Chantal Louis - Monika Hauser. Nicht aufh├Âren anzufangen - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA-Berlin > Buecher AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 10.08.2008

Chantal Louis - Monika Hauser. Nicht aufh├Âren anzufangen
Britta Leudolph

Chantal Louis zeichnet in dieser Biographie das Leben der Ärztin Monika Hauser nach, die sich 1992 nach Bosnien aufmacht, um kriegstraumatisierten Frauen medizinische und therapeutische Hilfe...



...zu geben.

Monika Hauser, eine junge ├ärztin, bewirbt sich gerade auf eine Stelle im au├čereurop├Ąischen Ausland als sie einen Artikel im "Stern" ├╝ber den Krieg auf dem Balkan liest: "Vergewaltigung als Waffe". Einerseits ist die engagierte Medizinerin von der rei├čerischen Aufmachung des Textes und den dazugeh├Ârigen Bildern angewidert. Vor allem aber sind ihr durch ihre Ausbildung und ihre berufliche T├Ątigkeit die Folgen sexualisierter Gewalt nur all zu bewusst: Wenn auch die k├Ârperlichen Verletzungen heilen, leiden die Frauen jahrelang unter den seelischen Wunden, manche den Rest ihres Lebens.

"Ob eine Frau je wieder Zugang zu ihrem K├Ârper, ihrer Seele findet, h├Ąngt von der Hilfe ab, die sie bekommt. Sie muss ├╝ber das Grauen sprechen k├Ânnen und auf verst├Ąndnisvolle und therapeutisch geschulte Ohren sto├čen. Sie darf nicht an ├ärzte geraten, die durch unsensibles Verhalten bei ihren gyn├Ąkologischen Untersuchungen daf├╝r sorgen, dass die Frau sich erneut missbraucht f├╝hlt. Sie darf nicht gezwungen werden, das Kind auszutragen, das bei einer Vergewaltigung entstanden ist. Monika Hauser ist sicher, dass die Frauen in den Fl├╝chtlingslagern diese Hilfe nicht bekommen."

Vor diesem Hintergrund f├Ąllt Dr. Monika Hauser einen weit reichenden Entschluss: Sie will nach Bosnien, vor Ort helfen und unterst├╝tzen. Schnell muss sie feststellen, dass ihre Hilfe nicht unbedingt gewollt ist: nach mehreren Absagen verschiedener Hilfsorganisationen beschlie├čt sie, auf eigene Faust aufzubrechen. Was sie auf die Beine stellt ist fast unglaublich: mitten im Kriegsgebiet, in der kleinen Stadt Zenica, gr├╝ndet sie gemeinsam mit einer Handvoll Mitstreiterinnen medica Zenica, weltweit das erste Therapiezentrum f├╝r kriegstraumatisierte Frauen.

Gleichzeitig wird Hauser nicht m├╝de, die Zust├Ąnde auch in der deutschen ├ľffentlichkeit anzuprangern, mit Nachdruck appelliert sie an PolitikerInnen, nicht die Augen vor der humanit├Ąren Katastrophe auf dem Balkan zu verschlie├čen. F├╝r ihren Einsatz erh├Ąlt die Aktivistin mehrere Auszeichnungen - unter anderem den Preis "Frauen Europas 1995", den "Gustav-Heinemann-Preis" und den "Alternativen Nobelpreis 2008" - doch die Anstrengungen fordern einen hohen Tribut. Sie erleidet eine Fehlgeburt und muss sich selbst in therapeutische Behandlung begeben.

Mit ihrer Arbeit haben Monika Hauser und ihre Kolleginnen den Grundstein in vielerlei Hinsicht gelegt: Sie geben traumatisierten Frauen einen gesch├╝tzten Raum, haben Therapien entwickelt, die den Opfern sexualisierter ├ťbergriffe helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Gleichzeitig engagieren sie sich auf politischer und juristischer Ebene f├╝r die ├ächtung sexualisierter Gewalt. Aus medica Zenica wurde in den letzten 15 Jahren medica mondiale, eine internationale Hilfs- und Menschenrechtsorganisation, die sich heute auch in anderen Krisengebieten der Welt engagiert, aber ebenso immer wieder auf die sexualisierte Gewalt im Alltag zu Friedenszeiten hinweist.

Zur Autorin: Chantal Louis ist seit 1994 als Autorin und Redakteurin f├╝r die Zeitschrift EMMA t├Ątig. 2001 recherchierte und berichtete sie zur Lage der Frauen im Benin. Sie arbeitet als freie Journalistin unter anderem f├╝r den Deutschlandfunk und den WDR.

AVIVA-Tipp: Chantal Louis ist eine beeindruckende Biographie einer bemerkenswerten Frau gelungen. Was Monika Hauser und ihr Team leisten, geht oft ├╝ber das Vorstellbare hinaus, zeigt aber auch, wie mit viel Energie, Beharrlichkeit und einer ausreichenden Portion Wut Gro├čartiges geschaffen werden kann. Das Buch zeigt, wie wichtig ├ľffentlichkeitsarbeit zu diesem oft verschwiegenen oder heruntergespielten Thema ist: sexualisierte Gewalt ist eine Menschenrechtsverletzung, die ├╝berall auf der Welt auftritt, die Opfer werden weiterhin stigmatisiert und aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Umso wichtiger ist das Engagement der Frauen von medica mondiale, die den Betroffenen eine Stimme verleihen und ihnen die M├Âglichkeit geben, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Monika Hauser ÔÇô Nicht aufh├Âren anzufangen
Eine Ärztin im Einsatz für kriegstraumatisierte Frauen
Chantal Louis
R├╝ffer und Rub Verlag, erschienen Juni 2008
Gebunden, 250 Seiten
ISBN 978-3-907625-41-5
19,80 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

medica mondiale: Sexualisierte Kriegsgewalt und ihre Folgen

Medica Mondiale-Spendenaufruf f├╝r Vergewaltigungsopfer aus Kriegsgebieten

"Esmas Geheimnis" - Berlinale-Gewinnerfilm

"Durch die H├Âlle der Gewalt" von Samira Bellil

"Frauen und Kriege in Afrika - Ein Beitrag zur Gender-Forschung"

"Im Schatten der Apartheid. Frauen-Rechtsorganisationen und geschlechtsspezifische Gewalt in S├╝dafrika" von Dr. Rita Sch├Ąfer

Buecher Beitrag vom 10.08.2008 Britta Leudolph 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken