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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.10.2008

Die Heebie-Jeebies im CBGBs ÔÇô Die j├╝dischen Wurzeln des Punk
Stefanie Denkert

Steven Lee Beeber untersucht die amerikanische Punkgeschichte mit Blick auf deren j├╝dische Wurzeln. Dabei stellt er fest, dass diese Musik das Gef├╝hl der ganzen Post-Holocaust-Generation ausdr├╝ckt.



Steven Lee Beebers Buch "stellt die Frage nach einer j├╝dischen Identit├Ąt nach der Shoah v├Âllig neu" befindet Peter Waldmann, Vorsitzender der J├╝dischen Gemeinde Rheinland-Pfalz, im Vorwort zu "Die Heebie-Jeebies im CBGB┬┤s". W├Ąhrend der Literaturwissenschaftler, der die j├╝dischen US-Punks als "Die Kabbalisten des Rock" bezeichnet, zun├Ąchst wissenschaftlich in das Buch einf├╝hrt, n├Ąhert sich der Autor und Publizist Steven Lee Beeber seiner Rekonstruktion der amerikanischen Punkgeschichte mit Blick auf die j├╝dischen ProtagonistInnen hingegen wie ein Musikjournalist, als Fan und als Suchender nach den Wurzeln seiner subkulturell-religi├Âsen Identit├Ąt, quasi seiner ganz pers├Ânlichen Jewishness, die er durch sein Buch in den soziokulturellen Kontext setzen kann.

Zu den bedeutendsten Protagonisten in der Punk-Szene, die mehrheitlich in dem Club CBGBs auftraten und die Beeber unter die Lupe nimmt, geh├Âren: Lenny Bruce, Lou Reed, Danny Fields, Martin Rev und Alan Vega, Jonathan Richman, Lenny Kaye, Hilly Kristal, Richard Meyers, Chris Stein sowie Joey und Tommy Ramone. Diese Heebie-Jeebies ÔÇô also Leute, die sich ┬┤freaked out┬┤ f├╝hlen ÔÇô geh├Âren der ersten Nachkriegsgeneration amerikanischer Juden an, die Punk nutzten, um sich mit der j├╝dischen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen: "Im New York Punk spiegelt sich die j├╝dische Geschichte von Unterdr├╝ckung und Unsicherheit, Flucht und Migration, gleichzeitig drinnen und drau├čen, gut und schlecht zu sein. Diese Musik dr├╝ckt das Gef├╝hl der Post-Holocaust-Generation aus, das Gef├╝hl, immer am falschen Ort zu sein", meint der Autor, der als Recherche f├╝r "Die Heebie-Jeebies im CBGBs" ├╝ber 120 j├╝dische Punks interviewt hat.

Besonders interessant f├╝r die AVIVA-Berlin-Leserinnen d├╝rfte das Kapitel "The New JAPS (Jewish American Punks)" ├╝ber die j├╝disch-amerikanischen Frauen und die Geburt des Female Punk sein. Darin geht Steven Lee Beeber auf Kathy Acker (geb. Alexander), die avantgardistische postmoderne Literatin und Stilikone mit dem Ruf als "Queen of Punk" sowie auf Goldie and the Gingerbreads, die vermutlich erste autonome Frauenrockband, die sich Anfang der 1960er gr├╝ndete und deren Frontfrau, Goldie Zelkowitz aka. Genya Ravan, ein. Letztere gilt als ┬┤Mutter der Riot Grrls┬┤, w├Ąhrend die Soziologin Donna Gaines als ┬┤Margaret Mead of heavy metal┬┤ durch ihre Untersuchung von amerikanischen Jugendlichen im Bestseller "Teenage Wasteland" bekannt wurde. Au├čerdem geht es um die bereits verstorbene Helen Wheels (geb. Robbins), S├Ąngerin der gleichnamigen Band, die zuvor Semi-Mitglied der Blue Oyster Cult war und deren Leder-Outfits entwarf.

Insgesamt kommt Steven Lee Beeber nicht umhin festzustellen, dass die Musik- und Kulturszene voll ist von rebellischen, j├╝disch-amerikanischen Frauen ÔÇô und dass in den 1950ern und 60ern j├╝disch-amerikanische Eltern dazu "neigten", "ihren T├Âchtern entweder beizubringen, sich vor der Au├čenwelt zu f├╝rchten, damit sie zu Hause blieben und vor der Modernit├Ąt und dem Wandel gesch├╝tzt w├Ąren, oder sie dazu zu ermutigen, stark aggressiv und unabh├Ąngig zu werden". Zu letzteren geh├Âren u.a. die Fotografin Cindy Sherman, die Intellektuelle Susan Sontag und die Post-Porno-Perfomerin Annie Sprinkle. Auch unter den f├╝hrenden Feministinnen finden wir die starken j├╝dischen Frauen: sei es die Autorin Betty Friedan oder die Ms. Magazine-Gr├╝nderin Gloria Steinem.

AVIVA-Tipp: Steven Lee Beeber singt ÔÇô oder besser rockt - ein Loblied auf die Jewishness und auf den Punk. Zuweilen ist er dabei etwas polemisch, aber warum auch nicht? Der Ansatz, die j├╝dischen Wurzeln des Punk zu erforschen ist v├Âllig neu und erfrischend und da "Die Heebie-Jeebies im CBGBs" faktenreich und unterhaltsam ist, ist es eine Bereicherung f├╝r die Musikliteratur!

Zum Autor: Steven Lee Beeber
W├Ąhrend er in Atlanta aufwuchs, betrauerte Steven Lee Beeber nicht nur die Tatsache, dass keiner der Beatles j├╝disch war, sondern auch, dass Barry Manilow und Neil Sedaka es waren. H├Ątte es nicht Lou "the Jew" Reed und Joey "Jewy" Ramone gegeben, w├Ąre er wohl Buchhalter geworden. Beeber ist Herausgeber der Anthologie "AWAKE! A Reader for the Sleepless" (mit Beitr├Ągen von Margaret Atwood, Joyce Carol Oates, Lydia Lunch, Shannon Wheeler u. a.) und Mitherausgeber des Magazins Conduit. Seine Texte erschienen in The Paris Review, The New York Times, Spin, MOJO und anderswo. Er spielt au├čerdem Saxophon bei der Gospel-Punkband The Chowder Shouters aus Atlanta ÔÇô ab und an zumindest. (Verlagsinfo). Beebers Website: www.jewpunk.com

Steven Lee Beeber
Die Heebie-Jeebies im CBGBs: Die j├╝dischen Wurzeln des Punk

├ťbersetzt von Doris Akrap
Ventil Verlag, erschienen Oktober 2008
Broschiert: 299 Seiten
ISBN-10: 393155564X
ISBN-13: 978-3931555641
17,90 Euro

Buecher Beitrag vom 14.10.2008 AVIVA-Redaktion 





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