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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 05.07.2002

Embryonale Stammzellen
Bianca Theurer

Stammzellenforschung mit Klonen eng verkn├╝pft?



Ende Januar wurde der Antrag ├╝ber die kontrollierte Einfuhr embryonaler Stammzellen mit knapper Mehrheit vom Bundestag angenommen: menschliche Zellen zu Forschungszwecken. Der Antrag wird noch dieses Jahr Gesetz, das bis zum Sommer verabschiedet werden soll. Aber was genau sind embryonale Stammzellen? Woraus und unter welchen Umst├Ąnden werden sie gewonnen? Und warum ist die Stammzellenforschung so eng mit dem Klonieren verkn├╝pft?

Die Medien ├╝berschlagen sich. Allerorts wird ├╝ber Stammzellen und Stammzellenlinien berichtet. Meist in einem politischen oder moralischen Kontext. Die Definition zum Begriff embryonaler Stammzellen oder Zelllinien geht dabei unter oder taucht gar nicht erst auf.

Alles menschliche Leben - der K├Ârper - entwickelt sich aus einer einzigen Zelle. Irgendwann besitzen wir dann 300 verschiedene Zelltypen. Aber die Zellen verlieren mit den Jahren ihre F├Ąhigkeit, sich beliebig zu verwandeln. Wer nun frische Zellen f├╝r Therapien herstellen will, braucht Allesk├Ânner - die embryonale Stammzelle. Im Alter von vier bis sieben Tagen sieht ein Embryo noch aus wie ein Zellklumpen. Der ├Ąu├čere Teil bildet sp├Ąter den Mutterkuchen. Die innere Kugel - bestehend aus ein paar hundert Zellen - reift zum F├Âtus heran. Die embryonalen Stammzellen werden aus den inneren Zellen gewonnen - wobei das Embryo zerst├Ârt und get├Âtet wird. Aus dem Zellenkomplex lassen sich zwar alle m├Âglichen K├Ârperzellen, aber keine Embryos samt Mutterkuchen mehr z├╝chten. Die Herstellung der Stammzellen f├Ąllt unter das Embryonenschutzgesetz, was nicht automatisch f├╝r den Import der Zellen gilt.
Stammzellen werden also aus lebenden Embryonen, die wenige Tage alt sind, gewonnen.
Ebenso lie├čen sie sich aus erwachsenem Gewebe, sogenannten adulten Stammzellen, isolieren. Allerdings ist die Isolierung dieser Stammzellen kompliziert und ihre Teilungsf├Ąhigkeit begrenzt.
In den Augen der Kritiker wird menschliches Leben zum Rohstoff degradiert. Interessanterweise wird heute den Zelllinien bei der Bek├Ąmpfung von Alzheimer oder Krebs eine enorme Wunderkraft nachgesagt - ohne empirische Grundlage!

Welche Eigenschaften machen embryonale Stammzellen f├╝r Forscher interessant? Sie haben die F├Ąhigkeit, jedes beliebige Gewebe von Blut- ├╝ber Knochen- bis Herzzellen zu bilden, und sie teilen sich unerm├╝dlich. Die Forscher hoffen, eines Tages aus menschlichen embryonalen Stammzellen Ersatz f├╝r krankes Gewebe z├╝chten zu k├Ânnen und es ihren Patienten einzupflanzen. Bis das, was gemeinhin mit "therapeutisches Klonen" bezeichnet wird, m├Âglich ist, ben├Âtigt die Forschung - nach eigenen Angaben - noch zwanzig Jahre. Verschwiegen wird die Tatsache, dass beim ├ťbertragen von unreinen Zellkulturen in anderes Gewebe Krebs ausgel├Âst werden kann.

Soll ich mein behindertes Kind behalten? Wer sich als Frau mit dem Thema Schwangerschaft auseinander setzt, vielleicht noch ├╝ber dreissig Jahre alt ist und ein Kind plant, stellt sich wahrscheinlich die Frage, was tun, wenn fr├╝hzeitig eine Behinderung festgestellt wurde. Das nur ein ├Ąu├čerst geringer Prozentsatz der sp├Ąteren Behinderungen im Mutterleib festgestellt werden k├Ânnen und dar├╝ber hinaus ein vielfaches der Neugeborenen durch die Geburt behindert bleibt, recherchiert sich nicht so leicht wie die Tatsache, dass eine Frau kaum (finanzielle) Unterst├╝tzung erh├Ąlt, zieht sie ein behindertes Kind gro├č. Zwar macht uns das System glauben, dass jede Entscheidung eine individuell getroffene ist, dennoch verwundert es, dass sich viele Frauen - aus freien St├╝cken? - gegen den F├Âtus entscheiden, wenn der Arzt eine angebliche Behinderung diagnostiziert. Was der Staat tut, um die Entscheidung gegen Kinder mit Behinderungen zu unterst├╝tzen ist, aus Sicht der Frau, leicht erkl├Ąrt: Wer ein behindertes Kind zur Welt bringt, leidet sein Leben lang darunter - und zwar an den finanziellen Folgen. Behinderte Menschen, fallen also wie Brotkr├╝mel durch ein Raster, weil sie nicht ganz der "Norm" entsprechen.

Schwangere erleben zunehmenden Druck, wollen sie sich nicht pr├Ąnatalem Screening w├Ąhrend der Schwangerschaft unterziehen. In Gro├čbritannien wurde sogar die Anwendung der Pr├Ąimplantationsdiagnose (PID) ausgeweitet. Das Verfahren, bei dem au├čerhalb des Mutterleibs befruchtete Eizellen genetisch untersucht und dann wieder in die Geb├Ąrmutter implantiert werden, durfte bislang nur in einem Punkt Anwendung finden: zum Ausschuss von Embryonen mit schweren, genetisch bedingten Krankheiten. K├╝nftig k├Ânnen Eltern aber mit PID versuchen, einen eigenen Blut- oder Gewebespender f├╝r ihr bereits geborenes, krankes Kind zu erzeugen.
Ebenso wurde der Medizin schon gestattet die PID einzusetzen, um die Geburt eines Kindes mit Trisomie 21 (bekannt als Down-Syndrom) zu verhindern. Auch andere unmenschliche Forderungen seitens der Wissenschaft werden immer dr├Ąngender: f├╝r fremdn├╝tzige Medizinforschung auf Menschen zuzugreifen, die nicht (mehr) selbst einwilligen k├Ânnen.

Den Hintergrund kurz notiert:
Ein Drittel der weltweit zur Verf├╝gung stehenden Stammzellen kommen aus Schweden. Geforscht wird an menschlichen Lebewesen, deren Blut zirkuliert und die lebensf├Ąhig sind. Mit "zu geringer Qualit├Ąt" beschriebene Embyonen oder eingefrorene, die ein Paar zu Forschungszwecken freigegeben hat. Die Stammzellenlinien sind dort begehrt , wo wegen nationaler Gesetzgebung eigene noch nicht entwickelt werden d├╝rfen.
In Schweden und Gro├čbritannien ist der Weg f├╝r "therapeutisches Klonen" freigegeben. In beiden L├Ąndern ist es per Gesetz m├Âglich, den Zellkern eines Patienten in eine entkernte Eizelle zu transferieren, um Stammzellen zu bekommen, die mit dem Patienten genetisch ├╝bereinstimmen. Bevor Schweden als zweites Land weltweit mit solchen Forschungen beginnen kann, soll erst geregelt werden, dass geklonte Embryonen einer Frau nicht mehr in die Geb├Ąrmutter eingesetzt werden d├╝rfen, so der sozialdemokratische Forschungsminister Thomas ├ľstros.

Bianca Theurer, p-konzept

Public Affairs Beitrag vom 05.07.2002 AVIVA-Redaktion 





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