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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 30.04.2014

Hélène de Beauvoir - Souvenirs. Ich habe immer getan, was ich wollte. Verlosung
Bärbel Gerdes

er Kampf um ihre Freiheit als Frau und K√ľnstlerin war Lebensthema der Malerin. Mutiger und engagierter als ihre Schwester, die... AVIVA verlost 1 Buch



... Schriftstellerin Simone, engagierte sie sich in der französischen ...

H√ČL√ąNE de Beauvoir? Nie geh√∂rt!

Immer noch steht die um zwei Jahre j√ľngere, 1910 geborene H√©l√®ne de Beauvoir im Schatten ihrer Schwester. Dabei war sie eine durchaus angesehene und renommierte Malerin, die in ihrem Kampf um Freiheit oft rigoroser und konsequenter vorging als diese.
Die von der Kunstwissenschaftlerin Karin Sagner herausgegebene und von Elsbeth Ranke aus dem Franz√∂sischen √ľbersetzte Autobiographie beschreibt den Lebensweg de Beauvoirs bis zum Tode ihrer Schwester Simone im Jahr 1986.
Ihre Geburt wurde seitens der Eltern als Entt√§uschung erlebt, da "diese gro√üb√ľrgerliche Familie ... als zweites Kind einen Jungen [erwartete], ja, sie verlangte ihn, und ich musste daf√ľr b√ľ√üen." Und da es bereits eine h√ľbsche und intelligente Tochter gab, interessierten die Eltern sich nicht weiter f√ľr sie.

Ihre Rettung war Simone. Die untrennbaren Schwestern best√§rkten sich im Kampf um ein bisschen Freiheit in der Familie und inspirierten sich gegenseitig. Auf Seiten H√©l√®nes ist diese Zugewandtheit unverbr√ľchlich und loyal bis zum Schluss.
Die Entdeckung ihrer Begabung f√ľrs Zeichnen und Malen ist f√ľr H√©l√®ne eine gro√üe Befreiung ‚Äď auch von ihrer Schwester. Schon in Kinderjahren schreibt Simone, kann aber nicht zeichnen ‚Äď endlich etwas, in dem sich die beiden unterscheiden. "... mir gestand man ein gewisses Talent zu. Etwas, was ich besser konnte als sie!"
In ihrer Autobiographie denkt H√©l√®ne dar√ľber nach, ob sie sich ohne diese Schwester f√ľr das Schreiben entschieden h√§tte. F√ľr sie ist es wichtig, sich abzuheben, denn "bis auf Simone sprach mein Umfeld mir ja eine eigene Pers√∂nlichkeit ab, und ich war drauf und dran es zu glauben."

So bestand der weitere Kampf nun darin, eine Kunstschule besuchen zu d√ľrfen. Einhergehend mit ihrer Ausbildung, die sie mit den Worten "Zeichnen bis zur Trunkenheit" beschreibt, geht es ihr immer mehr darum, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Aufzeichnungen H√©l√®ne de Beauvoirs sind ein Schrei nach Freiheit. Gemeinsam mit ihrer Schwester erlebt sie einen "Rausch der Unabh√§n-gigkeit", entwickelt sie die "reinste Unabh√§ngigkeitswut". H√©l√®ne tritt einem Ruderverein bei, spielt Volleyball, f√§hrt Ski und Schlittschuhe. Klar ist f√ľr sie, dass sie niemals heiraten wird.

Simone de Beauvoirs Bekanntschaft mit Sartre f√ľhrt beide in die intellektuellen Kreise Paris' ein. Doch trotz des gemeinsamen Weges unterscheidet sich die Entwicklung beider Schwestern grundlegend. H√©l√®ne de Beauvoir wird von keinem Mann protegiert, Frauen in der Malerei wird ein "sch√∂pferisches Wesen" abgesprochen, das Malen erfordert Geld f√ľr Material und Atelier.
H√©l√®ne schreibt die Manuskripte ihrer Schwester ab; im Gegenzug unterst√ľtzt Simone sie finanziell.

Die Malerin k√§mpft sich durch und wird k√ľhner im Ausdruck ihrer Bilder und Materialien. F√ľr den Zwang, so gut wie ein Mann sein zu m√ľssen, zahlt sie einen hohen Preis. Sie selbst √§u√üert sich dazu: "Das war ein Grund daf√ľr, dass ich lange verschult gearbeitet habe. Ich wollte lernen und verbat mir jede Verwegenheit, obgleich Malen Wagnis und Mut einfordert."
In dem kenntnisreichen Vorwort der Herausgeberin heißt es: "Viel zu lange behielt sie das kunsthistorische Absichern durch Festhalten an akademischen Traditionen bei."
Trotz dieser Hindernisse entwickelt sie sich als K√ľnstlerin zunehmend weiter. Lernte sie zun√§chst das Zeichnen nach Filmen, ein perfektes Training, um Gesehenes schnell zu skizzieren, wandte sie sich daraufhin der Druckgraphik zu. Sp√§ter stellte sie Aquarelle und √Ėlgem√§lde her. "Als ich zur √Ėlmalerei kam, war ich angekommen. Die √Ėlmalerei ist meine Droge [‚Ķ] ich mag ihre Geschmeidigkeit, die flie√üende Technik ...". Es folgen erste Ausstellungen in Paris.

Erstaunlich ist ihre Entwicklung in der Ehe mit dem Diplomaten Lionel de Roulet, den sie 1942 heiratet. Ohne es infrage zu stellen, zieht sie mit ihm von Land zu Land, was ihrer Karriere nicht eben förderlich ist. "Paris, das Zentrum der Kunst, aufzugeben, belastete mich."
Sie lebt in Portugal, im Wien der Nachkriegszeit, zieht nach Marokko, verliebt sich in Italien und lebt schließlich mit ihrem Mann im Elsass.

Diese Reisen und Aufenthalte f√ľhrten sie in ihrer Kunst weiter. Thematisch wurden ihre Arbeiten zunehmend gesellschaftskritischer und poli-tischer. In Portugal nahm sie den extremen Gegensatz zwischen der armen Bev√∂lkerung und den "Damen vom ersten Stand" wahr und portr√§tierte die harte Feldarbeit portugiesischer Frauen. Fr√ľher als ihre Schwester Simone hatte die Malerin ein Verst√§ndnis f√ľr Geschlechterrollen. In Wien wird ihr die Arbeit √ľbertragen, f√ľr die franz√∂sische Bibliothek eine Wandmalerei mit vier Fresken herzustellen.

Ihren Aufenthalt in Marokko erlebt sie als Wendepunkt. Sie war entsetzt √ľber ihre Landsleute. "Sie zeigten mir alles H√§ssliche, was der Kolonialismus mit sich brachte." Gleichzeitig war sie von der Sch√∂nheit des Landes, seiner Landschaften und G√§rten fasziniert. Das Malerische dieser Landschaft barg in sich die Gefahr "dem Kitsch [zu] verfallen", so dass sie beschloss, ihre Maltechnik zu √§ndern. Sie begann fl√§chiger zu arbeiten und benutzte reine Farben. Diese Gem√§lde, die sie 1951 in Paris ausstellte, fanden ein gro√ües positives Echo.

Die ständigen Wohnsitzwechsel bedeuteten jedoch auch, dass sie in der Pariser Kunstszene wenig vernetzt war und keinen Mentor hatte, der ihre Arbeiten förderte. Dadurch und durch das Fehlen von Menschen, die ihren Nachlass nach ihrem Tod verwalteten, geriet ihr Werk schnell in Vergessenheit.

Dabei ist es ein erstaunliches: 1968 erregte sie mit einer dreißig Gemälde umfassenden Serie Aufsehen, die die StudentInnenrevolte und das harte Eingreifen der Polizei darstellt und die sie Wonnemonat Mai nennt. Ihre Teilnahme an Frauendemonstrationen gegen Abtreibung und gegen männliche Gewalt schlagen sich auch in ihren Bildern nieder. Werke mit den Titeln "Blick einer Frau auf die Welt der Männer" oder "Die Frauen leiden, die Männer richten" weisen auf dieses Engagement hin.

Zeitlebens bricht die Beziehung zu ihrer Schwester nicht ab, auch wenn sie sich weniger eng entwickelt. H√©l√®ne de Beauvoir zeigte sich auch noch nach der Ver√∂ffentlichung der Tageb√ľcher Simones loyal, in denen sie lesen musste, dass diese ihr jegliches Talent absprach.

Der wunderbar gestaltete Band basiert auf Interviews, die der Autor und Herausgeber Marcelle Routier 1987 mit der Malerin f√ľhrte. Erg√§nzt wird er durch zahlreiche Fotos, Bilder und Anmerkungen von ZeitzeugInnen √ľber H√©l√®ne de Beauvoir und ihr Werk.

AVIVA-Tipp: In ihrer mit Verve geschriebenen Lebensgeschichte gelingt H√©l√®ne de Beauvoir das anschauliche Bild einer freiheitsliebenden K√ľnstlerin und eine bewegende Darstellung zweier Schwestern, die f√ľr den Kampf um die Selbstbestimmung von Frauen brannten.

Zur Autorin: H√©l√®ne de Beauvoir, 1910 in Paris geboren, besuchte nach dem Abitur Kunstschulen und Akademien. 1936 erstes Atelier. 1936 erste Ausstellung in Paris. Danach weitere zahlreiche Ausstellungen in Portugal, Italien, Deutschland, Japan ‚Ķ Mitbegr√ľnderin des Stra√üburger Frauenhauses. 2001 stirbt sie im Alter von 91 Jahren in Goxwiller, Elsass.

Zur Herausgeberin: Dr. Karin Sagner, geboren 1955, studierte Kunstgeschichte und Germanistik und promovierte √ľber Claude Monet. Sie ist freie Autorin und Kuratorin und ber√§t als international anerkannte Kunstexpertin Museen und Kunsth√§user. Zudem ist sie Autorin mehrerer B√ľcher √ľber franz√∂sische und deutsche Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, konzipiert Ausstellungen und h√§lt Vortr√§ge.

Zur √úbersetzerin: Elsbeth Ranke √ľbersetzt aus dem Franz√∂sischen. 2004 erhielt sie den Andre-Gide-Preis, der seit 1997 junge √úbersetzerInnen im deutsch-franz√∂sischen Literaturtransfer f√∂rdert. Sie lebt in Gouvieux bei Paris.

Hélène de Beauvoir
Souvenirs. Ich habe immer getan, was ich wollte. Die begabte Generation: Jean-Paul Sartre, Albert Camus, Simone de Beauvoir, Pablo Picasso

Originaltitel: Souvenirs
Hrsg. von Karin Sagner. √úbersetzung von Elsbeth Ranke
Elisabeth Sandmann Verlag, erschienen 2014
287 S.
ISBN 978-3-938045-89-3
24,95 Euro


AVIVA-Berlin verlost 1 Buch. Bitte beantworten Sie uns folgende Frage: Wann war der 25. Todestag am 14. April 2011 von Simone de Beauvoir mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 30.06.2014 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


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Simone de Beauvoir - 25. Todestag am 14. April 2011

Simone de Beauvoir zum 100. Geburtstag (2007)


Gewinnspiele Beitrag vom 30.04.2014 B√§rbel Gerdes 





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