Mord an der Gerechtigkeit - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Finanzkontor
AVIVA-Berlin > Public Affairs AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Politik + Wirtschaft
   Diskriminierung
   Veranstaltungen in Berlin
   Kultur
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.08.2011

Mord an der Gerechtigkeit - VerdÀchtiger im Fall Politkowskaja festgenommen
Katharina Höftmann

Am 07.10.2006 wurde Anna Politkowskaja in ihrem Wohnhaus in Moskau erschossen. Die russische Journalistin und Schriftstellerin war fĂŒr ihre kritische Berichterstattung bekannt...



NEWS vom 24.8.2011ROG begrĂŒĂŸt Festnahme von mutmaßlichem Drahtzieher

Fast fĂŒnf Jahre nach dem Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja (1958 – 2006) haben russische ErmittlerInnen den mutmaßlichen Drahtzieher der Tat gefasst. Reporter ohne Grenzen (ROG) begrĂŒĂŸt die Verhaftung von Dmitri Pawljutschenkow am 23. August 2011. Der pensionierte Moskauer Polizeibeamte steht unter Verdacht, den Mord an Politkowskaja gegen Bezahlung organisiert zu haben. Er soll den mutmaßlichen Mörder Rustam Machmudow angeworben und diesem eine Pistole besorgt haben. Pawljutschenkow soll zudem dafĂŒr gesorgt haben, dass die Journalistin in den Tagen vor ihrem Tod ausspioniert wurde. Die Auftraggeber von Dmitri Pawljutschenkow sind noch unbekannt. Der mutmaßliche Auftragsmörder wurde am 31. Mai 2011 in Tschetschenien festgenommen.

Aus Sicht von ROG handelt es sich bei der Festnahme von einem der HintermĂ€nner der Tat um einen lang ersehnten Fortschritt in den Ermittlungen: "Nach vier Jahren Verzögerungstaktik scheint nun eine wirkliche Entschlossenheit zu bestehen, die Ermittlungen im Mordfall Anna Politkowskaja voranzubringen", so ROG. Gleichzeitig warnt die Organisation zum Schutz der Pressefreiheit vor verfrĂŒhtem Optimismus hinsichtlich der Identifizierung weiterer AuftraggeberInnen der Tat. Je weiter sich die Ermittlungen auch in den Reihen der SicherheitskrĂ€fte ausweiteten desto grĂ¶ĂŸer sei die Gefahr, dass die Verantwortung fĂŒr die Tat auf einige Personen geschoben und der Fall fĂŒr abgeschlossen erklĂ€rt werde. ROG appelliert deswegen an die ermittelnde Behörde, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen und die Suche nach den Auftraggebern von Pawljutschenkow konsequent zu betreiben. Dmitri Pawljutschenkow wird am 25. August 2011 den HaftrichterInnen vorgefĂŒhrt.

Anna Politkowskaja wurde vor knapp fĂŒnf Jahren am 7. Oktober 2006 vor ihrer Wohnung in der Moskauer Lesnaja-Straße erschossen. Politkowskaja arbeitete seit 1999 fĂŒr die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta". Die Journalistin kritisierte in ihrem letzten Buch "Putins Russland" Verbrechen wĂ€hrend des Tschetschenienkrieges sowie Korruption und Menschenrechtsverletzungen in Russland. Zwei Tage nach ihrer Ermordung sollte ein Artikel ĂŒber Folter in Tschetschenien mit entsprechenden Fotos veröffentlicht werden.


NEWS vom 27.11.2007Anna Politkowskajas "Russisches Tagebuch" von (1958 – 2006) erhĂ€lt den Geschwister-Scholl-Preis 2007

Ihr Buch, das die politische Szenerie ihres Landes minutiös beschreibt, zeige, Machtmissbrauch und Verletzungen fundamentaler Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit mit ihren Auswirkungen auf, so die Jury ĂŒber die Autorin. "Anna Politkowskaja war eine unbestechliche Journalistin, deren moralische AnsprĂŒche es ihr nicht erlaubten, sich zurĂŒckzunehmen, selbst wo sie Gefahr fĂŒr ihr Leben heraufziehen sah. [...] Ihren Tod hat sie in Kauf genommen, aus SolidaritĂ€t mit den Menschen, fĂŒr die sie schrieb, in Verteidigung des Rechtes auf freie Information und aus Hingabe an das Prinzip demokratischer Rechtsstaatlichkeit. Ihr Engagement galt nicht zuletzt denen, die nach uns kommen, den Kindern und [EnkelInnen]."

Der Preis wurde von Yuri Safronov, dem stellvertretenden Chefredakteur der Zeitung "Nowaja gaseta", und von Ilya Politkowsky, dem Sohn von Anna Politkowskaja, entgegengenommen Ein Teil des Preisgeldes geht nach dem Willen ihrer Familie an die russische Stiftung "Pravo Materi", die sich fĂŒr die Rechte von Eltern einsetzt, deren Kinder in der russischen Armee umgekommen sind.

Weitere Infos zum Geschwister-Scholl-Preis unter: www.buchhandel-bayern.de

(Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels)

NEWS vom 05.10.2007 Am 7. Oktober 2007 jĂ€hrt sich der Todestag von Anna Politkowskaja zum ersten Mal. Die Forderung nach AufklĂ€rung des Todes der russischen Journalistin bleibt aktuell! Marieluise Beck, MdB der Bundestagsfraktion BĂŒndnis 90/DIE GRÜNEN erklĂ€rt:
"Die Ermittlungen der russischen Staatsanwaltschaft zum Mord an Anna Politkowskaja haben bisher keine Ergebnisse gebracht. Die PrĂ€sentation von zehn VerdĂ€chtigen, die schnell wieder freigelassen wurden, wirkt im Nachhinein wie ein Ablenkungsmanöver. Die Forderung nach einer raschen AufklĂ€rung und Bestrafung von TĂ€tern und HintermĂ€nnern bleibt ein Jahr nach dem Tod der mutigen Journalistin, die vor allem fĂŒr ihre schonungslose Kritik am Krieg in Tschetschenien viel Anerkennung erhielt, so aktuell wie damals. Das bisherige Vorgehen der Staatsanwaltschaft ist symptomatisch fĂŒr den Zustand von Strafverfolgung und Justiz in Russland, die ihre UnabhĂ€ngigkeit zunehmend eingebĂŒĂŸt haben. Fast keiner der vielen TodesfĂ€lle von Journalistinnen und Journalisten wurde bisher aufgeklĂ€rt."

NEWS
20. MĂ€rz 2007 - Weltweite Lesung in memoriam Anna Politkowskaja

Die Peter-Weiss-Stiftung fĂŒr Kunst und Politik mit Sitz in Berlin ruft zum zweiten Mal Kulturinstitutionen, Theater und interessierte Personen zu einer weltweiten Lesung am 20. MĂ€rz auf. Ziel der damit verbundenen Veranstaltungen und Aktionen soll sein, das Bewusstsein ĂŒber Inhalte und Formen politischer Kommunikation zu erhellen. Weil auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts die LĂŒge zum Instrumentarium bestimmter politischer Formationen gehört, muss deutlich gemacht werden, dass die KrĂ€fte nicht erlahmen, die sich gegen sie verwahren.

Anna Politkowskaja beschrieb in ihren Reportagen die Katastrophe des zweiten Tschetschenienkrieges und den Kriegsalltag nach ihm, der mit fadenscheinigen BegrĂŒndungen begonnen und Ă€ußerst brutal durchgefĂŒhrt wurde. Ihre Texte schildern Folterszenen, rekonstruieren kaltblĂŒtige Morde, prangern den Zynismus von BĂŒrokraten an, schildern das Leid und die Verzweiflung der Zivilbevölkerung, die zwischen Armee und Rebellen aufgerieben wird und geben ein beklemmendes Bild vom Klima der staatlich geschĂŒrten Angst und Repression in Russland.

FĂŒr die Lesungen am 20. 03. 2007 ist die Textauswahl "Machkety. Ein Konzentrationslager mit kommerziellem Einschlag" und "Sonderoperation Sjasikow" (aus: "Tschetschenien. Die Wahrheit ĂŒber den Krieg", aus dem Russischen von Hannelore Umbreit und Ulrike Zemme, © 2002 Anna Politkovskaja, © 2003 DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln) vorgesehen. Diese Textpassagen können fĂŒr die weltweite Lesung am 20. MĂ€rz 2007 bei Bereitstellung eines BĂŒchertisches honorarfrei verwendet werden.

Anmeldungen fĂŒr die Lesung am "2. Jahrestag der politischen LĂŒge" - in memoriam Anna Politkovskaja" (20. MĂ€rz 2007) bitte senden an: info@peter-weiss-stiftung.de
Peter-Weiss-Stiftung fĂŒr Kunst und Politik e.V.
Linienstraße 156/157
10115 Berlin


NEWS vom 23. November 2006
Der Tod von Anna Politkowskaja zieht weitere Kreise. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass der russische Ex-Agent Alexander Litvinenko einem Giftanschlag zum Opfer fiel, am 23.November 2006 verstarb er. Der Russe soll im Fall Anna Politkowskaja recherchiert haben.
Laut Sunday Times hat er letzten Monat Kontakt zu einem Italiener namens Mario aufgenommen, der ihm Informationen zum Fall Politkowskaja versprochen hatte. Als er diesen, direkt vor seiner Vergiftung, in London in einem japanischen Restaurant traf, zeigte ihm sein Kontaktmann eine Liste mit Namen von Leuten, die angeblich mit dem Mord an der russischen Journalistin in Verbindung stehen, darunter einige Offiziere des FSB (russischer Inlandgeheimdienst). Mario soll dabei, laut Litvinenko, sehr nervös gewesen sein und hat selber nichts gegessen. Nach dem Treffen verschwand der Italiener. Litvinenko kam noch in der Nacht mit einer schweren Vergiftung ins Krankenhaus, wo er an den Folgen und nach tagelangem Leidenskamp gestorben ist.
Der Russe ist vor 6 Jahren nach Groß-Britannien gegangen und war vor allem fĂŒr seine Kritik an der russischen Regierung bekannt. Er war aber auch ein Freund von Anna Politkowskaja

Scotland Yard ermittelt.

(Quelle: Sunday Times)


NEWS vom 19. Oktober 2006
Anna Politkowskaja wurde am 10. Oktober 2006 im Westen der russischen Hauptstadt im Beisein von etwa 2.500 Menschen beigesetzt. Inzwischen hat sich auch Wladimir Putin zu Wort gemeldet und angekĂŒndigt, dass es keinerlei Vergebung fĂŒr die Mörder der russischen Journalistin geben wird. In einem gemeinsamen ARD-Interview mit Angela Merkel betonte er, dass Russland intensiv an politischer Harmonie, Toleranz und DialogfĂ€higkeit arbeite. JĂŒngste Ereignisse sehen so gar nicht danach aus: Am 16. Oktober 2006 wurde eine Gedenkkundgebung zu Ehren der verstorbenen Journalistin in der russischen Kaukasusrepublik Inguschetien von der Polizei mit Gewalt beendet. Obwohl die Trauerveranstaltung offiziell angemeldet war, schlugen die Polizisten rund 50 DemonstrantInnen nieder, dabei wurde eine Frau schwer verletzt. Die Polizei entriss den DemonstrantInnen Plakate und Fotos der ermordeten Berichterstatterin und vernichtete sie.
Die Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" hat eine Initiative gegrĂŒndet, die die lĂŒckenlose AufklĂ€rung des Mordes an Politkowskaja fordert.
Beteiligen Sie sich an der Petition unter:
www.reporter-ohne-grenzen.de.

Zu Ehren der mutigen Berichterstatterin soll in Paris das "Haus der Journalisten", das im Dezember 2003 eröffnet wurde, nach ihr benannt werden.

(Quellen: www.newsroom.de, www.mdr.de)


Die internationale Presse reagiert mit BestĂŒrzung und Zorn auf die Nachricht von dem Tod der Russin, die Tat sei ein Symbol fĂŒr das Russland Putins, das lĂ€ngst wieder zum Autoritarismus zurĂŒckgekehrt sei.
Anna Politkowskaja arbeitete als Redakteurin bei der letzten durchgehend kritischen Zeitung Russlands "Novaja Gaseta" und veröffentlichte mehrere BĂŒcher, die die russische Politik an den Pranger stellen. Sie stand seit einiger Zeit auf der schwarzen Liste der Regierung.

Besonders der Konflikt mit Tschetschenien beschĂ€ftigte die Reporterin, mit Kompromisslosigkeit berichtete sie von den Grausamkeiten, die von tschetschenischer und russischer Seite verĂŒbt wurden und machte nicht davor halt, Verantwortliche mit Namen zu benennen. Das wurde der zweifachen Mutter zum VerhĂ€ngnis - Kritik ist in Russland nicht grundsĂ€tzlich verboten, solange die AnonymitĂ€t gewahrt wird.

Die Situation der Pressefreiheit in Russland gilt schon lĂ€nger als bedenklich, da sich ein Großteil der Medien in staatlichem Besitz befindet - das erschwert eine unabhĂ€ngige und auch differenzierte Berichterstattung. Selbst die Medien, die in den HĂ€nden von wirtschaftlich mĂ€chtigen Akteuren sind, unterliegen Restriktionen durch den Staat. Regierungskritische BlĂ€tter werden von den Behörden oft schikaniert, einzelne JournalistenInnen bedroht.

Politkowskaja sagte selbst einmal in einem Interview, das in der österreichischen Onlinezeitung "Der Standard" erschien "Es ist tödlich, mein Informant zu sein".
Sie war sich durchaus der Gefahr bewusst, in der sie schwebte, so nahm sie zeitweise auch Personenschutz in Anspruch. Dass es nötig war, bewies sich immer wieder durch Morddrohungen und AnschlÀge: Auf ihrem Flug zur Geiselnahme nach Beslan kippte jemand der Russin Gift in den Tee, auch stand sie mehrmals kurz davor, vom russischen Geheimdienst verhaftet zu werden.
Doch das konnte die GerechtigkeitskĂ€mpferin nicht aufhalten. Sie war Rechercheurin und Investigatorin, die politische Analyse selbst ĂŒberließ sie anderen.
Kurz vor ihrem Tod hat sie an einem neuen EnthĂŒllungsartikel gearbeitet. Die russische Polizei hat das Material nach ihrem Tod sichergestellt - wahrscheinlich wird es nie wieder auftauchen. Überraschend ist es auch nicht, dass der Kreml bisher keine öffentliche Stellungnahme zu dem Mord gegeben hat.

Die "Novaja Gaseta" hat ein Kopfgeld auf den Mörder erhoben, wahrscheinlich aber ist dieser auch nicht mehr am Leben. Die Aufzeichnungen der Überwachungskamera am Tatort zeigen den Killer unmaskiert, dieses unprofessionelle Verhalten spricht dafĂŒr, dass die Auftraggeber inzwischen auch ihn beseitigt haben.
Es zeichnet sich ab, dass es sich um ein prÀzise organisiertes Verbrechen handelt, das Motiv bezweifelt niemand.
Als Anstifter wird u.a. Ramsan Kadyrow verdĂ€chtigt. Politkowskaja hatte erst vor kurzem angekĂŒndigt, einen Artikel ĂŒber die Machenschaften des tschetschenischen Regierungschefs zu veröffentlichen. In einem Interview bezeichnet sie Kadyrow als "bis an die ZĂ€hne bewaffneten Feigling, der sich von seiner Wache umringen lĂ€sst".

Weltweit sind seit 1996 aufgrund ihrer Arbeit 46 Journalistinnen ermordet worden. Auch in Russland kommen immer wieder RedakteurInnen auf mysteriöse Weise ums Leben. Bereits 4 Journalisten waren es bisher 2006.
Anna Politkowskaja ist die erste Frau in diesem Jahr.
Die Gegnerin des russischen Regimes hat vor nichts und niemand Halt gemacht, sie stand im Dienste der Wahrheit.
DafĂŒr musste sie jetzt bezahlen, am 7. Oktober 2006 ist auch ein StĂŒck Gerechtigkeit gestorben.

(Quellen: Stern, Der Standard, RP-Online)

Public Affairs Beitrag vom 25.08.2011 Katharina Höftmann 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken