Lesbos die Insel von Sappho und... - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Unterwegs fern



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 10.07.2006


Lesbos die Insel von Sappho und...
G. Rigler + S. Grunwald

Abseits der überlaufenen Touristenziele bietet Lesbos vielfältige Möglichkeiten zur Erholung, ob Natur, Strand, Wanderungen, Fahrradtouren oder Kulturelles hier ist für jeden Geschmack etwas dabei




Ach, ich wollte, ich wäre tot!
Sie, die Weinende, ließ mich allein zurück.
"Sappho", sagte sie, "wie viel Leid
Hat das Schicksal uns auferlegt!
Widerstrebend nur gehe ich fort von dir."
Ich entgegnete: "Zieh getrost
Deines Weges und gedenke mein!
Denn wir haben, du weißt es, dich treu umhegt.
Oder weißt du´s nicht mehr? Dann laß
An die Lust dich gemahnen und
An das Glück, das uns beiden zugleich erschien….


Unser Urlaubsziel Lesbos ist ein bevorzugtes Reiseziel für Individualistinnen. Die drittgrößte Insel Griechenlands, teilweise grün und gebirgig hat eine lange Tradition der Lyrik und anderer schöner Künste.
Wir hatten uns aus zeitlichen und organisatorischen Gründen für das Flugzeug an Stelle der Fähre entschieden und landeten nach einer Stunde von Athen aus auf der Insel. Ein wenig erschöpft kamen wir gegen 19.00 Uhr in Mytilini an und stiegen in das nächste Taxi, das uns in 15 Minuten zum Hotel Sappho brachte. Direkt an der Promenade gelegen, erwies es sich als preisgünstige, doch recht laute Unterkunft. Selbst für uns Berlinerinnen waren der dichte Verkehr und das quirlige Treiben gewöhnungsbedürftig.

Übernachtungsmöglichkeiten sind zahlreich vorhanden, wer lärmempfindlich ist, sollte aber darauf achten, sich eine Unterkunft zu suchen, die nicht direkt an der Uferstraße liegt, der Autoverkehr und der höllische Lärm der Zweitakter sind nicht zu unterschätzen. Auf der Rückreise checkten wir uns in einer ruhigeren Privatpension mit dem viel versprechenden Namen "New Life" ein.
Mit 30.000 EinwohnerInnen ist die Hauptstadt Mytilini das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum. Die betriebsame und südländisch laute Metropole hat einiges zu bieten. Eine historische Vergangenheit und diverse Sehenswürdigkeiten:
Ausgrabungsstätten, eine Moschee, die gerade restauriert wird, am Nordhafen groß aufragend eine imposante Festung, die reich verzierte byzantinischen Kirche Ágios Thérapon mit ihrer silbernen Kuppel. Und nicht zu vergessen, die basarähnliche Einkaufsstraße Odós Ermoú, mit ihrer bunten Mischung aus Tradition und Moderne. Hier gibt es von Lebensmittelläden bis zu Boutiquen alles was das Herz begehrt. Schöne Mitbringsel sind die landestypischen Produkte wie Olivenöl, -seife und Fischkonserven.

Die Einkaufsstraße Odós Ermoú ist eine bizarre Mischung aus orientalischer Basarstraße und europäischer Flaniermeile. Neben einem Geschäft mit Kleiderschürzen in Übergrößen, sieht man in den Schaufenstern einer schicken Boutique den paillettenbesetzten Schick, den junge Griechinnen, die kichernd in Gruppen durch die Straßen ziehen, gerne tragen. Aus einem kleinen Geschäft weht der Duft von frischen Kaffeebohnen, die dort geröstet werden. Fischhändler bieten ihre fangfrische Ware in gekachelten Läden an.
Entlang der quirligen Uferstraße Prokymaia liegen zahlreiche Cafés und Restaurants mit Blick auf den Südhafen und seine Fischerboote. Sappho, der wohl berühmtesten Tochter der Insel ist hier ein Denkmal gewidmet.

Dort findet man auch den edlen Lesvos Shop, in dem man einheimische Produkte kaufen kann. Köstliche, selbst gemachte Marmeladen, Olivenöl in schönen Gefäßen und Körperpflegeprodukte auf Olivenöl-Basis.

Wer ein ruhigeres Plätzchen vorzieht, dem sei die traditionsreiche Taverne Kafenion O Ermis ans Herz gelegt, die abseits vom Trubel, idyllisch in der Nähe des Kastros zu finden ist. Hier lässt es sich friedlich unter schattigem Weinlaub sitzen und die vorzüglichen mezés mit einem Glas Wein genießen.
Kunstinteressierten ist das Gemäldemuseum in dem nahe gelegenen Vorort Variá zu empfehlen. Über hundert Gemälde des volkstümlichen Malers Theóphilos sind zu bewundern. Außerdem die internationale Sammlung des Mäzens, Herausgebers und Kunstkritikers Teriade (1897-1983), der die Kunstzeitschrift "Minotaurus", "Verve" und die "Grandes Livres" herausbrachte. Illustrationen von Miró, Picasso, Matisse, Leger, Le Corbusier, Gris u.a. KünstlerInnen können hier mit Muße betrachtet werden.


Unser nächstes Reiseziel war der 90 km entfernten Sommerort Skala Eressoú. Der Überlandbus fährt 2 ½ St. beinahe einmal längs über die Insel und vermittelt schon einige Eindrücke von der reizvollen, doch recht kargen Landschaft.
Skala Eressoú liegt direkt am Meer und kann mit zahlreichen geschmackvoll gestalteten Cafés und Lokalen aufwarten. In einigen kann man kann sich faul auf den Seidenkissen von orientalischen Diwans räkeln, dabei einen Longdrink schlürfen und dezenten Samba-Rhythmen lauschen.

Die auf Pfählen errichteten Bauten mit Meerblick sind alle unterschiedlich gestaltet und bilden doch optisch ein ganzheitliches Ensemble.
Unser ausgesprochenes Lieblingslokal war das karibisch angehauchte Par A Sol mit dem besten Capuccino und der groovigsten Musik. Direkt daneben führt eine Deutsch-Österreicherin ihre Lokalität nach Wiener Rezepten. Die Kuchen und Torten sind eine Sünde wert. Am Wochenende herrscht in den Lokalen rege Betriebsamkeit wenn die Großfamilien aus der Stadt angereist kommen, um hier ihr Wochenende zu verbringen. Der Juni gehört noch zur Vorsaison und es war keineswegs voll. Abends ist es angeraten etwas überzuziehen, da es direkt am Meer noch etwas kühl werden kann.

Unser Vorurteil von der fleischlastigen griechischen Küche haben wir beim Genuss der schmackhaften, variationsreichen Vorspeisen schnell revidiert. Diverse Gemüsebällchen, Paprika, Weinblätter, Salate, frittierte Sardinen, patatas, rote Beete, Humus u.a. Köstlichkeiten standen fast täglich auf unsrem Speiseplan. Die GriechInnen sind freundlich und aufgeschlossen und nach einigen Tagen zeigte uns ein erkennendes Lächeln der WirtInnen und HändlerInnen, dass wir keine Unbekannten mehr für sie waren.

Für Arbeitswütige und/oder Kontaktfreudige, die auf moderne Kommunikationstechnik nicht verzichten wollen, gibt es ein Internetcafé, sowie eine Bar mit einem Hotspot für den kostenlosen Internetempfang. Auch Fahrräder und Mopeds für Ausflüge in die nähere Umgebung werden angeboten.
Wir hatten privat ein Häuschen gemietet, das ganz einsam, umgeben von Oliven- und Mandelbäumen und spärlich bewachsenen Bergen lag. Die himmlische Ruhe nach der lauten Stadt war eine Wohltat für unsere erholungsbedürftigen Nerven. Unsere nächste Nachbarschaft bestand aus vier dunkelbraunen Schafen und einigen Ziegen. Die musikalische Unterhaltung bestand im Zirpen der Zikaden und dem Gezwitscher der Vögel. Besuch statteten uns regelmäßig einige hungrige und heimatlose Katzen ab. Frühmorgens im Halbschlaf war das Läuten der Schafe zu hören, die regelmäßig im Morgengrauen auf das Grundstück des Hauses kamen, um dort zu frühstücken.

Was ist dran am Lesbenparadies?
Speziell für Frauen gibt es Unterkünfte und Lokale, deren Adressen vollständig bei Sappho Travel oder unter www.travelsisters.de/ in Erfahrung zu bringen sind.
Uns gefiel besonders gut die entspannte Atmosphäre der Vorsaison und die bunte Mischung der BesucherInnen. Familien mit Kindern, gleichgeschlechtliche Paare beiderlei Geschlechts oder gemischtgeschlechtliche PartnerInnen, auf Lesbos sind alle willkommen.
Ca. 4 km entfernt in den Bergen liegt das ursprüngliche Dorf Eressós. Hier reihen sich malerische Tavernen um einen ruhigen zentralen Platz. Ein klassizistisches Schulgebäude, und ein Kirchlein sind zu besichtigen. Vom Dorf aus über dem neu errichteten Stausee gelegen haben wir das Kloster Pitharioú besucht, das von einem einsamen Mönch verwaltet wird. Die Aussicht auf den See mit den darüber segelnden Seemöwen lohnt den Aufstieg.

Ein weiteres, relativ nah gelegenes Ausflugsziel ist eine kleine Kirche, die nach einer einstündigen Wanderung erreicht werden kann. Vom Ende des Strandes, nach der neuen Ferienkolonie Aeolian Village gelegen gibt es einen Pfad, der durch weiße Pfeile markiert ist. Der für Ungeübte etwas anstrengende Weg wird durch einen phantastischen Rundblick belohnt. Für WanderfreundInnen gibt es Vorschläge im Reiseführer "Lesbos", erschienen im Michael Müller Verlag. Doch sind die Strecken nicht allzu gut ausgewiesen und von langen Wanderungen während der brüllenden Mittagshitze ist abzuraten.

Körperarbeit, Meditation und Entspannung:

Im Ort gibt es ein Center der Sanyassins
, um den inzwischen verstorbenen indischen Lehrer Osho. Das Center steht auch Nicht-Sanyassins offen. Man kann dort meditieren, an Therapie-Gruppen teilnehmen oder einfach nur in die Bar gehen, um - je nach Laune - zu tanzen oder zu chillen.
Im Anschluss ist es möglich, für einen geringen Obolus am gemeinsamen vegetarischen Abendessen teilnehmen.

Reiki
Übertragen wird Reiki
in der Regel durch das Auflegen der Hände. Reiki erlernen kann jede, die will. Der Besuch eines Workshops genügt, um einen vollständigen Zugang zu der Energie zu bekommen. Sehr frei übersetzt kann man Reiki als "die Energie des Lebens" interpretieren. Also als die Kraft, die alles Leben hervorbringt.
Wer sich privat für Reiki interessiert und sich verwöhnen lassen möchte, kann direkt am Ort Sessions bei Khirat Andreadis, Handy-Nr. 0030/6948380603 buchen
Er ist ausgebildeter Reiki Meister, beherrscht aber auch noch andere Formen der Körperarbeit. (Spricht fließend Deutsch und Englisch)

Sappho
Sappho war die größte Lyrikerin des Altertums.
Die griechische Dichterin wurde ca. 600 v. Chr. geboren und lebte auf der Insel Lesbos. Sie unterrichtete ihre Schülerinnen in Poesie, Philosophie und Musik. Ihre Sängerinnen-Schule erlangte großen Ruhm.
Nach der Sage, die aufgrund ihrer Gedichte entstand, soll sich Sappho aus unerwiderter Liebe zu Phaon vom Leukadischen Felsen gestürzt haben. Wahrscheinlicher ist es allerdings, dass es sich nur um dichterische Erfindungen handelte, die das Sujet der unerwiderten Liebe zum Topos erhob.
Ihre Lieder sind Hymnen an die GöttInnen, Hochzeits- und Liebeslieder. Heute sind neben Bruchstücken nur noch wenige Lieder erhalten.
In der späteren griechischen Geschichte wurden die Dichtungen Sapphos kritisiert und geächtet. Sappho wurde als Hetäre beschuldigt und ihr Ruf durch üble Nachrede zerstört. Grund dafür war ihre leidenschaftliche Liebeslyrik, die in späteren Zeiten als unsittlich galt.
Hinzu kam, dass die Frauen und Mädchen auf Lesbos ein eigenständiges, unabhängiges, geselliges und öffentliches Leben führten. Sie waren gebildet und hatten die Möglichkeit, ihre Talente in Poesie und Philosophie zu entwickeln. Dies alles war den nachgeborenen Frauen, beispielsweise in Athen nicht mehr vergönnt. Insofern ist Sapphos Ächtung als bewusste Diskriminierung der Frauen zu verstehen.
Geboren wurde sie in Mytilene und stammte aus einem Adelsgeschlecht. Der Name des Vaters scheint Skamandronymos, der Name ihrer Mutter und Tochter Kleis gewesen zu sein. Aus politischen Gründen musste sie 596 v. Chr. nach Sizilien flüchten. Ihr Todesjahr ist nicht genau bekannt.

Buchempfehlungen:

Michael Müller Verlag
Lesbos

Thomas Schröder
ISBN 3-89953-117-5
15,90 Euro90008115&artiId=2194902"

Eva Demski
Lesbos

Schöffling & Co.
Sappho und ihre Insel
ISBN 13,90
3-89561-573-090008115&artiId=1285516"

Karin Rick
Furien in Ferien

Ein Lesbos - Abenteuer
Querverlag März 2004
ISBN 3-7965-6101-4
14,90 Euro90008115&artiId=2695406"

Eine informative Website von Sappho Travel finden Sie unter:
www.lesvos.co.uk


Unterwegs > fern

Beitrag vom 10.07.2006

AVIVA-Redaktion