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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 01.06.2006

Hartz IV - ein RĂŒckschlag fĂŒr Frauen
Sarah Ross

Die FinanzFachFrauen weisen darauf hin, dass die geplante VerschĂ€rfung der Hartz-IV-Gesetze einen herben RĂŒckschlag fĂŒr das Streben nach finanzieller UnabhĂ€ngigkeit von Frauen bedeutet.



Die Kölner Finanzberaterin Heide HÀrtel-Herrmann und Pressesprecherin der FinanzFachFrauen weist im Zusammenhang mit den geplanten VerschÀrfungen der Hartz-IV-Gesetze und der derzeitigen Debatte um den Missbrauch der Sozialkassen darauf hin, dass das Streben der Frauen nach finanzieller UnabhÀngigkeit auf unzulÀssige Weise mit dieser in Verbindung gebracht wird.

Das vom Kabinett Anfang Mai verabschiedete "Fortentwicklungsgesetz" zu Hartz IV, das am 1. August 2006 in Kraft treten wird, beinhaltet unter anderem auch eine Neuregelung des so genannten Schonvermögens. Derzeit dĂŒrfen EmpfĂ€ngerInnen des Arbeitslosengeldes II pro Lebensjahr ĂŒber nicht mehr als 200 Euro (insgesamt also bis zu 13.000 Euro) Vermögen verfĂŒgen, um ihren Anspruch auf Hartz IV nicht zu verlieren. Hinzu kommt noch einmal derselbe Freibetrag fĂŒr die Altersvorsorge. Die Neuregelung sieht nun jedoch vor, das zulĂ€ssige Vermögen um 50 Euro abzusenken, aber das fĂŒr die Rente angesparte Geld um 50 Euro pro Lebensjahr aufzustocken.

Diese Neuregelung stellt allerdings eine nicht unerhebliche, staatliche Bevormundung dar, die insbesondere Frauen in ihrer Lebensplanung stark beeintrĂ€chtigt, so die Ansicht der FinanzFachFrauen, einem bundesweiten Zusammenschluss unabhĂ€ngiger Finanzdienstleisterinnen: Einerseits ist die Verringerung des frei verfĂŒgbaren Teils des Schonvermögens ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die finanzielle UnabhĂ€ngigkeit von Menschen, die sie noch dazu zwinge, beim Wiedereintritt in die ErwerbstĂ€tigkeit mit dem Aufbau persönlicher RĂŒcklagen wieder fast von vorn zu beginnen. Andererseits sind aber auch nach der Erhöhung des fĂŒr die Altersvorsorge festgelegten Teils des Schonvermögens die damit erzielbaren privaten RentenansprĂŒche "zum Sterben zuviel und zum Leben zu wenig". Laut Ansicht der FinanzFachFrauen sind Frauen weit hĂ€rter von dieser Neuregelung betroffen als MĂ€nner, weil sie aufgrund niedrigerer Erwerbseinkommen in der Regel wesentlich grĂ¶ĂŸere VersorgungslĂŒcken haben als MĂ€nner.

Deshalb fordern die FinanzFachFrauen schon seit langem eine angemessene Schonung des privat fĂŒr die Rentenzeit zurĂŒckgelegten Vermögens:
"Die bestehenden und anvisierten Grenzen sind ein Hohn. Sie bestrafen alle, die die Aufforderung zur Eigenvorsorge ernst genommen haben. Mit dem auf diesem Niveau erlaubten Vermögen kann keine Zusatzrente aufgebaut werden. Das Zehnfache wĂ€re erforderlich. Die geplanten Neuregelungen dienen einzig dazu, schnell die Löcher in den öffentlichen Kassen zu stopfen, auch wenn dadurch viel grĂ¶ĂŸere - allerdings private - Löcher aufgerissen werden."

Damit machen die FinanzFachFrauen einmal mehr deutlich, dass die aktuelle Diskussion ĂŒber den Missbrauch der Sozialkassen lediglich fĂŒr eine Politik genutzt wird, die eine finanzielle UnabhĂ€ngigkeit auch im Alter unmöglich macht. Eine neue Altersarmut ist somit also vorprogrammiert, die vor allem Frauen betrifft. Zwar spielt die Erkenntnis, dass Gleichberechtigung von Frauen nur unter Bedingungen ökonomischer EigenstĂ€ndigkeit möglich ist, in der aktuellen Familienpolitik eine zentrale Rolle, doch wird sie mit der "Reform" von Hartz IV zur selben Zeit in den Wind geschlagen.

Über die FinanzFachFrauen:
Die FinanzFachFrauen sind ein bundesweiter Zusammenschluss von qualifizierten Finanzdienstleisterinnen, die als Expertinnen fĂŒr Versicherung, Kapitalanlagen, Finanzierungen und Immobilien tĂ€tig sind. Jede ist in ihrer Arbeit wirtschaftlich unabhĂ€ngig von Banken, Versicherungs- und Kapitalanlagegesellschaften. Ausbildung, Berufserfahrung und frauenpolitisches Engagement haben zur GrĂŒndung des Arbeitskreises gefĂŒhrt. Die FinanzFachFrauen sind die ersten Frauen in Deutschland, die ein Beratungskonzept speziell fĂŒr Frauen entwickelt haben. Über die BeratungstĂ€tigkeit hinaus vertreten sie die Interessen von Frauen in wichtigen Gremien, fĂŒhren Tagungen durch und sind als Autorinnen erfolgreich.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.finanzfachfrauen.de

Public Affairs Beitrag vom 01.06.2006 Sarah Ross 





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