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AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 20.03.2009


Die Vorstadtkrokodile
Anna-Lena Berscheid

Der Jugendbuchklassiker von Max von der Grün wurde über 30 Jahre nach seinem Erscheinen zum ersten Mal für´s Kino verfilmt. Die modernisierte Version des Romans ist ab 26.03.2009 im Kino zu sehen.




Die Dortmunder Jugendbande "Die Vorstadtkrokodile" kennen Kinder vieler Generationen aus dem Schulunterricht: Der Roman von Max von der Grün gilt durch seine spannend verpackte Freundschafts- und Integrationsthematik als beliebte Schullektüre, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Dies war auch der Grund für Produzent Christian Becker und Regisseur Christian Ditter, den Stoff auf die große Leinwand zu bringen. Damit sich das junge Publikum angesprochen fühlt, wurden einige Änderungen an der Vorlage vorgenommen: So heißen die Kinder heute nicht mehr Kurt, Olaf, Otto und Willi sondern Kai, Olli, Jorgo und Elvis. Die kriminelle Moped-Gang aus den 1970er Jahren fährt nun Motorrad und was wäre der moderne Jugendliche ohne Handy und Mp3 Player? Trotz vieler kleiner Änderungen ist die Grundgeschichte der "Krokodile" jedoch die Gleiche geblieben.

Hannes (Nick Romeo Reimann) möchte unbedingt Mitglied der "Vorstadtkrokodile" werden. Aufnahmebedingung ist jedoch eine Mutprobe, die jedes Mitglied absolvieren muss: Das Dach der alten Ziegelei am Rande der Wohnsiedlung muss erklommen werden, ein Krokodilanhänger, der die Mitgliedschaft in der Bande symbolisiert, wurde an der höchsten Stelle des Daches angebracht. Doch die stillgelegte Ziegelei ist baufällig – und Hannes droht abzustürzen.

Zur gleichen Zeit packt Kai (Fabian Halbig), der mit seinen Eltern gerade erst in die Siedlung gezogen ist, seine Sachen aus, was ihm alleine nicht leicht fällt: Kai sitzt seit einem schweren Unfall mit einer Querschnittslähmung im Rollstuhl. Seitdem lässt ihn seine Mutter nicht mehr aus den Augen und möchte den Jungen sogar in eine Sonderschule stecken. Dies kann Kai nur verhindern, wenn er bis zum Ende der Sommerferien neue Freunde gefunden hat. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man von den anderen Kindern als "Spasti" und "Krüppel" bezeichnet wird. Kein Wunder also, dass Kai seit seinem Unfall ein ziemlicher Eigenbrötler ist, der sich am Liebsten mit seinem Fernrohr beschäftigt und Astronaut werden möchte. Dieses Fernrohr bedeutet jedoch die Rettung für Hannes, dessen Leben am seidenen Faden hängt. Kai kann rechtzeitig die Feuerwehr rufen, die Hannes in sprichwörtlich letzter Sekunde das Leben rettet.

Hannes, der nun ein echtes "Krokodil" ist, wächst bei seiner allein erziehenden Mutter (Nora Tschirner) auf, die neben ihrem Studium noch täglich in einem kleinen Kiosk jobben muss. Um ihre prekäre finanzielle Situation zu meistern, müssen Hannes und seine Mutter als ein Team agieren, weshalb Hannes schon früh zur Selbständigkeit gezwungen ist. Ganz der gut erzogene Junge bedankt er sich auch bei seinem Retter Kai, der die Chance wittert, über Hannes Kontakt zu den "Vorstadtkrokodilen" zu bekommen und so neue Freunde zu finden. Doch die Bande, allen voran ihr Anführer Olli (Manuel Steitz) ist geschlossen gegen eine Aufnahme des "Spastis". Auch seine Schwester Maria (Leonie Tepe), das einzige Mädchen der Gruppe, kann die Jungs nicht überzeugen.

Doch dann kommt es in der Siedlung zu wiederholten Einbrüchen, auf die Erfassung der Täter werden 1.000 Euro Belohnung ausgesetzt – ein Betrag, der die "Krokodile" reizt, denn von dem Geld kann man sich immerhin "´n Haus auf Kreta kaufen, mit Breitbildfernseher". Auch Hannes könnte das Geld gut gebrauchen, um seiner Mutter aus der finanziellen Patsche zu helfen, seitdem die Einbrecher auch ihren Kiosk ausgeraubt hat, steht das Studium auf der Kippe.

Die Einwohner der Siedlung haben schnell einen Verdacht geäußert: Die Albaner aus dem "Ghetto" müssen es gewesen sein, die sprechen ja nicht mal Deutsch. Doch Kai weiß, dass es die Albaner nicht gewesen sein können: Da er nachts nicht schlafen kann, hat er einen der Einbrüche beobachtet: Es waren drei Motorradfahrer, die die Bevölkerung mit ihren Raubzügen in Angst und Schrecken versetzen. Mit seinem Wissen schafft es Kai endlich, auch gegen den Willen einiger Mitglieder, mit zum geheimen Treffpunkt der Bande genommen zu werden. Im Umgang mit Kai lernen die anderen "Krokodile" nun, wie es ist, sich um einen Hilfsbedürftigen zu kümmern und verlieren ihre Berührungsängste. Aus der anfänglichen Ablehnung entstehen zarte Bande der Freundschaft. Und gemeinsam sind die Kids dann auch den Einbrechern dicht auf den Fersen.

Zu den SchauspielerInnen:
Nick Romeo Reimann
wurde 1998 in München geboren. Große Bekanntheit erlangte er in der Rolle des Nerv, die er ab 2006 in den Teilen drei bis fünf der "Wilde Kerle"-Kinofilmreihe spielte.

Nora Tschirner, 1981 in Berlin geboren, wurde als Moderatorin für diverse Sendungen des Musiksenders MTV bekannt. Parallel zu ihrer Fernsehkarriere, die 2001 begonnen hatte, spielte sie erste Rollen in Kino und im Fernsehen, darunter die Hauptrolle der Paula in der ARD-Vorabendserie "Sternenfänger". Weitere Erfolge waren ihre Hauptrollen in "Kebab Connection", "FC Venus" uns zuletzt in Til Schweigers "Keinohrhasen"

Fabian Halbig", geboren 1992 in Dillingen an der Donau, ist Schlagzeuger der Punkrock-Band "Killerpilze", die er 2002 zusammen mit seinem Bruder Johannes und zwei Schulfreunden gründete. 2006 erschien ihr Debütalbum "Invasion der Killerpilze", das in Deutschland und Österreich die Top Ten der Charts erreichte. 2007 folgte das Album "Mit Pauken und Raketen". In "Vorstadtkrokodile" spielt Fabian Halbig seine erste Kinorolle.

AVIVA-Tipp: Das Casting der JungschauspielerInnen, allen voran die Entscheidung für Nick Romeo Reimann, ist durchaus gelungen, wenngleich ein Film, der im Ruhrpott spielt, an Authentizität verliert, wenn die Mehrheit der Darsteller schwäbelt. Auch die erwachsenen Nebenrollen wurden mit viel Sorgfalt besetzt: Maria Schrader als besorgte Mutter überzeugt ebenso wie Smudo als Vater von Kai. Da bleibt zuletzt nur die Frage, ob irgendjemand tatsächlich glaubt, dass Axel Stein, selbst als bösartiges Mitglied einer Motorradgang, Furcht einflößend auf Kinder wirken könnte.

Wer die "Vorstadtkrokodile" aus seiner Jugend kennt und auch die Fernsehverfilmung liebte, wird mit der Neufassung einige Probleme haben. Vor allem die Nebenrollen wurden stark verändert, die Mitglieder der "Krokodile" haben nur noch wenig mit den originalen Charakteren gemeinsam und geraten leider nur noch zu Stichwortgebern für die zahlreich vorhandenen Witze. Zudem wird die Verlegung der Geschichte in die heutige Zeit oft überbetont und wirkt so sehr bemüht.
Für Kinder, die in ihrem Urteil sicher unvoreingenommener sind, gestaltet sich der Film jedoch als wunderbare Unterhaltung, die gleichzeitig vor Augen hält, dass man durch freundschaftlichen Zusammenhalt und ohne Vorurteile viel erreichen kann.

Die Vorstadtkrokodile
im Verleih von Constantin Film
Deutschland, 2009
Drehbuch & Regie: Christian Ditter
DarstellerInnen: Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Nora Tschirner, Leonie Tepe, Manuel Steitz, Jacob Matzschenz, Axel Stein, Oktay Özdemir, Maria Schrader, Smudo u.v.m.
Als Gäste: Martin Semmelrogge & Ralf Richter
Spieldauer: 98 Minuten
Kinostart: 26. März 2009

Weitere Informationen zum Film und spannende Podcasts zum Herunterladen gibt es unter: www.vorstadtkrokodile.de


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Beitrag vom 20.03.2009

AVIVA-Redaktion