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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 18.06.2013

Comics mit Tiefgang
Ilka Fleischer

Die Graphic Novel "Das gro├če Durcheinander: Alzheimer, meine Mutter und ich" sowie der Comic "Keine Macht f├╝r Al Tsoy Ma" liefern tiefe Einblicke in das Leben mit der Krankheit Alzheimer.



KEINE MACHT F├ťR AL TSOY MA. Ein Alzheimer-Comic (von Thibaut Lambert und Sabine Henry)



Kurzinfo zum Comic:

Die Story: Zun├Ąchst leben Tom, seine Eltern und der Gro├čvater noch harmonisch unter einem Dach. Die gemeinsamen Spielstunden von Opa und Enkel verlaufen allerdings zunehmend merkw├╝rdiger: So f├Ąngt der Gro├čvater zuweilen an, Tom ohne ersichtlichen Grund zu beschimpfen und verliert immer ├Âfter die Orientierung in der eigenen Wohnung. Seine Eltern erkl├Ąren Tom, dass dieses Verhalten mit der Krankheit Alzheimer zusammenh├Ąngt - f├╝r das Kind wird daraus der Fiesling Al Tsoy Ma. Nachdem eine gemeinsame Spielsituation eines Tages eskaliert und klar wird, dass sein Opa fortan nur noch im Heim sicher aufgehoben ist, versucht Tom trickreich, seinen Gro├čvater aus den F├Ąngen von Al Tsoy Ma zu befreien.
Das Buch: Kreativ und einf├╝hlsam beschreibt dieser Comic Alzheimer und seine "Opfer" mit den Augen eines Kindes. Ein umfangreicher Informations- und Hilfeteil am Ende des Buches greift einzelne Szenen der Story kindgerecht auf und rundet das Buch ab. Ein Alzheimer-Comic, der als Erkl├Ąrungshilfe f├╝r Angeh├Ârige mit Kindern nicht nur eine ideale Lekt├╝re in Beratungs- und Bildungseinrichtungen darstellt, sondern auch jede Familienbibliothek bereichert.

├ťber die AutorInnen:
Seine Freundin, die als Ergotherapeutin in einem Altenpflegeheim arbeitet, brachte den belgischen Schriftsteller und K├╝nstler Thibaut Lambert auf den Gedanken, einen Comic ├╝ber Alzheimer zu zeichnen. Mit dieser Idee wandte er sich an Sabine Henry, die sowohl Pr├Ąsidentin der Ligue Alzheimer A.S.B.L. ist als auch ihre an Alzheimer erkrankte Mutter selbst pflegte. Gemeinsam entwickelten der K├╝nstler und die A.S.B.L.-Pr├Ąsidentin die belgische Originalausgabe des Comics ┬┤Al Zimmeur┬┤.

AVIVA-Tipp: Mit "Keine Macht f├╝r Al Tsoy Ma" ist dem Kreativ-Duo ein spannender Alzheimer-Comic mit Tiefgang gelungen, der nicht nur Kinder fesselt. Schlie├člich kann der B├Âsewicht Al Tsoy Ma - als kindlicher Erkl├Ąrungsansatz f├╝r die bislang so ungen├╝gend erforschte Krankheit - locker mit Joker und anderen Comic-Schurken mithalten. Die Ausgangssituation "Kleinfamilie lebt mit Opa zusammen" ist hierzulande zwar nicht (mehr) stark verbreitet, der Erkenntnisprozess des Kindes "Opa wird immer komischer" und seine einfallsreichen Gegenma├čnahmen sind aber auch auf andere Familienverh├Ąltnisse ├╝bertragbar und werden anschaulich dargestellt. Somit bietet das Werk eine zugleich realit├Ątsnahe und spannende Story dar├╝ber, wie tiefgreifend die Krankheit die Betroffenen, aber auch das Familienleben ver├Ąndert.

Keine Macht f├╝r Al Tsoy Ma. Ein Alzheimer-Comic
Thibaut Lambert, Sabine Henry
Broschiert: 56 Seiten
Verlag: Mabuse-Verlag; Auflage: 1., Aufl. (13. M├Ąrz 2013)
ISBN-10: 3863211103
ISBN-13: 978-3863211103
EUR 16,90

DAS GRO├čE DURCHEINANDER: Alzheimer, meine Mutter und ich. Graphic Novel (von Sarah Leavitt)



Kurzinfo zur Graphic Novel:

Anders als in "Keine Macht f├╝r Al Tsoy Ma" gibt es in "Das gro├če Durcheinander" keine "Story", stattdessen dient hier das pure Leben als Comic-Folie. Mit der autobiografischen "Graphic Memoir" verarbeitet Sarah Leavitt ihre Trauer, aber auch Erinnerungen und Erlebnisse, Gef├╝hle und Tr├Ąume im Zusammenhang mit der Alzheimerkrankheit ihrer Mutter. Durch ihre tagebuchartigen Alltagsskizzen verschafft sie den LeserInnen tiefe und sehr pers├Ânliche Einblicke in ihr famili├Ąres Miteinander w├Ąhrend der Erkrankung der Mutter. Zugleich skizziert sie in R├╝ckblenden auch die Geschichte ihrer Mutter Miriam, eine Lehrerin aus einer j├╝dischen Intellektuellenfamilie, die bereits mit 52 Jahren an Alzheimer erkrankte und zehn Jahre sp├Ąter als "Schatten ihrer selbst" verstarb.

├ťber die Autorin: Sarah Leavitts Prosa und Cartoons erscheinen in vielen Zeitschriften und Anthologien in Kanada, den USA und England. Ihr erstes Buch "Durcheinander" erhielt mehrere internationale Auszeichnungen (u. a. den CBC Bookies Best Graphic Novel Kanada) und wurde als erste Graphic novel ├╝berhaupt zum Sachbuchpreis des Writer┬┤s Trust of Canada (2010) nominiert.

AVIVA-Tipp: Die schonungslos ehrliche Darstellung des Krankheitsverlaufes, vom unaufhaltsamen "Verschwinden" der Mutter, dem oft ambivalenten Umgang der Umwelt und dem eigenen zerrissenen Empfinden der K├╝nstlerin verschafft sehr konkrete Eindr├╝cke von der Krankheit und ber├╝hrt sowohl mit seinen bedr├╝ckenden wie tragikomischen Momenten. Dabei impliziert "Das gro├če Durcheinander" die Frage, inwieweit ein respektvoller, nicht entm├╝ndigender Umgang mit Alzheimerkranken ├╝berhaupt m├Âglich ist. Schlie├člich hatte die kranke Mutter zwar einerseits bekundet, dass sie die Idee der Tochter sch├Ątzt, die Krankheit in dieser Weise zu dokumentieren. Im Verlauf der Krankheit hatte sie allerdings auch immer wieder ihr Unbehagen mit der (Art der) Dokumentation/Interpretation deutlich gemacht. Wem es gelingt, das Buch "trotzdem" und ungeachtet seiner kaum auszuhaltenden Intimit├Ąt ÔÇô z. B. detaillierte Impressionen vom Windelnwechseln und Schamhaarschneiden ÔÇô zu Ende zu lesen, wird mit erhellenden Einblicken in eine sehr konkrete Welt des "Al Tsoy Ma" belohnt.

Das gro├če Durcheinander: Alzheimer, meine Mutter und ich. Graphic Novel
Sarah Leavitt (Autorin), Andreas Nohl (├ťbersetzer)
Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag: Beltz; Auflage: Deutsche Erstausgabe (4. M├Ąrz 2013)
ISBN-10: 3407859686
ISBN-13: 978-3407859686
EUR 19,95

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Buecher > Graphic Novels Beitrag vom 18.06.2013 Ilka Fleischer 





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