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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 19.04.2018

Bericht antisemitischer VorfÀlle in Berlin 2017 vorgelegt: Anzahl der VorfÀlle bedenklich
AVIVA-Redaktion

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) legte am 18. April 2018, ihren Bericht antisemitischer VorfĂ€lle fĂŒr das vergangene Jahr vor. FĂŒr 2017 hat RIAS insgesamt 947 antisemitische VorfĂ€lle in Berlin erfasst. Im Jahr 2016 wurden 470 antisemitische VorfĂ€lle in Berlin registriert, im Jahr 2015 waren es 405 FĂ€lle.



Der Projektleiter Benjamin Steinitz erklĂ€rte hierzu: "Es handelt sich um die höchste Zahl seit Beginn unserer Erfassung. TĂ€glich sind in Berlin Menschen mit Antisemitismus konfrontiert. Durchschnittlich werden uns jeden Tag zwei bis drei VorfĂ€lle bekannt. Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es prĂ€gt den Alltag Betroffener, die wir nicht alleine lassen dĂŒrfen!"

Wie in den vergangenen Jahren erfasste RIAS auch VorfĂ€lle, die keinen Straftatbestand darstellen. Gerade jene niedrigschwelligen VorfĂ€lle prĂ€gen in ihrer Vielzahl den Alltag von JĂŒdinnen_Juden, entfalten ein bedrohliches Klima und beeintrĂ€chtigen die LebensqualitĂ€t jĂŒdischer Gemeinschaften Berlins. 2017 waren 245 jĂŒdische und nichtjĂŒdische Einzelpersonen und in 461 FĂ€llen jĂŒdische oder israelische Institutionen und zivilgesellschaftliche Initiativen betroffen. Besorgniserregend ist, dass die Anzahl der betroffenen Einzelpersonen gegenĂŒber 2016 um 55% höher lag. Hierzu kommentierte der Antisemitismusbeauftragte der JĂŒdischen Gemeinde zu Berlin Sigmount Königsberg: "Innerhalb der jĂŒdischen Gemeinschaften in Berlin ist die Sorge vor einem Anstieg des Antisemitismus groß. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder auf der Straße – fast alle haben schon einmal in ihrem Alltag Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht. Es ist außerordentlich wichtig, dass diese Erfahrungen und Perspektiven wahrgenommen werden. Dass es mit der RIAS eine Anlaufstelle gibt, die ein Ă€ußerst niederschwelliges Meldesystem hat, die Betroffenen zuhört und ihre Sichtweisen empathisch aufnimmt, ist in dieser schwierigen Zeit fĂŒr die JĂŒdische Gemeinde zu Berlin eine große UnterstĂŒtzung. FĂŒr mich ist RIAS eine unerlĂ€ssliche Kooperationspartnerin."

Mehr als doppelt so viele antisemitische VorfÀlle in Bildungseinrichtungen erfasst
RIAS wurden 2017 30 antisemitische VorfĂ€lle in Berliner Bildungseinrichtungen bekannt – das entspricht einer Verdopplung zum Vorjahr (2016: 14). Von Angriffen ĂŒber SachbeschĂ€digungen, Diskriminierungen von jĂŒdischen Kindern oder Studierenden und antisemitischen Störungen von Veranstaltungen bis hin zu FĂ€llen von antisemitischer Propaganda ereigneten sich an Schulen, KindergĂ€rten, Museen und UniversitĂ€ten unterschiedlichste VorfĂ€lle.

Bundesweit bekannt wurden mehrere Angriffe und monatelange Anfeindungen auf jĂŒdische SchĂŒler_innen durch MitschĂŒler_innen. Jedoch gingen antisemitische Äußerungen auch von Dozent_innen und Lehrer_innen aus – so beispielsweise in einer Grundschule im Juli 2017, als eine Lehrerin den Bericht einer siebenjĂ€hrigen jĂŒdischen SchĂŒlerin ĂŒber ihre Israelreise einzig mit der vorwurfsvollen Bemerkung kommentierte, es sei wichtig, den anderen Kindern zu sagen, dass "die Juden den PalĂ€stinensern ihr Land weggenommen" hĂ€tten. Die Antidiskriminierungsbeauftragte der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie Saraya Gomis nimmt die Bildungseinrichtungen hier in die Pflicht: "Jeder antisemitische Vorfall an einer Schule oder im Kindergarten ist höchst bedauerlich. Die Situation der Betroffenen darf nicht dadurch erschwert werden, dass die VorfĂ€lle halbherzig aufgearbeitet, bagatellisiert oder gar geleugnet werden. Schulen, KindergĂ€rten und andere Einrichtungen mĂŒssen eine klare Position gegen Antisemitismus beziehen – nur auf diese Weise kann eine Verbesserung der Situation eintreten."

Die 947 antisemitischen VorfĂ€lle, die RIAS fĂŒr 2017 erfasst hat, entsprechen einem Zuwachs von ĂŒber 60% gegenĂŒber den fĂŒr 2016 inklusive Nachmeldungen dokumentierten 590 VorfĂ€llen. Vor allem die Meldungen von FĂ€llen verletzenden Verhaltens wie mĂŒndliche und schriftliche Anfeindungen oder Propaganda in Form von Schmierereien, Aufklebern und auf Versammlungen haben stark zugenommen (2017: 679. 2016: 366). Hiervon fallen ĂŒber das Internet kommunizierte und direkt adressierte Anfeindungen, wie E-Mails oder Kommentare in den sozialen Netzwerken, besonders ins Gewicht (2017: 325. 2016: 103). Ein entscheidender Grund fĂŒr den deutlichen Anstieg liegt auch in der steigenden Bekanntheit des Projekts und im kontinuierlichen Ausbau des Meldenetzwerks innerhalb der jĂŒdischen Communities und der Zivilgesellschaft. Benjamin Steinitz verdeutlichte die Bedeutung eines dichten Meldenetzwerks: "Dank des Vertrauens unserer Kooperationspartner in unsere Arbeit sind wir imstande, die Reichweite des Problems in Berlin etwas sichtbarer zu machen. Seit Beginn unserer Arbeit haben wir jedes Jahr aufs Neue mehr VorfĂ€lle registriert."

RIAS registrierte zudem eine unverĂ€nderte Anzahl von Angriffen (18) und einen leichten Anstieg bei Bedrohungen (23 gegenĂŒber 20) gegen Einzelpersonen und Institutionen. Die Anzahl der SachbeschĂ€digungen an Eigentum von JĂŒdinnen_Juden oder Orten der Erinnerung an die Schoa ging leicht zurĂŒck (2017: 42. 2016: 56).

Erstmals VorfĂ€lle außerhalb Berlins erfasst

Erstmals wurden durch RIAS auch VorfĂ€lle außerhalb Berlins erfasst. So erfuhr RIAS von 322 VorfĂ€llen im Bundesgebiet, darunter 18 Angriffe, neun Bedrohungen und 72 SachbeschĂ€digungen. Da das bundesweite Meldenetzwerk fĂŒr antisemitische VorfĂ€lle erst im Aufbau begriffen ist, geht RIAS fĂŒr die Regionen außerhalb Berlins von einer erheblich grĂ¶ĂŸeren Zahl nicht gemeldeter VorfĂ€lle aus. Der designierte Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein sagte hierzu: "Der modellhafte Ansatz von RIAS hat in den vergangenen Jahren einen wichtigen Beitrag zu einer differenzierten Betrachtung des alltĂ€glichen Antisemitismus in Berlin geleistet. Auch zukĂŒnftig und in anderen BundeslĂ€ndern wird diese Arbeit dringend benötigt, um Maßnahmen gegen Antisemitismus koordinieren zu können."

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) wurde im Januar 2015 durch den Verein fĂŒr Demokratische Kultur in Berlin (VDK) e.V. gegrĂŒndet. Sie wird gefördert durch das Berliner Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus der Senatsverwaltung fĂŒr Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung. Ziel von RIAS ist eine zivilgesellschaftliche Erfassung antisemitischer VorfĂ€lle und die Vermittlung von UnterstĂŒtzungsangeboten an die Betroffenen.

Der vollstÀndige Bericht findet sich unter. report-antisemitism.de

Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS)
c/o Verein fĂŒr Demokratische Kultur in Berlin e.V. (VDK)

Gleimstraße 31 | 10437 Berlin
Tel: 030 / 817 985 818

Kontakt fĂŒr RĂŒckfragen und weitere Informationen unter:

Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS): www.report-antisemitism.de/berlin

Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) auf Facebook: www.fb.com/AntisemitismusRechercheBerlin

Verein fĂŒr Demokratische Kultur in Berlin e.V.: www.vdk-berlin.de

Mehr Informationen und weitere Organisationen gegen Antisemitismus:

Kompetenzzentrum fĂŒr PrĂ€vention und Empowerment (ZWST): zwst-kompetenzzentrum.de

Anne Frank Zentrum e.V.: www.annefrank.de

KIgA e.V.: www.kiga-berlin.org

Handlungsempfehlungen des "UnabhÀngigen Expertenkreises Antisemitismus" sind online unter:

www.bundestag.de

Die zentralen Forderungen des "UnabhÀngigen Expertenkreises Antisemitismus" sind online unter:

www.bundestag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

ZWST eröffnet neue Beratungsstelle fĂŒr Betroffene antisemitischer Gewalt in Berlin
Mit der neuen Beratungsstelle soll ein Angebot speziell fĂŒr Ratsuchende nach Erfahrungen antisemitischer Gewalt geschaffen werden, das sich durch einen niedrigschwelligen Ansatz auszeichnet. (2017)

Zahl gemeldeter antisemitischer VorfÀlle in Berlin bleibt hoch
Im Jahr 2016 erfasste die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) 470 antisemitische VorfĂ€lle in Berlin. Die Zahl der registrierten VorfĂ€lle ist damit gegenĂŒber dem Vorjahr (2015: 405 FĂ€lle) um 16 % angestiegen. Die Zahl der von Antisemitismus Betroffenen hat sich gegenĂŒber dem Vorjahr verdoppelt. (2017)

Kooperation will Antisemitismus sichtbar(er) machen und den Betroffenen zur Seite stehen
Das Kompetenzzentrum fĂŒr PrĂ€vention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) e.V. und die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) des Vereins fĂŒr demokratische Kultur in Berlin (VDK) e.V. ermutigen JĂŒdinnen und Juden darin, antisemitische VorfĂ€lle zu melden. (2016)
Quelle: Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) Pressemitteilung vom 18.04.2018

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