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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 17.04.2006

Erneut steuern wir auf einen gro├čen Lebensmittelskandal zu
Agnes Winklarz

Vermutlich 100 Millionen mit Nikotin belastete Eier sind seit zweieinhalb Monaten in den Handel gelangt. Eine Diskussion ├╝ber VerbraucherInnenschutz und artgerechte Tierhaltung ist entfacht.



"Nikotin ist hochgiftig und hat in Eiern rein gar nichts zu suchen", so der Standpunkt B├Ąrbel H├Âhns.
Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zeigt sich besorgt - auch die Tierschutzorganisation Greenpeace und die VerbraucherInnen stellen die Qualit├Ąt der Nahrungsmittel
immer kritischer in Frage:
Hormone im Kalbfleisch, W├╝rmer im Fisch, BSE-verseuchtes Rindfleisch, Acrylamid in Pommes ÔÇô Lebensmittelskandale haben in den vergangenen Monaten und Jahren Schlagzeilen gemacht, die Angst um die eigene Gesundheit gesch├╝rt.

Keine Gefahr f├╝r den VerbraucherInnen?

Von nikotinbelasteten Eiern geht, laut Dr. Dominik Meyer, dem Sprecher des nieders├Ąchsischen Landwirtschaftsministeriums, keine Gefahr aus, wie er im Gespr├Ąch mit FOCUS Online best├Ątigte.
Dennoch ist es fraglich wie die Eier ungehindert in den Handel gelangen konnten.
Von insgesamt rund 100 Millionen St├╝ck ist die Rede, die allesamt aus den St├Ąllen und Legebatterien des gr├Â├čten deutschen Eier-Produzent, der Deutschen Fr├╝hst├╝cksei GmbH, stammten.
Zwar habe das Institut f├╝r Verbraucherschutz in Oldenburg nur relativ geringe Nikotinwerte in den Eiern und an den Federn nachgewiesen, aber schon diese Menge widerspricht dem Lebensmittelrecht, weshalb die Staatsanwaltschaft Oldenburg nun wegen Versto├čes gegen das Lebens- und Futtermittelgesetz ermittelt.

Nikotin zur Sch├Ądlingsbek├Ąmpfung

Wie der Ministeriumssprecher behauptete ist in den St├Ąllen das als Anti-Milben-Mittel eingesetzte Nikotin offenbar "unsachgem├Ą├č angewandt worden" und so in die Eier gelangt.
In Deutschland ist der Einsatz nikotinhaltiger Desinfektionsmittel verboten,
obwohl der hochgiftige Stoff fr├╝her oft als Pflanzenschutzmittel, zum Beispiel im Kampf gegen Blattl├Ąuse eingesetzt wurde, da er sowohl gut vertr├Ąglich als auch biologisch gut abbaubar ist.
F├╝r den ausbringenden Landwirt hingegen kann die Verwendung zum Verh├Ąngnis werden, wie der Fall Anton Pohlmann beweist.
Von ihm hatte die Deutsche Fr├╝hst├╝cksei AG die Betriebe ├╝bernommen, nachdem er wegen des Einsatzes von Nikotin ein Tierhaltungsverbot auferlegt bekam, sein Imperium folglich aufgeben musste.

Sabotageakt beim Eierbaron?

Das betroffene Unternehmen streitet alle Vorw├╝rfe ab.
Vielmehr geht die Firmenleitung, wie die Netzzeitung berichtet, von einem "Sabotageakt" aus, da sowohl die Deutsche Fr├╝hst├╝cksei GmbH als auch das mit der Reinigung beauftragte Fremdunternehmen den illegalen Einsatz von Nikotin ablehnen.
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hingegen h├Ąlt einen Sabotageakt als Ursache f├╝r die Belastung von Eiern mit dem Gift f├╝r abwegig. ┬źWir haben nicht den geringsten Anhaltspunkt daf├╝r┬╗, sagte der Sprecher der Beh├Ârde, Bernard S├╝dbeck.
Auch nach Ansicht des Tierschutzbundes wirkt die Verteidigung des verd├Ąchtigten Unternehmens unglaubw├╝rdig, da gerade der Gesch├Ąftsf├╝hrer der Deutschen Fr├╝hst├╝cksei GmbH, Gert Stuke, sich in den vergangenen Monaten aus Sicherheitsgr├╝nden besonders engagiert f├╝r die Beibehaltung der K├Ąfighaltung eingesetzt hat.
Wie viel wusste Landwirtschaftminister Ehlen?
Der Bundestagsfraktion der Gr├╝nen zufolge ist auch Landwirtschaftsminister Ehlen offensichtlich bem├╝ht, das von Renate K├╝nast 2001 durchgesetzte K├Ąfighaltungsverbot r├╝ckg├Ąngig zu machen.
Bereits seit November 2005 lagen angeblich Berichte ├╝ber Nikotinfunde vor.
Der Erlass zur Sperrung s├Ąmtlicher betroffener Betriebe folgte jedoch erst am 31.M├Ąrz.2006.
Das n├Ąhrt den Verdacht, dass bewusst Informationen zur├╝ckgehalten wurden, damit die K├Ąfighaltung von Hennen wieder eingef├╝hrt werden kann.
"Jetzt gilt es zu kl├Ąren wohin die Eier geliefert wurden und welche Produkte eventuell belastet sind," so die Auffassung B├Ąrbel H├Âhns, die von dem Minister fordert "alle Karten auf den Tisch zu legen" und den Beh├Ârden nicht mehr l├Ąnger "einen Maulkorb zu verpassen".
Tierschutzorganisationen sind besorgt
Die Frage, die sich jetzt vor allem Tierschutzorganisationen stellen, ist die nach dem weiteren Schicksal der Hennen, die mit dem Nikotin in Kontakt gekommenen sind.
Sie bef├╝rchten eine millionenfache T├Âtung der Tiere. "Fr├╝here Skandale haben immer wieder gezeigt, dass die industriell gepr├Ągte Tierhaltung zu Ausw├╝chsen f├╝hrt, die zu Lasten des Tier- und Verbraucherschutz gehen. Ob dies auch hier der Fall ist, muss eilig gekl├Ąrt werden", erkl├Ąrt Wolfgang Apel, Pr├Ąsident des Deutschen Tierschutzbundes.
Eine Kontrolle aller K├Ąfighaltungsbetriebe wird gefordert, da 53,3 % der Legehennen in Deutschland in tierqu├Ąlerischen Hallen mit mehr als 100.000 Tieren gehalten werden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

  • Greenpeace ÔÇô Studie: "Pestizide au├čer Kontrolle II": http://gruppen.greenpeace.de
  • Deutscher Tierschutzbund e.V: www.tierschutzbund.de
  • Bundestagsfraktion B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen: www.gruene-bundestag.de

  • Public Affairs Beitrag vom 17.04.2006 AVIVA-Redaktion 





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