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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 02.11.2002


JournalistInnen leben gefährlich: Bedroht, verhaftet, erschossen
Anja Kesting

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" veröffentlicht einen Index zur weltweiten Situation der Pressefreiheit und den Arbeitsbedingungen der JournalistInnen in 139 Staaten




Dabei gab es überraschende Ergebnisse für die westlichen Staaten: Italien rangiert auf Platz 40 hinter Beninn, einem der ärmsten Länder der Welt. Die USA findet sich nur auf Rang 17 wieder, wurde sogar noch von Costa Rica überrundet.

Fazit: Pressefreiheit ist nicht an wirtschaftliche Erfolge gebunden, sondern auch unter schlechten ökonomischen Bedingungen ist es möglich, die Rechte der JournalistInnen zu achten.

Auf jedem Kontinent gibt es Verstöße gegen die Pressefreiheit. Unter den 20 Ländern mit den gravierendsten Einschränkungen sind neben den afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Staaten auch die europäischen Länder Russland und Weißrussland: Die Arbeitsbedingungen für BerichterstatterInnen sind extrem schwierig: Heute und in der Vergangenheit wurden JournalistInnen ermordet.

Das Schlusslicht bilden Nord-Korea, China, Birma und Turkmenistan. Hier ist Pressefreiheit ein Fremdwort. Die Regierungen kontrollieren die Medien streng. Willkürlich werden die ReporterInnen bedroht, überwacht und häufig verhaftet. Vielen bleibt nur die Möglichkeit, ins Exil zu gehen.

Positive Spitzenreiter sind die vier europäischen Länder: Finnland, Island, Norwegen und die Niederlande, die sich den ersten Platz teilen. Gewissenhaft wird hier die Pressefreiheit geachtet, zudem setzen sich die Regierungen gegen Einschränkungen der Pressefreiheit in anderen Ländern ein. Deutschland belegt einen respektablen Platz sieben.

Grundlage des Index ist ein 50 Fragen umfassender Katalog, den JournalistInnen, WissenschaftlerInnen und RechtsexpertInnen beantworteten. Abgefragt wurden Verstöße, wie Verhaftungen und Morde sowie politische, rechtliche und ökonomische Einflussnahme (Zensur, staatliche Monopole). Die einzelnen Aspekte wurden nach der Bedeutung der Pressegesetze unterschiedlich gewichtet.

Das schlechte Abschneiden der USA (Platz 17) ist darauf zurück zu führen, dass viele ReporterInnen in Gerichtsverhandlungen ihre InformantInnen oder Quellen nicht preisgaben oder gegen Sicherheitsbestimmungen verstießen, die nach dem 11. September verschärft wurden.

Ein gutes Beispiel in Sachen Fortschritt der Pressefreiheit ist das kleine Land Costa Rica. Hier können seit Februar 2002 ReporterInnen nicht mehr wegen "Beleidigung von Amtspersonen" bestraft werden, die Ausnahme in Lateinamerika.

In Europa sticht insbesondere Italien und die Türkei negativ heraus: Alle 15 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union erhielten gute Bewertungen. Italien landet auf Platz 40, die JournalistInnen sehen die Medienvielfalt erheblich durch Premierminister Silvio Berlusconi bedroht. Schlechter schnitt nur noch die Türkei (Rang 99) ab. Hier werden immer noch die Medien ständig zensiert und ReporterInnen aufgrund ihrer veröffentlichten Berichte verurteilt.

Die Arbeitsbedingungen für JournalistInnen im mittleren Osten sind extrem schwierig. Kein arabischer Staat gehört zu den 50 bestplatzierten Ländern. "Spitzenreiter" ist der Libanon auf Rang 56. Der Irak (Platz 130), aber auch Syrien (Platz 126) nutzen jede Möglichkeit, um oppositionelle Meinungen sofort im Keim zu ersticken.

Aufgrund dessen, dass die palästinensische Autonomiebehörde (Platz 82) derzeit extrem politisch geschwächt ist, werden momentan die KorrespondentInnen weniger eingeschränkt als früher. Trotzdem kommt es aber immer noch zu Versuchen, sie einzuschüchtern und Einfluss auf ihre Berichterstattung zu nehmen.

In Israel werden einheimische Medien und die Pressefreiheit geachtet. Schwierig ist jedoch die Situation in der Westbank und im Gaza-Streifen. Zahlreiche Journalisten wurden seit Beginn der militärischen Besetzung von den Behörden festgenommen oder ausgewiesen. Deshalb rangiert Israel nur auf Platz 92.



Der gesamte Index steht in englisch, französisch und spanisch zur Verfügung.
Er kann im Internet abgerufen werden unter: www.rsf.org
Oder bei: Reporter ohne Grenzen - Deutsche Sektion
Tel. 030 / 618 85 85


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Beitrag vom 02.11.2002

AVIVA-Redaktion