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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 25.05.2006


Besinnliches am Grill
Agnes Winklarz

Erhellende Momente durchleben die wenigsten beim Gang durch Berliner Problembezirke. Dem soll abgeholfen werden, daher gedenkt man in Friedrichshain-Kreuzberg nun europiäischer VisioniärInnen.




Am Sonntag, dem 07.05.06 wurde Berlin um ein neues Denkmal bereichert, das an die gemeinsamen Wertvorstellungen und Fundamente der Europäischen Union erinnern soll. In die Fußgängerzone am Mehringplatz wurden 27 Gedenktafeln in den Boden eingelassen, auf denen sich Zitate geistiger Größen Europas befinden, darunter allerdings nur ganze drei Frauen und 24 Männer. Jede Tafel ist jeweils einem Mitgliedstaat und einem/einer nationalen VisioniärIn gewidmet, die/der durch politische oder gesellschaftliche Gedanken und Ideen, die VertreterInnen des jeweiligen Lands beeindruckt hat.
Eine Jury aus Politik, Wissenschaft und Kultur, darunter z.B. Thea Dorn, Dr. Heidi Knake-Werner und Sissy Perlinger traf die Auswahl der RepräsentantInnen der einzelnen europäischen Nationen.

Berliner Kiez - "Ein Ort des Nachdenkens"?

Mitten in das "Herz Berlins" in eine der "prominentesten Straßen der Stadt", wie Monika Helbig, Europabeauftragte des Landes Berlin behauptete, wurde der Pfad mit den Tafeln der einzelnen Länder angelegt.

Doch bei dem Ort, der angeblich über enorme "internationale Ausstrahlung" verfügt, handelt es sich um Berlins Problembezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der auch weit über die Stadtgrenze meist negativ von sich Reden macht:
Hochburg der links-alternativen Szene, Klein-Istanbul, sozialer Brennpunkt und seit Sonntag: eine Quelle des Intellekts.

Die europäischen Geistesgeschichte ist es, die nun am Halleschen Tor zwischen Jildiz, dem ansässigen Dönerladen und der Wettannahmestelle ihre angemessene Beachtung erhält.
"Nachdenklich stimmen" soll uns der Pfad nach Ansicht von Sabine Kroissenbrunner, Botschaftsrätin der Republik Österreich und uns "erhellende Momente" schenken.

Der Pfad der Visionäre

In diesem Sinne hat jeder Staat dazu je eine/n Vertreter/in den Berliner Problembezirk gesandt, um das Entfernen der Schutzkartons von den Tafeln zu entwerfen und gleichzeitig galant in die Runde zu schauen.

Dass auch Staaten vertreten waren, die sich momentan noch nicht als Mitglied wähnen dürfen, wie zum Beispiel Rumänien und Bulgarien, war ein bedachter Entschluss.

Schließlich "werden wie sehr bald Bulgarien und Rumänien als Mitglieder der europäischen Union haben", so Gerhardt Sabathils, der Leiter der Vertretung der Europ�ischen Kommission, der sich mit vier weiteren internationalen Pers�nlichkeiten auf einer kleinen Bühne einfand, um einige Worte zu sprechen.

Das spärliche Publikum, das neben dem Grill auf wenigen Bierbänken vor ihnen Platz nahm, folgte diesen zwar nur mäßig, ließ es sich jedoch nicht nehmen, durch gelegentliche Begeisterungsgebärden seine Zustimmung zu äußern.
Ob das Denkmal in Zukunft ähnlich starke Gemütsbewegungen hervorrufen wird, wird sich innerhalb der nächsten Wochen zeigen.

Gerhard Sabathil zeigte sich jedoch höchst optimistisch. So ist er der Überzeugung, dass auch viele Menschen von "außerhalb kommen, um zu sehen wie das vereinigte Europa am Mehringplatz Wirklichkeit geworden ist."
Einem Ort, der ideal erscheint, um sich über gemeinsame Wertesysteme und die europäische Identität auszutauschen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.pfaddervisionaere.de


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Beitrag vom 25.05.2006

AVIVA-Redaktion