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AVIVA-BERLIN.de im April 2021 - Beitrag vom 17.12.2008


Stella und der Stern des Orients
Henriette Jankow

Stella macht eine Zeitreise in das letzte Jahrhundert und trifft auf ihre Urgroßmutter als diese noch ein Mädchen war. Zusammen mit deren jüngeren Bruder begeben sich die Mädchen auf eine Schatzsuche




Stella (Laura Berschuck) hat sich für ihre Zukunft Großes vorgenommen: Sie will Astronautin werden. Doch bevor sie das Weltall erobern kann, stehen ihr noch einige andere Abenteuer bevor.

An Silvester 2005 treffen sich drei Generation von Stellas Familie in der Villa ihrer Urgroßmutter. Stellas Mutter (Gabriela Maria Schmeide) und Großmutter (Ruth Glöss) wollen entscheiden, was mit dem Anwesen geschehen soll. Während die Erwachsenen langweilige Gespräche führen, macht sich das kesse, selbstbewusste Mädchen auf, das Haus zu erkunden und begibt sich auf die Spuren ihrer Urgroßmutter Clementine. Trotz des großmütterlichen Verbots steigt sie auf den Dachboden, sieht sich zunächst ein bisschen um und entdeckt einen alten, geheimnisvollen Schrank. Sie klettert hinein, Nebelschwaden steigen auf, die Musik erklimmt einen ihrer vielen Höhepunkte. Sie klettert hinaus und befindet sich nicht mehr im Jahre 2005, sondern in der Zeit als ihre Urgroßmutter noch ein Mädchen war, im Jahr 1905. Clementine (Hanna Schwamborn) und ihr kleiner Bruder Gustav (Julius Römer) sind ganz fasziniert von dem Mädchen aus der Zukunft, das eine völlig andere Vorstellung vom Mädchen-Sein hat, als Clementine, Gustav und deren Eltern (Edda Leesch und Uwe Kockisch). Nach Meinung ihres Vaters ist es Clementine vorbestimmt, eine gute Ehefrau und Mutter zu werden und nicht zu studieren. Doch Stella, die die Vergangenheit ihrer Familie kennt, weiß natürlich, dass Clementine die Familientradition der weiblichen Ärztinnen begründen wird.

Aber alles zu seiner Zeit. Erstmal muss die Villa – welche dieselbe ist, in der sich Stella und ihre Mutter und Großmutter im Jahre 2005 eingefunden haben - und die Firma des Vaters vor dem Ruin gerettet werden. Wie gut, dass der findige Onkel Anton eine Schatzkarte angelegt hat. So machen sich die drei Kinder auf die Suche nach dem "Stern des Orients", einem großen Edelstein, der alle finanziellen Probleme der Familie lösen soll. Da kein Märchen ohne die Anwesenheit des Bösen oder zumindest Schurkenhaften komplett ist, müssen es auch die Kinder mit zwei geldgierigen, nicht minder tollpatschigen Ganoven (Axel Prahl und Hans-Martin Stier) aufnehmen. Alles wird noch etwas schwieriger, wenn man bedenkt, dass Stella in wenigen Stunden wieder durch die Schranktür gehen muss, um nicht in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Wird der Schatz die Villa retten?

Der gebürtige Tscheche Martin Dolejš dachte daran, während er das Drehbuch schrieb, wie es gewesen wäre, wenn er seinen Großvater getroffen hätte, als dieser noch ein Kind war. Aus der Idee einer phantastischen, generationenübergreifenden Familiengeschichte sollte dann auch ein Lehrstück über Geschlechtergleichheit werden. Durch und durch logisch ist der Film dabei nicht: Die Kinder müssen den Schatz finden, damit die Villa gerettet werden kann. Wäre Stella nicht in die Vergangenheit gereist, hätten die Kinder den Schatz nie gefunden. Stellas Familie hätte die Villa aufgeben müssen. Im Jahre 2005, ohne das Stella die Vergangenheit beeinflusst hat, existiert die Villa immer noch.

AVIVA-Fazit: KinogängerInnen, die mehr als einen märchenhaft anmutenden Kinderfilm gesehen haben, werden sich bei "Stella und der Stern des Orients" von Anfang bis Ende denken können, was in diesem Film als nächstes kommt und wie er ausgeht. Selbst für Kinder dürfte die Dramaturgie dieses Films nicht völlig undurchschaubar sein. Darüber hinaus gestaltet sich die zum Teil wenig überzeugende schauspielerische Leistung einiger DarstellerInnen und der stets aufkeimende Pathos, wenn sich Stella und Clementine alle zwei Minuten völlig unvermittelt in die Arme fallen, als problematisch. Was man dem Film dennoch anrechnen muss, ist zumindest der Versuch, weibliches Selbstbewusstsein zu stärken, indem hier festgehalten wird, dass Mädchen ebenso spitzfindig und tatkräftig sind wie Jungen. Allerdings wirkt auch diese Geschlechterdebatte für die Kleinen zuweilen sehr bemüht und scheint eher einem halbherzigen pädagogischen Pflichtgefühl zu entspringen, als dass sie wirklich überzeugend ist.


Stella und der Stern des Orients
Regie: Erna Schmidt
Drehbuch: Martin Dolejš
DarstellerInnen: Laura Berschuck, Hanna Schwamborn, Julius Römer, Gabriela Maria Schmeide, Tim Wilde, Edda Leesch, Uwe Kockisch, Axel Prahl, Hans-Martin Stier, Ruth Glöss, Otto Mellies
87 Minuten, Deutschland 2007
FSK: Ab 0 Jahren freigegeben
Kinostart: 25. 12. 2008

www.farbfilm-verleih.de


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Beitrag vom 17.12.2008

AVIVA-Redaktion