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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 23.03.2004


Biene Award 2004 - Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten
AVIVA-Redaktion

Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen suchen auch 2004 die besten deutschsprachigen, barrierefreien Webseiten. Wettbewerb am 22. März auf der CeBIT in Hannover gestartet.




Die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen schreiben auch in diesem Jahr den Biene-Award, den Wettbewerb für barrierefreie Webgestaltung, aus.
Am 22. März stellte NRW-Innenminister Dr. Fritz Behrens auf der Computermesse CeBIT in Hannover das neue E-Government-Portal der Polizei NRW vor, die im vergangenen Jahr die einzige Goldene Biene gewonnen hat.

Mit dem Biene-Award möchten die Stiftung Digitale Chancen und die Aktion Mensch die besten barrierefreien Angebote im Internet identifizieren, prämieren und als Vorbild bekannt machen.
Teilnehmen können Betreiber- und GestalterInnen deutschsprachiger Webangebote in den Kategorien E-Commerce, E-Government, Kultur und Gesellschaft, Wissenschaft und Forschung sowie Medien.
Sonderpreise werden für innovative Lösungen vergeben, die spezifische Bedürfnisse einzelner Nutzergruppen berücksichtigen, beispielsweise Angebote für Kinder, gehörlose Menschen, die Gebärdensprache verwenden, oder Menschen mit geistiger Behinderung.

TeilnehmerInnen können ihre Wettbewerbsbeiträge bis zum 1. August 2004 einreichen.

Dem Wettbewerb liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass Menschen mit Behinderungen die Vorreiter der Umsetzung technischer Standards im Internet sind. Da immer mehr UserInnen andere Ausgabegeräte als Monitor und Tastatur nutzen, garantiert das Internet für Menschen mit Behinderung einfache Usability und Kommunikationsmöglichkeiten. Web-Präsenzen, die zum Beispiel für Braillezeile und Screenreader zugänglich sind, sind auch über Handy, PDA oder Auto-Bordcomputer zu erreichen.
Davon profitieren alle - vor allem die AnbieterInnen, weil barrierefreies Webdesign Kosten sparen kann.

"Da das Internet in fast allen Bereichen des Alltags Einzug gehalten hat und sein Stellenwert von Tag zu Tag größer wird, erwächst für alle Anbieter eine besondere Verantwortung, ihre Informationen allen Menschen in geeigneter Weise anzubieten", sagte Dieter Gutschick, Geschäftsführer der Aktion Mensch. "Seit der Eröffnung der CeBit am vergangenen Mittwoch haben wir in dieser Angelegenheit einen prominenten Fürsprecher: Bundeskanzler Gerhard Schröder" freute sich Dieter Gutschick und erklärte: "Seine Vision, bis 2005 beim sogenannten E-Government den elektronischen Rechts- und Geschäftsverkehr flächendeckend mit digitalen Signaturen abzuwickeln, kann nur dann verwirklicht werden, wenn auch tatsächlich alle Bürgerinnen und Bürger mit oder ohne Behinderung die ins Internet verlagerten Angebote nutzen können."

Mehr als 170 renommierte Unternehmen, bundesweit arbeitende Organisationen sowie Behörden und Ministerien hatten bei der Premiere 2003 ihre Internetangebote zum Biene-Award angemeldet. Im Rahmen einer Galaveranstaltung in Berlin vergaben die Veranstalter am 3. Dezember 2003, dem Welttag der Menschen mit Behinderungen, insgesamt elf Bienen für die besten barrierefreien Websites. Die Beteiligung übertraf deutlich die Erwartungen der VeranstalterInnen und zeigte, welche gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung das Thema der digitalen Integration von Menschen mit Behinderungen in der Informationsgesellschaft erlangt hat.

Der Wettbewerb offenbarte jedoch auch deutlich die Defizite, die bei der barrierefreien Gestaltung von Websites noch bestehen. So konnte in der Kategorie E-Commerce trotz zahlreicher Einsendungen kein Award verliehen werden. Die einzige Goldene BIENE erhielt die Polizei NRW. "Die Polizei NRW zeigt mit ihrem Webangebot beispielhaft, dass gutes Design, Funktionalität und Zugänglich für alle realisierbar sind", lobte Dieter Gutschick. NRW-Innenminister Dr. Fritz Behrens nahm das Lob gerne an und erklärte, dass seine Behörde auch 2004 wieder am Biene-Award teilnehmen werde: "Wir stellen uns der Herausforderung und treten als Titelverteidiger wieder an!"

Behrens betonte zum Start des Wettbewerbs die Bedeutung der Barrierefreiheit für öffentliche Verwaltungen, Behörden und Ministerien: "Ein barrierefreies Internetangebot ist für diese Stellen eine zwingende Notwendigkeit in einer sich rasant wandelnden Gesellschaft. Nur eine uneingeschränkte und barrierefreie Nutzung der neuen Kommunikationstechnologien garantiert, dass künftig alle Menschen, am sozialen, beruflichen und kulturellen Leben teilnehmen können". Behrens stellte ebenfalls klar, dass auch seine Behörde wieder am Biene-Award teilnehmen werde.

"Die Bewertung der Barrierefreiheit ist sehr viel schwieriger und aufwendiger als die Beurteilung der einfachen Benutzbarkeit oder des innovativen Gehalts einer Website", erläuterte Prof. Dr. Herbert Kubicek von der Universität Bremen, der als wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Digitale Chancen das Auswahlverfahren betreut. "Unser Verfahren zur Beurteilung war und ist streng, hat sich jedoch im Großen und Ganzen bewährt und ist von allen Beteiligten weitgehend akzeptiert worden."

Und in der Tat wiesen und weisen auch viele neu gestaltete Angebote von Behörden noch erhebliche Mängel auf. Auch EntscheiderInnen in diesem Bereich möchte die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen mit dem Biene-Award für das Thema weiter sensibilisieren. Die besondere Relevanz für diesen Bereich ergibt sich aus der so genannten "Barrierefreie Informationstechnik Verordnung" (BITV), die den Behörden die Vorgabe macht, ihre Internetangebote bis spätestens zum 31. Dezember 2005 barrierefrei zu gestalten.



Weitere Informationen zum Biene-Award online unter:

www.biene-award.de
Tipps, Tricks und Links zum barrierefreien Webdesign unter der Website der Initiative "Einfach für Alle" der Aktion Mensch.
www.einfach-fuer-alle.de
Lesen Sie auch das Interview mit Jutta Croll, der Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen


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Beitrag vom 23.03.2004

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