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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2026 - Beitrag vom 11.10.2026


Jüdische Identitäten im Berliner Sport: Anpfiff für die Projektwerkstatt
Sylvia Rochow

Unter Federführung des in Gründung befindlichen Vereins "Spielfeld Geschichte" wollen Studierende ab dem Wintersemester 2026/2027 Vergangenheit und Gegenwart des jüdischen Sports in Berlin beleuchten. Einführungsveranstaltung an der TU Berlin am 15. Oktober 2026.




Sport verbindet Menschen, kann aber bekanntermaßen auch polarisieren und schlimmstenfalls ausgrenzen. Rassismus, Sexismus und Antisemitismus gehören auch heute noch für viele Sportler*innen zum Alltag, ganz gleich, ob sie Profis oder auf Hobbyniveau aktiv sind.

Jüdische Athlet*innen, Vereine und Funktionär*innen haben die Berliner Sportgeschichte entscheidend mitgeprägt. Nach 1933 wurden sie systematisch ausgegrenzt, verfolgt und aus ihren Vereinen verdrängt. Viele ihrer Leistungen und Biografien gerieten in Vergessenheit oder wurden gar bewusst aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt.

Mit diesen historischen und gegenwärtigen Zusammenhängen beschäftigt sich die Projektwerkstatt "Spielfeld Geschichte – Jüdische Identitäten im Berliner Fußball" an der Technischen Universität Berlin (TU) von Oktober 2026 bis September 2028. Ungeachtet des auf Fußball verweisenden Untertitels nimmt sie den jüdischen Sport insgesamt in den Blick.

Die Teilnehmenden sollen ermuntert werden, selbstorganisiert zu untersuchen, wie Sport Identität und Gemeinschaft stiften, zugleich aber auch Diskriminierung und Ausschlüsse hervorbringen oder verstärken kann. Ziel der Projektwerkstatt ist es, jüdische Identitäten im Berliner Sport in ihrer Vielfalt sichtbar zu machen und das öffentliche Verständnis für ihre Geschichte und Gegenwart zu vertiefen.
Das Angebot steht nach eigenen Angaben Studierenden aller Hochschulen, Fachrichtungen und Semester offen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Es ist geplant, die Rechercheergebnisse in die bereits im Aufbau befindliche digitale Kartenanwendung von "Spielfeld Geschichte" einfließen zu lassen. Dort werden Orte, Personen und Geschichten des jüdischen Sports zusammengeführt. Auf diese Weise sollen historische Spuren ebenso sichtbar werden wie jüdisches Sportleben in der Gegenwart.

Alle, die das Projekt, das Team, seine Quellen und die Möglichkeiten zur Mitwirkung kennenlernen möchten, sind zur Einführungsveranstaltung am Donnerstag, 15. Oktober 2026, eingeladen.
Einführungsveranstaltung: 15.10.2026 in Raum FH 314 (FH Gebäude, 3.OG, Fraunhoferstraße 33–36, 10587 Berlin) an der TU Berlin

Termine: donnerstags, 12–14 Uhr

Anmeldung und Kontakt: info@spielfeldgeschichte.de

Geleitet wird die Projektwerkstatt von Studierenden, die sich im Berliner Vereinsfußball sowie in der historisch-politischen Bildungs- und Erinnerungsarbeit engagieren.

Johannes Refle, Student der Politikwissenschaft und Medieninformatik, ist bereits seit einiger Zeit dabei, die Geschichte und die seit langem vergessenen jüdischen Wurzeln "seines" Clubs, des Weddinger Fußballvereins WFC Corso 99/Vineta, sichtbar zu machen. Die Traditionslinien des aus zahlreichen Fusionen hervorgegangenen Clubs führen unter anderem zum 1905 gegründeten und 1938 verbotenen SC Hakoah Berlin. Bei der Wiedergründung 1947 gehörte der spätere Showmaster Hans Rosenthal zu den Gründungsmitgliedern des sich explizit als jüdischer Sportverein verstehenden SC Hakoah Berlin. Nach Angaben des WFC Corso 99/Vineta gab eine Tagung zur Veröffentlichung der 2022 vom Berliner Fußball-Verband (BFV) als erstem deutschen Landesverband in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studie "Geschichte des Berliner Fußballs in der NS-Zeit" einen wichtigen Impuls für die Beschäftigung mit der eigenen Historie.

Ferdinand Houben, ein weiteres Mitglied des "Spielfeld Geschichte"-Teams, ist mit seinen Recherchen zum jüdischen Sportverein Bar Kochba am studentischen Public-History-Projekt "Jüdisches Leben in Charlottenburg-Wilmersdorf sichtbar machen" des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin beteiligt. Ende September 2026 wurden bei der Veranstaltung "Geschichtsraum Olympiapark Berlin: Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft" im Clubhaus im Olympiapark Berlin in einem Panel auch Forschungen zur Geschichte der Turnhalle Halensee, der Hochschule für Leibesübungen sowie der Biografie der 1911 in Berlin geborenen jüdischen Leichtathletin Martha Jacob präsentiert.

Neben Houben und Refle komplettieren Gergő Hornburg sowie Henrik Frankemölle das vierköpfige Projektteam. Auch sie sind im Berliner Jugendfußball engagiert und studieren an der TU bzw. FU Berlin. Aus der seit Anfang 2025 bestehenden Zusammenarbeit ging 2026 "Spielfeld Geschichte e. V. i. G." hervor. Mit der Vereinsgründung sollen langfristig tragfähige Strukturen für die Forschungs-, Bildungs- und Erinnerungsarbeit zum jüdischen Sport in Berlin geschaffen sowie ihre Gemeinnützigkeit anerkannt werden.


Mehr Infos unter:

Projektwerkstatt "Jüdische Identitäten im Berliner Sport": www.spielfeldgeschichte.de/projektwerkstatt

Interaktive Karte zur Sichtbarmachung jüdischer Sportgeschichte in Berlin: (im Aufbau): karte.spielfeldgeschichte.de

Jüdisches Leben in Charlottenburg-Wilmersdorf in Geschichte und Gegenwart sichtbarmachen (ZfA): www.tu.berlin/asf

Vereinsgeschichte des WFC Corso 99/Vineta www.corso99.de/geschichte

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Copyright Text: Sylvia Rochow


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Beitrag vom 11.10.2026

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