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AVIVA-BERLIN.de im April 2020 - Beitrag vom 07.12.2019


Die Instrumentalisierung der Toten von Auschwitz
S. Adler, AVIVA-Redaktion

Nach dem Abbruch der Aktion "Sucht nach uns" des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) am 4. Dezember 2019 wurde nun bekannt, dass nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Orten mit Asche von NS-Opfern gefüllte Stelen durch das ZPS aufgestellt wurden. Zynischerweise hat das "Künstler_innenkollektiv" für ihre Zwecke auch einen Auszug aus dem Gedicht "Die Asche von Birkenau" des Dichters Stephan Hermlin benutzt. AVIVA-Berlin veröffentlicht hier den Offenen Brief seiner Kinder, Andrej Hermlin und Bettina Leder.



Nicht nur in Berlin, mindestens auch in Chemnitz, Halle und Arnstadt hat es die Stelen gegeben. Diese waren teilweise auch schon öffentlich sichtbar. Philipp Ruch, Leiter des ZPS, wurde vom Evangelischen Pressedienst mit einer Aussage zitiert, in der offen bleibt, wo sich weitere Stelen befinden.

An mindestens zwei Orten, in Halle und Arnstadt, hat das ZPS für die Installation außerdem einen Auszug aus dem Gedicht "Die Asche von Birkenau" des Dichters Stephan Hermlin für ihre Zwecke benutzt. Hermlin, der die NS-Verfolgung in Palästina, Frankreich und der Schweiz überlebt hatte, übersiedelte 1947 von Frankfurt am Main nach Ostberlin. Während eines Besuchs in Auschwitz zwei Jahre später entstand das Gedicht, das um die Spannung von "Erinnern" und "Vergessen" kreist.

Die Familie des 1997 verstorbenen Dichters wurde zur Nutzung des Gedichts nicht um Erlaubnis angefragt, d.h. es handelt sich hier um eine Verletzung des Nutzungsrechts. Die Kinder Stephan Hermlins haben im Namen von Irina Belokonewa-Hermlin, seiner Witwe und der Rechteinhaberin des Gedichts, einen offenen Brief an das ZPS verfasst.

Offener Brief an das Zentrum für Politische Schönheit

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Kinder von Stephan Hermlin und im Namen der Rechteinhaberin, Irina Belokonewa-Hermlin, verwahren wir uns gegen die nicht genehmigte Nutzung des Gedichtes "Die Asche von Birkenau" im Rahmen Ihrer Installationen "Sucht nach uns".

Niemals wäre Stephan Hermlin damit einverstanden gewesen, Asche von Opfern der Shoa zu irgendeinem Zweck zu benutzen und dieser Funktionalisierung sein Gedicht beizugeben.

Ihre gestern verbreitete Stellungnahme, Ihr Handeln sei angetrieben "vom Entsetzen über die Verbrechen der Nationalsozialisten", Sie seien vom Schrecken überwältigt gewesen, als sie begonnen hätten, die Orte aufzusuchen, an denen Sie "die Überreste der Ermordeten vermuteten", erklärt in unseren Augen nichts. Auf dem langen Weg von der Idee zur Umsetzung war sicher Gelegenheit für Reflexion und Überlegung. Sie spielen mit der Asche der Ermordeten, und Sie manipulieren Ihr Publikum.

Wir verlangen Auskunft darüber, wie viele Installationen Sie an welchen Orten errichtet haben. Wir wollen wissen, wohin die mittlerweile abgebauten Installationen transportiert worden sind und wohin die Asche der Toten gebracht werden soll.

Wir fordern Sie auf, das Geld, das Sie für die Installation erhalten haben, abzugeben und zwar an Amcha Deutschland und an den Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V..

Rechtliche Schritte behalten wir uns vor.
Mit freundlichen Grüßen
Andrej Hermlin
Bettina Leder

AVIVA-Berlin unterstützt diese Forderung ausdrücklich. Wir haben uns dagegen entschieden, keine Fotos der Stelen mit den sterblichen Überresten der von den Nazis ermordeten Jüdinnen und Juden auf AVIVA-Berlin zu veröffentlichen, um dieser unsäglich geschmacklosen und die Opfer und deren Nachkommen verhöhnenden Aktion nicht noch mehr Raum zu geben.

An dieser Stelle werden wir auf AVIVA-Berlin über die weiteren Entwicklungen berichten.

Nächste Schritte und öffentliche Kritik

Der Grünen-Politiker Volker Beck hat beim Staatsschutz Strafanzeige wegen der "strafbaren Verletzung der Totenruhe" (§ 168 StGB) gegen das Zentrum für Politische Schönheit gestellt. Zahlreiche jüdische Organisationen und Menschen haben öffentlich ihr Entsetzen geäußert, darunter die Journalistin und Schriftstellerin Mirna Funk kritisiert auf ihrem Twitter-Account die "Aktion" und die Nutzung des Gedichts von Stephan Hermlin, ihrem Ur-Großvater.

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Public Affairs > Diskriminierung Beitrag vom 07.12.2019 AVIVA-Redaktion 





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