Berno Bahro, Jutta Braun, H.-J. Teichler - Vergessene Rekorde. J├╝dische Leichtathletinnen vor und nach 1933 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 04.08.2009

Berno Bahro, Jutta Braun, H.-J. Teichler - Vergessene Rekorde. J├╝dische Leichtathletinnen vor und nach 1933
Iella Peter

Der Band beschreibt das j├╝dische Sportleben in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus anhand der Schicksale dreier der bekanntesten j├╝dischen Sportlerinnen dieser Zeit.



Der gleichnamige Begleitband zur Ausstellung "Vergessene Rekorde ÔÇô J├╝dische Leichtathletinnen vor und nach 1933" vom 21. Juni bis 23. August 2009 im Centrum Judaicum beleuchtet die unterschiedlichen Lebenswege der drei j├╝dischen Athletinnen Lilli Henoch, Gretel Bergmann und Marta Jacob und gibt exemplarisch Einblick in Alltag und Leben der j├╝dischen Bev├Âlkerung in der Weimarer Republik und sp├Ąter im "Dritten Reich".

In den 1920er Jahren waren j├╝dische SportlerInnen, ob als Freizeit- oder ProfisportlerInnen, weitestgehend in das deutsche Sportleben integriert. Im ganzen Land herrschte eine Art "Sportwahn". Die wachsende Mittelklasse und besonders Frauen nutzten neu entstandene Sportarten wie zum Beispiel die Leichtathletik, um sich zu entfalten. Auch Lilli Henoch, Gretel Bergmann und Martha Jacob waren Mitglieder in nichtj├╝dischen Sportvereinen wie beispielsweise dem SC Charlottenburg. Lilli Henoch, Mitglied im renommierten Berliner SC, errang insgesamt zehn deutsche Meistertitel und f├╝nf Weltrekorde und geh├Ârte in den 1920er Jahren zu den erfolgreichsten Leichtathletinnen Deutschlands. Auch Martha Jacob war eine gro├če Leichtathletin. Sie gewann 1929 die deutsche Meisterschaft im Speerwurf und auch im Exil in S├╝dafrika erk├Ąmpfte sie sich 1936 einen weiteren Titel in dieser Disziplin.

Erst mit Einf├╝hrung des sogenannten "Arierparagraphen"1933 war es den j├╝dischen SportlerInnen nicht mehr gestattet, aktiv am Vereinsleben teilzunehmen und sie wurden zum Austritt gezwungen. Die j├╝dische Bev├Âlkerung konnte sich nun nur noch in rein j├╝dischen Sportvereinen darunter vor allem "Makkabi" engagieren.

Gretel Bergmann emigrierte nach Erlass dieses Gesetzes nach Gro├čbritannien. Ihre Geschichte veranschaulicht besonders gut die perfiden Machenschaften der Nazis im Rahmen der Olympischen Spiele 1936. Gretel Bergmann kehrte nach Deutschland zur├╝ck, um sich f├╝r einen Start im deutschen Olympiateam vorzubereiten. Kurz vor Beginn der Spiele wurde ihr dann allerdings als Vollj├╝din die Teilnahme im deutschen Olympiateam verweigert. Nach dieser Dem├╝tigung wanderte sie 1937 endg├╝ltig in die USA aus.

Aufgrund ihrer Flucht ins Exil ├╝berlebten Martha Jacob und Gretel Bergmann den Holocaust. Lilli Henoch dagegen blieb in Berlin und unterrichtete Sport an der j├╝dischen Volksschule in der Rykestra├če. Sie wurde 1942 deportiert und ermordet. Die Schicksale von Martha Jacob, Gretel Bergmann und Lilli Henoch erinnern stellvertretend an diesen fast vergessenen Teil deutscher Geschichte. Heute hat sich die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in deutschen Sportvereinen gr├Â├čtenteils etabliert. In Laupheim, dem Geburtsort von Gretel Bergmann, wurde ein Sportstadion nach ihr benannt und auch Lilli Henoch erhielt eine sp├Ąte Ehrung. In Berlin Prenzlauer Berg tr├Ągt eine Stra├če ihren Namen. Auch ihr ehemaliger Verein Berliner SC veranstaltet mittlerweile j├Ąhrlich ein Frauensportfest, um ihrer zu gedenken.

Zu den AutorInnen:

Berno Bahro
ist Sportwissenschaftler und Historiker. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Zeitgeschichte des Sports der Universit├Ąt Potsdam und promoviert zurzeit zum Sport in der SS.
Dr. Jutta Braun ist Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Zeitgeschichte des Sports der Universit├Ąt Potsdam.
Prof. Hans Joachim Teichler ist Professor f├╝r Zeitgeschichte des Sports im Institut f├╝r Sportwissenschaft der Universit├Ąt Potsdam.

AVIVA-Tipp: Der Band "Vergessene Rekorde" zeigt anhand von Originaldokumenten die von den Nazis vorgegaukelte Normalit├Ąt im Rahmen der Olympischen Spiele 1936 gegen├╝ber dem Rest der Welt auf. Denn obwohl der Antisemitismus bereits alle Lebensbereiche durchdrang, fand das eigentliche Drama Anfang der 1930er Jahre noch hinter den Kulissen statt. In vielen beeindruckenden Aufnahmen und Beitr├Ągen zum j├╝dischen Sportleben und der damaligen Sportfotografie wird das Schicksal dieser drei Sportlerinnen beschrieben und dargestellt.

Berno Bahro, Jutta Braun, Hans Joachim Teichler (Hg.)
Vergessene Rekorde. J├╝dische Leichtathletinnen vor und nach 1933

Verlag f├╝r Berlin-Brandenburg, erschienen 2009
ISBN: 978-3-86650-038-9
Broschur, 208 Seiten, 168 s/w-Abbildungen
16,90 Euro

Weiterlesen auf AVIVA Berlin:

"Vergessene Rekorde ÔÇô J├╝dische Leichtathletinnen vor und nach 1933" - die Ausstellung im Centrum Judaicum vom 21. Juni bis 23. August 2009.

Weitere Infos zu TUS MAKKABI - BERLIN e.V. finden Sie unter:

www.tus-makkabi.de

Buecher Beitrag vom 04.08.2009 AVIVA-Redaktion 





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