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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 17.03.2008

Kaffeeklatsch - Die Stunde der Frauen
Kristina Tencic

Was jedoch an Wissenswertem hinter diesem weiblichen Ritual verborgen liegt, erfahren Sie von der Autorin Katja Mutschelknaus AVIVA-Berlin verlost 3 B√ľcher



"Die Tatsache, dass uns bis heute nicht mehr als eine Handvoll nicht √ľberzeichneter Gem√§lde von h√§uslichen Damenkaffeekr√§nzchens bekannt sind, sagt nahezu alles dar√ľber aus, wie ernst man dieses Ritual des Damenkr√§nzchens zu nehmen gedachte: √ľberhaupt nicht" bemerkt die Gourmet-Journalistin und freie Autorin Katja Mutschelknaus.

Die erste umfassende Geschichte weiblicher Gesprächskultur

√úblicherweise verbindet man Kaffeest√ľndchen mit Klischees, bestehend aus einer Mischung von schrulligen alten Damen, geh√§ssigem Tratsch √ľber die NachbarInnen und bombigen Sahnetorten. Dazu mischt sich das Bild von Ralf Morgenstern und seinen prominenten Damen, wie sie in der Sendung "Kaffeeklatsch" bei Kaffee und Kuchen √ľber mehr oder minder wichtige Themen plauschen. Dass die Tradition der Damen-Kaffeekr√§nzchen weitaus mehr zu bieten hat, beweist Katja Mutschelknaus eindrucksvoll mit "Kaffeeklatsch. Die Stunde der Frauen". Sie liefert in dem liebevoll gestalteten und mit Gem√§lden, Zeichnungen und Fotografien reich bebilderten Sachbuch eine Kulturgeschichte des Rituals, das sich einer bereits dreihundertj√§hrigen ungebrochenen Beliebtheit erfreut und doch oft untersch√§tzt wurde.

F√ľr M√§nner hat dies etwas Geheimnisvolles und Unverst√§ndliches (wie im √úbrigen auch die Teilnehmerinnen selbst), was sie immer wieder zu Spekulationen √ľber Sinn und Zweck dieser Treffen getrieben hat. Dabei waren sie der eigentliche Ausl√∂ser des Kaffeeklatsches. Als das Feudalwesen mit der Industrialisierung im 18. Jahrhundert verschwand und sich ein st√§dtisches B√ľrgertum entwickelte, pflegten die Herren der Gesellschaft sich in Kaffeeh√§usern aufzuhalten, was den Frauen verwehrt blieb. Doch auch sie hatten das Bed√ľrfnis sich auszutauschen, im Sinne der Aufkl√§rung ihre individuelle Pers√∂nlichkeit zu entwickeln und Freundschaften zu kn√ľpfen. Somit entwickelten sie den Brauch des Kaffeeklatsches, der zwar die Konvention beachtete, also die Frau im Verborgenen des Privaten verharren lie√ü, aber ihnen dennoch gen√ľgend Raum zum freiheitlichen Austausch gab.

Somit wird das Klischee der l√§sternden Runde von der Autorin auch gleich widerlegt: "Der Kaffeeklatsch als Lebenshilfe? Man wird das idealtypisch verkl√§rte Bildungs-Kaffeekr√§nzchen, bei dem nicht auch ein bisschen getratscht w√ľrde, nicht als den Regelfall vermuten d√ľrfen. Doch der Spielraum zwischen harmlosem Klatsch und √ľbler Nachrede ist gro√ü. In den bildungsb√ľrgerlichen Kr√§nzchen galt Klatsch als verp√∂nt und Takt als eine der edelsten Tugenden."

Frauen, die regelm√§√üig an den geselligen Gespr√§chsrunden, die den Weg zur Salonkultur ebneten, teilnahmen, galten bei M√§nnern als weniger beliebte Ehefrauen, da sie eigenst√§ndig denkend und bereits ansatzweise emanzipiert waren. Die sch√∂ngeistigen Gespr√§che bei Hei√ügetr√§nken, Geb√§ck und etwas Lik√∂r im Kreise der intellektuellen Frauen ersetzte f√ľr sie gewisserma√üen die ihnen untersagte universit√§re Ausbildung und wurde, trotz des privaten Ambientes als Repr√§sentation der Familie nach au√üen ernstgenommen.

Bei so einer Repr√§sentation durfte nat√ľrlich das n√∂tige Equipment nicht fehlen: die Dame des Hauses lie√ü das beste Porzellan auftischen, die Wohnstube im Biedermeier-Stil modernisieren und Torten, Kaffee, Sahne und Zucker servieren. Auch diese Dinge werden in Mutschelknaus "Kaffeeklatsch" kulturgeschichtlich, aber niemals trocken oder langweilig, sondern ironisch unterhaltend und in einer hervorragenden Ausdrucksweise beschrieben.

AVIVA-Tipp: Da die Geschichte des Kaffeeklatsches untrennbar mit der beginnenden Emanzipation der Frau in der Aufkl√§rung verbunden ist, ist die Kulturgeschichte dieses Rituals zugleich die Umschreibung einer gesamten europ√§ischen Epoche. Katja Mutschelknaus¬ī Buch "Kaffeeklatsch. Die Stunde der Frauen" ist sowohl sachlich klug, als auch unterhaltend, wie der Kaffeeklatsch selbst und somit ein sch√∂nes Mitbringsel zu eben jenem - denn wer bekommt bei dieser Lekt√ľre nicht auch Lust, die Telefonnummern einiger Freundinnen herauszusuchen und zu einem geselligen Treffen bei Kaffee und Kuchen einzuladen?

Zur Autorin: Katja Mutschelknaus ist Gourmet-Journalistin und freie Autorin und lebt in M√ľnchen. Ihr Spezialgebiet ist die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. Sie studierte Volkskunde, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Germanistik und Kulturpsychologie in M√ľnchen und Los Angeles und konzipierte Ausstellungen zur Geschichte der Kulinarik f√ľr verschiedene Museen und Institutionen (u.a. "Kaffeeklatsch", W√ľrttembergisches Landesmuseum). Sie schreibt Beitr√§ge f√ľr Cotta¬īs Kulinarischen Almanach und Restaurantkritiken. (Quelle: Verlagsinformation)


AVIVA-Berlin verlost 3x "Kaffeeklatsch - Die Stunde der Frauen aus dem Elisabeth Sandmann Verlag". Bitte beantworten Sie folgende Frage: In welchem Jahrhundert erlebten die Kaffeekränzchen ihre Geburtsstunde? Senden Sie zum 16.04.2008 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiel@aviva-berlin.de


Kaffeeklatsch. Die Stunde der Frauen
Katja Mutschelknaus

Elisabeth Sandmann Verlag, erschienen im März 2008
Gebunden mit Schutzumschlag, 144 Seiten, ca. 150 Abbildungen
ISBN 978-3-938045-28-2
19,95 Euro

Gewinnspiele Beitrag vom 17.03.2008 Kristina Tencic 





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