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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 11.01.2013

Lily Brett - Lola Bensky. Verlosung
Kathrin Schrader

Die 19 j√§hrige Rockjournalistin Lola Bensky trifft in der schrillen Welt des Pop der Sechzigerjahre in London, New York und... AVIVA verlost 3 B√ľcher und 5 H√∂rb√ľcher



... Kalifornien die ganz großen Stars. Aber Lola trägt keine Mini-Röckchen.
Lola schleppt an ihrem √úbergewicht und der Last ihrer Familiengeschichte.


Sie besucht Mick Jagger in seiner aufger√§umten Londoner Wohnung. Barry Gibb von The Bee Gees begleitet sie beim Anzug kaufen in der Carnabystreet. Cher leiht sie ihre diamantenbesetzten, falschen Wimpern. Sie hat einen Traumjob, doch das Einzige, was Lola Bensky interessiert, ist ihre tragbare Olivetti-Schreibmaschine, ihr Aufnahmeger√§t und dass sie die beste Story bekommt. Manchmal schweifen ihre Gedanken ab, w√§hrend das Aufnahmeger√§t l√§uft. Die Netzstr√ľmpfe kneifen oder ihre Haare, die sie morgens glatt gepl√§ttet hat, beginnen sich zu kr√§useln, weil sie schwitzt. Der Saum ihres hochgeschlossenen Kleids rutscht hoch und gibt ihre Knie frei, Knie, in deren Umfang das superd√ľnne Modell Twiggy zweimal reinpassen w√ľrde, sch√§tzt Lola.

Oft erinnert sie sich an ihre Kindheit in Melbourne, an ihre Eltern. Jimi Hendrix erz√§hlt sie, dass sie kurz nach dem 2. Weltkrieg in einem Lager f√ľr Displaced Persons in Deutschland geboren wurde, als Kind von Auschwitz-√úberlebenden. Jimi Hendrix fragt Lola, ob sie j√ľdisch sei. "Ja, sehr", antwortet Lola. Das J√ľdischsein und ihre Herkunft, das Schicksal ihrer Eltern, diese Themen halten den Kopf der jungen australischen Reporterin besetzt. Musik interessiert sie eigentlich weniger. Sie fragt ihre InterviewpartnerInnen nach dem Verh√§ltnis zu Mutter und Vater, nach der Familie, der Kindheit. Mit Jimi Hendrix spricht sie √ľber Gott und Lockenwickler, mit Mick Jagger √ľber gleiche L√∂hne f√ľr Frauen und M√§nner und den Holocaust, mit Jim Morrison √ľber das Schnarchen, Gedichte und Satan. Janis Joplin erz√§hlt ihr freim√ľtig von ihren sexuellen Gewohnheiten.

W√§hrend Lola Bensky gr√ľbelt, wann sie mit der Eier-Gurken ‚Äď oder der Marsriegel-Di√§t beginnen soll, und ob sie diesmal durchh√§lt, entdeckt sie die Stars ohne Posen. Sie beschreibt einen h√∂flichen, z√∂gerlichen, bed√§chtigen Jimi Hendrix, den "ein Gef√ľhl der Demut" umgab, einen Mick Jagger, der trotz seiner M√ľdigkeit extrem korrekt auftritt und eher an den Studenten der London School of Economics, der er einmal war, erinnert, als an den zappelnden, provokanten Frontmann der Rolling Stones. Lola versucht, der Einsamkeit, die Cat Stevens ausstrahlt, auf die Spur zu kommen und sie fragt nach den √Ąngsten von Cher. In allen Interviews ist die Neunzehnj√§hrige auch auf der Suche nach sich selbst.

Lola Bensky, die eine Schule f√ľr Hochbegabte besucht hat, aber den Abschluss nicht schaffte, weil sie am Pr√ľfungstag ins Kino gegangen ist, erz√§hlt von sich, dass sie nicht in der Lage ist, am Sonntag entspannt im Schlafanzug zu bleiben wie andere in ihrem Alter. Sie muss immer vollst√§ndig bekleidet sein. Bereit. Bereit wof√ľr? Lola wei√ü es nicht. Sie heiratet schlie√ülich und bekommt Kinder, l√§sst sich wieder scheiden, verl√§sst ihre Heimatstadt Melbourne und geht nach New York. Sie macht eine Psychoanalyse und findet heraus, warum sie am Sonntag nicht entspannt im Schlafanzug durch das Haus laufen kann, woher ihre Schlafst√∂rungen und Panikattacken kommen und warum sie als Kind so gro√üen Hunger hatte. Sie findet die Liebe ihres Lebens, wird schlank und eine erfolgreiche Autorin.

AVIVA-Tipp: "Lola Bensky" ist eines der besten B√ľcher von Lily Brett. Mit dem der Autorin typischen feinen, melancholischen Witz, der genau die richtige Distanz zu ihrer Heldin schafft, beschreibt Lily Brett, die selbst als Musikreporterin f√ľr ein australisches Musikmagazin arbeitete und nicht nur die Initialen mit Lola Bensky gemeinsam hat, das "√ľbergewichtige" Kind des Holocaust in der Atmosph√§re der unbeschwerten Sechziger Jahre. Lily Brett kreiert auch in diesem Roman wunderbare, starke, skurrile Charaktere. √úberdies erz√§hlt sie eine Geschichte aus einer Zeit, als JournalistInnen Stars noch nahe kommen durften.

Zur Autorin: Lily Brett wurde 1946 in Deutschland geboren. Ihre Eltern hatten sich im Ghetto von Lodz kennengelernt und getrennt voneinander das Vernichtungslager Auschwitz √ľberlebt. Die Familie ging nach Australien, wo Lily Brett aufwuchs und mit 18 Jahren begann, als Reporterin f√ľr ein australisches Musikmagazin zu arbeiten. Seit 1989 lebt sie, verheiratet mit dem Maler David Rankin und ihren drei Kindern, in New York. In zahlreichen Romanen, Gedichten und Essays hat Lily Brett die Erfahrungen ihrer Eltern im Holocaust und das Weiterleben danach, insbesondere die Auswirkungen auf sie, das Kind der √úberlebenden, bearbeitet.
Auf ihrer Website ist ein Foto von Lily Brett zu sehen, wie sie, zwanzigjährig, Cliff Richard interviewt. Sie ist Cliff Richard sehr nahe. Ihre Haare sind geplättet. Von dem angeblichen Übergewicht ist nichts zu sehen.
Weitere Infos unter: www.lilybrett.com


Lily Brett
Lola Bensky

Aus dem Englischen von Brigitte Heinrich
Suhrkamp Verlag, erschienen 9. September 2012
ISBN: 978-3-518-42330-1
Hardcover, 302 Seiten
Preis 19,95 Euro
www.suhrkamp.de


Lily Brett
Lola Bensky

H√∂rbuch, Gek√ľrzte Lesung
Gelesen von Magdalene Artelt
4 Audio-CDs, Laufzeit: ca. 280 Minuten
ISBN: 978-3-8371-1702-8
Euro 19,99
Random House Audio Verlag, erschienen 29. Oktober 2012
www.randomhouse.de



AVIVA-Berlin verlost 3 B√ľcher und 5 H√∂rb√ľcher . Bitte senden Sie uns den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu "Chuzpe", einem Roman von Lily Brett bis zum 15.03.2013 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview with Lily Brett (english, 2006)

"Chuzpe", ein Roman von Lily Brett

"Alles halb so schlimm", ein Roman von Lily Brett


Gewinnspiele Beitrag vom 11.01.2013 AVIVA-Redaktion 





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