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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 22.04.2003

Frauenhandel bekämpfen!
Hilde Meier

Per Beschluss arbeiten seit April 2003 Senat, Polizei und Beratungsstellen in Berlin zusammen, um gezielter gegen den Menschenhandel mit Frauen aus Osteuropa vorgehen zu können.



Mit einer verbindlichen Vereinbarung zur Kooperation zwischen Polizei, Senat und Beratungsstellen will Berlin verstärkt gegen Frauenhandel vorgehen.
"Ziel ist es, den Opfern besser zu helfen und massiver gegen die T√§ter vorzugehen", sagte der B√ľrgermeister und Frauensenator Harald Wolf, PDS, am 04. April 2003 auf einer Pressekonferenz im Roten Rathaus.

Jährlich werden an die 120.000 Frauen und Mädchen aus Mittel- und Osteuropa (MOE) nach Westeuropa geschleppt und zur Prostitution gezwungen, wobei die Dunkelziffer nach Schätzungen des Polizeipräsidenten Dieter Glietsch "noch um ein Tausendfaches höher liegt". Vor allem Frauen aus Bulgarien, Rumänien und Rußland werden oft mit falschen Versprechen auf einen gutbezahlten Job als Hausangestellte oder Kindermädchen Opfer von Zuhälterringen. Einmal in deren Fänge geraten, können sie sich selten alleine wieder befreien.

Berlin ist aufgrund seiner geografischen Lage Dreh- und Angelpunkt f√ľr den verbrecherischen Menschenhandel. "Das Deliktfeld Menschenhandel ist eine besonders menschenverachtende Form der Kriminalit√§t", findet auch der Innensenator Dr. Ehrhart K√∂rting. "Die jetzt abgeschlossene Kooperationsvereinbarung ist ein weiterer wichtiger Schritt, um einen Riegel vorzuschieben und den betroffenen Frauen noch besser zu helfen".

Doch Wunsch und Wirklichkeit liegen in dieser Sache sehr weit auseinander.Nach Senatsangaben wurden im Jahr 2002 bei Razzien in Berliner Bordellen nur 31 Fälle von Menschenhandel und 45 Fälle von schwerem Menschenhandel aufgedeckt.

F√ľr die T√§ter ist der Frauenhandel ein lukratives und relativ risikoarmes Gesch√§ft, da eine Strafverfolgung nur mit Hilfe von Zeuginnenaussagen m√∂glich ist. "Doch die Opfer und auch oft die Angeh√∂rigen werden derartig unter Druck gesetzt, dass sie keine Hilfe holen. Aus Angst vor Racheaktionen machen sie keine Anzeigen und bei Prozessen keine Aussagen", wei√ü Nivedita Prasad, Projektkoordinatorin von Ban Ying. "Nur mit der absoluten Gew√§hrleistung des Zeuginnenschutzes und einem gesicherten Aufenthaltsstatus k√∂nnen Frauenh√§ndler gefa√üt und verurteilt werden".

Zu diesem Zweck wurde nun die Kooperationsvereinbarung getroffen.Bei einer Razzia werden die festgenommenen Frauen mittels eines Faltblattes von Ban Ying in ihrer Muttersprache √ľber das Hilfsangebot informiert. Wenn sie eine Anzeige machen wollen mu√ü die Polizei -laut Abkommen - die Beratungsstellen informieren. Die Mitarbeiterinnen von in via, ONA und Ban Ying sind in Rufbereitschaft und handeln sofort. Sie holen die Frauen ab und k√ľmmern sich um alles Weitere:

  • Unterbringung in einer Zufluchtswohnung
  • Beh√∂rdeng√§nge
  • Aufenthaltsregelung
  • Anwaltbeschaffung
  • Prozess-Vorbereitung
  • Zeuginnenschutz
  • Psychosoziale Betreuung f√ľr die zumeist traumatisierten Opfer



Die Kooperation hat aber auch Schnittstellen, die die Zusammenarbeit schwer machen. Die Beratungsstellen sind an dem gr√∂√ütm√∂glichen Schutz der Frauen interessiert. Die Polizeibeh√∂rden verfolgen das Ziel, Straftaten zu vereiteln und Straft√§terInnen zu √ľberf√ľhren. "Illegale Einreise" ist ein Strafbestand, Abschiebehaft und Ausweisung sind die Folgen. Die Misere der Frauen spitzt sich zu. Oft werden sie sogar doppelt und dreifach bestraft, denn nach der Abschiebung in ihre Heimatl√§nder wie Rum√§nien, droht ihnen eine weitere Strafe wegen "illegaler Ausreise".
Belgien und Italien gehen in dieser Sache bereits mit gutem Beispiel voran: Aussagewillige Frauen werden nicht mehr abgeschoben, sondern bekommen ein Bleiberecht im Land. Diese gesetzliche Regelung fordern die Beratungsstellen auch f√ľr Deutschland.
Und - bei der Kooperationsvereinbarung bleibt zu w√ľnschen, dass sie mehr als nur die Hoffnung vieler Frauen sch√ľrt auf die Dingfestmachung und Bestrafung ihrer Peiniger.

Adressen und Ansprechpartnerinnen:

Ban Ying Koordinationsstelle
Anklamer Straße 38
10115 Berlin
Tel. 030-440 63 73
www.ban-ying.deE-Mail:info@ban-ying.de
Ban Ying Koordinationsstelle und die Zufluchtswohnungen werden von der Senatsverwaltung f√ľr Arbeit, Soziales und Frauen finanziert.

IN VIA
Pfalzburger Straße 18
10719 Berlin
Tel. 030-86 42 48 50
IN VIA, "Koordinations- und Beratungsstelle f√ľr Frauen aus Mittel- und Osteuropa, die von Menschenhandel betroffen sind". Der Verein "Katholische M√§dchensozialarbeit f√ľr das Erzbistum Berlin e.V." wird aus den Mitteln des Bundesministeriums f√ľr Familien, Senioren, Frauen und Jugend finanziert.

ONA e.V.
Oranienstraße 34
10999 Berlin
Tel. 030-48 09 62 81
www.ona-berlin.deE-Mail:onazuf@aol.com
Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung der Interessen von Frauen aus Mittel- und Osteuropa. F√ľr das Projekt "Zufluchtswohnung" erh√§lt der Verein eine Finanzierung von der Berliner Senatsverwaltung f√ľr Wirtschaft, Arbeit und Frauen.



Public Affairs Beitrag vom 22.04.2003 AVIVA-Redaktion 





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