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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.11.2008

Im Winter ein Jahr auf DVD - Verlosung
Henriette Jankow

Caroline Link erzĂ€hlt eine Geschichte ĂŒber den Verlust eines geliebten Menschen und die Kraft der Kunst. AVIVA-Berlin verlost zum DVD Start am 28.5.2009 Filmpakete



Der unverarbeitete Tod von Alexander ist fĂŒr seine Familie wie ohrenbetĂ€ubender LĂ€rm, der sich nicht abschalten lĂ€sst. Es wird Winter und nun ist es ein Jahr her, dass Alexander von ihnen gegangen ist. Seine Familie, gut situiert und erfolgreich, hat lange Zeit keinen Weg gefunden, mit dem Verlust umzugehen.

Eines Tages sucht Alexanders Mutter Eliane (Corinna Harfouch) den zurĂŒckgezogen lebenden Maler Max Hollander (Josef Bierbichler) mit der Bitte auf, ein PortrĂ€t ihrer beiden Kinder anzufertigen. Sie will ihren Sohn festhalten, strĂ€ubt sich gegen die Wahrheit seines Todes und ist - um ihrer selbst willen - Ă€ußerst bemĂŒht, die Fassade einer intakten Familie aufrecht zu erhalten. Alexanders Schwester, die Gesangs- und Tanzstudentin Lilli (Karoline Herfurth) ist neben den Fotos und Videoaufnahmen der einzige Zugang, den Max zum Verstorbenen hat. Lilli, die seit lĂ€ngerem von ihren Eltern nicht mehr wahrgenommen wird und vor allem ihrer Mutter sehr kritisch gegenĂŒbersteht, strĂ€ubt sich gegen das Projekt. Ihr Bruder ist tot und soll nicht "zur Deko" an der Wand hĂ€ngen.

Dem Maler gegenĂŒber erscheint sie zunĂ€chst als die Freche, UnberĂŒhrbare. Doch der 40 Jahre Ă€ltere Max kommt ihrer Welt zunehmend nĂ€her. Er will sie und ihre Familie verstehen lernen. Dabei werden einige Parallelen zwischen Lilli und Max sichtbar: Sie sind beide durch Verlust und Schmerz zu Inseln geworden und haben sich von der Außenwelt abgekapselt. Max hat seit seiner Scheidung ein gestörtes VerhĂ€ltnis zu seinem Sohn. Lilli, die verzweifelt auf der Suche nach vorbehaltloser Liebe und so gar nicht unverletzlich ist, sabotiert die Beziehung zu ihrem Freund durch ihre AnhĂ€nglichkeit.

Im Verlauf des Films entsteht zwischen den zwei ungleichen und doch Àhnlichen Menschen eine tiefe Verbindung, aus der beide stÀrker hervorgehen. Die VerÀnderung in Lillis Person wirkt sich auch auf den Rest ihrer Familie aus: Eliane beginnt die Wahrheit anzuerkennen und versucht mit ihrem Mann, ihre Ehe neu zu beleben.

Über dem Film als Ganzes steht die Kunst als heilende Kraft. Sowohl Max als auch Lilli finden in der Malerei bzw. im Tanz ein Ventil, ihrem Schmerz Ausdruck zu verleihen. Dabei gewĂ€hrt die großartige Kameraarbeit von Bella Halben ("Candy", "Das Herz ist ein dunkler Wald") jedem einzelnen Charakter den grĂ¶ĂŸtmöglichen Raum, sich zu entfalten. Die vertrĂ€umten, zum Teil detailverliebten Bilder der Erinnerung an Alexander verleihen der Tragik der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und WĂ€rme, ohne dabei in Kitsch zu verfallen. Die einfĂŒhlsame Musik von Niki Reiser ("Alles auf Zucker", "Jenseits der Stille") geht mit den gekonnt fotografierten Bildern eine wunderbare kĂŒnstlerische Symbiose ein, die ihren Höhepunkt in einer der letzten Szenen erreicht, in welcher Lilli in einem Tanzausbruch zu Peter Gabriels "Signal to Noise" all ihren angestauten Emotionen freien Lauf lĂ€sst und in der Eliane der Wahrheit ins Gesicht sieht.

Hervorzuheben ist allem voran die schauspielerische Leistung der jungen Nachwuchsschauspielerin Karoline Herfurth. Bereits in "Eine andere Liga" stellte sie ihre FĂ€higkeit zur Charakterdarstellerin unter Beweis. Ihre nuancenreiche Darbietung der ebenso harten wie zerbrechlichen Lilli dĂŒrfte sie nun endgĂŒltig an die Spitze der deutschen Schauspielliga katapultiert haben. Ein gutes HĂ€ndchen hat die Regisseurin Caroline Link auch mit der Besetzung des misanthropischen, aber liebenswĂŒrdigen Max Hollander bewiesen. In ihrer Adaptation von Scott Campbells "Aftermath", der Grundlage dieses Films, hat sie Josef Bierbichler die Figur des Malers auf den Leib geschrieben.

Der sonst so impulsive Bierbichler stellt den Eigenbrötler hervorragend dar. FĂŒr die Rolle der Eltern erweisen sich Corinna Harfouch und Hanns Zischler als ebenso grandios, auch wenn sie leider nicht so viele Chancen erhalten, ihr spielerisches Können unter Beweis zu stellen.
In Bezug auf die Beziehung der Figuren Lilli und Max lieferte Sofia Coppolas "Lost in Translation" (2003) ein Vorbild, wÀhrend die Familiengeschichte an Robert Redfords "Ordinary People" (1980) erinnert.

Zur Regisseurin: Caroline Link studierte an der Hochschule fĂŒr Film und Fernsehen in MĂŒnchen und feierte 1995 mit "Jenseits der Stille", einer einfĂŒhlsamen Geschichte eines gehörlosen Elternpaares und ihrer musikalisch hochbegabten Tochter, ihr Kino-DebĂŒt. Der Film wurde als bester auslĂ€ndischer Film fĂŒr den Oscar nominiert. Diesen erhielt Link jedoch erst im Jahre 2001 fĂŒr ihren dritten Spielfilm "Nirgendwo in Afrika", der ihr den internationalen Durchbruch verschaffte. Was folgte, waren zahlreiche Angebote von AgentInnen und Produktionsfirmen aus den USA. So sollte auch "Im Winter ein Jahr" eine US-amerikanische Produktion werden. Die Besetzungsfrage gestaltete sich jedoch als so schwierig, dass Link den Film fĂŒr das deutsche Kino adaptierte.

AVIVA-Tipp: Thematisch blieb sich die Regisseurin auch bei ihrem vierten Spielfilm treu. Der Film erzĂ€hlt eine Familiengeschichte und steht damit in der Tradition ihres ersten Kinofilms "Jenseits der Stille". Es ist ein einfĂŒhlsamer Film ĂŒber den Verlust eines geliebten Menschen, ĂŒber den unertrĂ€glichen Schmerz und die Angst, die mit dem Verlust einhergehen. Aber er erzĂ€hlt auch von der Notwendigkeit, gegen den lĂ€hmenden Schmerz anzukĂ€mpfen und das eigene Leben zu leben. Gleichzeitig ist Caroline Link mit diesem großartig fotografierten Film eine wunderbar leichte und dennoch starke Hommage an die befreiende Kraft der Kunst gelungen. Der Schmerz der hervorragend besetzten Charaktere bĂŒndelt sich zu einer Energie, mit der durch Tanz und Bilder etwas Neues geschaffen wird.

AVIVA-Berlin verlost 1 Yogamatte von YOGISAN, 1 DVD Box WOYO, 2 DVDs und 2 x den Soundtrack von Im Winter ein Jahr.. Bitte nennen Sie uns den Titel des ersten Spielfilms der Regisseurin Caroline Link und senden Sie bis zum 30.06.2009 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiele@aviva-berlin.de


Im Winter ein Jahr
D 2008, 128 Min.
Regie und Buch: Caroline Link
DarstellerInnen: Karoline Herfurth, Josef Bierbichler, Corinna Harfouch, Hanns Zischler, Misel Maticevic, Cyril Sjöström, Jacob Matschenz
Verleih: Constantin Film. DVD-Start: 28.05.2009 (Verleih: 14.05.2009)
Freigegeben ab 12 Jahren
Bonusmaterial: Kapitel- / Szenenanwahl, Making Of, Animiertes DVD-MenĂŒ, DVD-MenĂŒ mit Soundeffekten, Audiokommentare, Deleted Scenes mit Kommentar von Caroline Link, Karoline Herfurth "Alice im Wunderland" Tanzsession (ca. 3,5 Min.), Fotoshow am Set, Bayerischer Filmpreis, Diva-Award 2009, DarstellerInnen-Infos
ca. 16,95 Euro
www.imwintereinjahr.film.de



Gewinnspiele Beitrag vom 12.11.2008 AVIVA-Redaktion 





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