkung nach einem Bad um 50% nachl√§sst.
Schilling weist darauf hin, dass seine Firma Produkte mit Lichtschutzfaktoren f√ľr UVA und UVB Licht anbietet, Infrarotlicht dagegen ist noch nicht gen√ľgend erforscht.
Groth best√§tigt, dass bei der UV Strahlung immer noch falsche Vorstellungen √ľber die Sch√§dlichkeit verbreitet sind, auch das als harmlos geltende UVA Licht aus Sonnenb√§nken ist gef√§hrlich, weil es l√§ngerfristig Collagen, die Zellfasern der Haut zerst√∂rt und mittlerweile als krebserregend gilt.

Was m√ľssen Hautcremes leisten?

Zu den neueren Anforderungen an chemische Hilfsstoffe in Kosmetik erl√§utert Schilling, dass Anti-Aging Produkte und hautstraffende Produkte nachgefragt werden. Er betont, dass diese die Regeneration der Haut unterst√ľtzen k√∂nnen, nicht aber grunds√§tzlich den Alterungsprozess aufhalten oder gar Fehler in der Ern√§hrung oder Lebensf√ľhrung ausbessern k√∂nnen. Es l√§sst sich wissenschaftlich nachmessen, dass Rauchen, Alkohol und zuwenig Schlaf die Faltentiefe der Haut vergr√∂√üern: Die Nacht durchmachen, Alkohol trinken, Zigaretten rauchen, am n√§chsten Morgen kann man das deprimierende Ergebnis im Spiegel besichtigen. Ein Zug mit der Zigarette entl√§sst 10 hoch 14 freie Radikale, auch Abgase und Klimaanlagen sind schlecht f√ľr die Haut. Wenn man in einer Umgebung mit Klimaanlagen arbeitet, sollte man die Haut eincremen, bei Trockenheit erschlaffen die Collagenfasern der Haut, die Cremes k√∂nnen die Haut unterst√ľtzen, indem sie Feuchtigkeit zuf√ľgen.

Fazit:
Gesunde Lebensweise und Unterst√ľtzung der Haut bei Sonnenlicht und Trockenheit helfen bei der Erhaltung eines glatten Hautbildes. Dank ausgefeilter wissenschaftlicher Methoden und strenger Zulassungskriterien f√ľr chemische Hilfsmittel in Kosmetika sind heutige Produkte ohne Vorbehalt zu empfehlen.

Public Affairs Beitrag vom 10.06.2003 Gerlinde Behrendt 





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