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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.06.2014

Chimamanda Ngozi Adichie - Americanah. Verlosung
B├Ąrbel Gerdes

Adichies gro├čer Roman aus der Sicht der Bloggerin Ifemulu beschreibt klug und gewitzt das Leben einer Nigerianerin in den USA, ihrer gro├čen...AVIVA verlost 3 B├╝cher



... Liebe und das "Dazwischen" der "Americanah".


"Ich habe mich selbst nicht als Schwarze gesehen, ich wurde erst schwarz, als ich nach Amerika kam." Diesen Satz sagt die Nigerianerin Ifemulo bei einem Abendessen in Manhattan, einen Tag nachdem Barak Obama zum Pr├Ąsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei gew├Ąhlt wurde. Sie sagt ihn zu einer haitanischen Dichterin, die behauptet, sie habe drei Jahre mit einem wei├čen Mann zusammengelebt und Rasse sei f├╝r sie beide nie ein Thema gewesen. "Der einzige Grund, warum du behauptest, dass Rasse kein Thema war, ist, weil du es dir so w├╝nschst. Wir w├╝nschen es alle. Aber es ist gelogen."

Chimanda Ngozi Adichie, die f├╝r einen fr├╝heren Roman f├╝r den Booker Prize nominiert wurde und auf der renommierten Liste des New Yorkers unter den "besten 20 unter 40" SchriftstellerInnen steht, hat einen modernen, einen hoch politischen Roman geschrieben, der gleichzeitig die Geschichte einer lebenslangen Liebe ist.

Ifemulu, aufgewachsen in Nigeria, schon fr├╝h verliebt in Obinze, beschlie├čt, das Land, das ihr keine guten Bildungsbedingungen bietet, zu verlassen, um in den USA zu studieren. Konfrontiert wird sie hier mit allt├Ąglichem Rassismus, der ihr ihre Hautfarbe erst bewusst macht, und dem Gutmenschentum politisch Korrekter, der sie in bestimmte Ecken dr├Ąngen will.

Wie f├╝hlt es sich an, wenn dem Gegen├╝ber bei der Nennung des Heimatlandes nur Armut, Entwicklungshilfe, hungernde Kinder einfallen? Wenn Nigeria gleichgesetzt wird mit "Afrika", wo alle L├Ąnder gleich zu sein scheinen? Wenn frau/man mit einer amerikanischen Aussprache und glattem Haar eher anerkannt wird, nicht aber mit krausen Locken und einem starken Akzent? Wenn es an jeder Ecke Friseurgesch├Ąfte zum "Entkrausen" gibt, aber kaum eines f├╝r African Hair Braiding?

Es ist nicht nur der Blick der Wei├čen auf die Schwarzen ÔÇô Adichie betrachtet dezidiert die Unterschiede zwischen den schwarzen Menschen, die in Amerika aufwuchsen, sich ihrer Hautfarbe sehr bewusst sind und sich anzupassen suchen, weil sie die Vorteile einer wei├čen Hautfarbe kennen, und den eingereisten AfrikanerInnen.

Ihre Erfahrungen beschreibt Ifemulu, die sich nach und nach in der US-amerikanischen Welt zurechtfindet, in ihrem Blog "Raceteenth - oder Ein paar Beobachtungen ├╝ber schwarze Amerikaner (fr├╝her als Neger bekannt) von einer nicht-amerikanischen Schwarzen". Dieser Blog macht sie bekannt. Nach f├╝nfzehn Jahren ist Ifemulu angekommen in Amerika: sie hat Geld, Ansehen, einen Geliebten.

Obinze indes verl├Ą├čt Nigeria Richtung Gro├čbritannien. Er kann dort nicht Fu├č fassen, er erh├Ąlt nicht die n├Âtigen Papiere und lebt als Illegaler in der st├Ąndigen Angst, entdeckt und des Landes verwiesen zu werden. Beeindruckend sind die Passagen, in denen deutlich wird, auf wie viele Lebensbereiche die Illegalit├Ąt, das Leben unter falschem Namen einwirkt: einfach ein zuf├Ąlliges Gespr├Ąch mit einer Frau in einem Caf├ę im Buchladen f├╝hren? Von sich erz├Ąhlen? Eine Zukunft aufbauen?
Obinze muss jeden Job annehmen, den er kriegen kann, und versuchen, sich dabei nicht selbst zu verlieren.

Nach Jahren treffen sich Ifemulu und Obinze in Nigeria wieder. Sie gilt jetzt als eine Americanah, eine, die es in den Vereinigten Staaten zu etwas gebracht hat und jederzeit zur├╝ckkehren kann, Obinze ist verheiratet und durch gute Kontakte und dem Wissen, wie man "das Spiel spielt", reich geworden.

Adichies Roman ist ├╝berw├Ąltigend in seiner F├╝lle ÔÇô und das ist Vor- und Nachteil des Werkes. Sie beleuchtet vielf├Ąltige Facetten des Rassismus, sie f├╝hrt viele Personen ein, um von ihnen weitere Impulse zu erhalten, die Ifemulu zu einer brillanten Replik anregen, sie zitiert ausgiebig aus Ifemulus Blog, um mit spitzer Feder die Thematik aufzugreifen. Das wirkt mit der Zeit jedoch erm├╝dend. Und dennoch ist Americanah ein gro├čer panoramahafter Roman, der sehr zum Nachdenken anregt und die wei├če Leserin manches Mal erschrocken mit der Feststellung innehalten l├Ą├čt: "oh je, so denke ich ja auch."

AVIVA-Tipp: Chimamanda Ngozi Adichie ist mit Americanah ein gro├čer Wurf gelungen, ein lebendiger, sprachlich sch├Âner und nachdenkens-werter Roman.

Zur Autorin: Chimamanda Ngozi Adichie, 1977 in Nigeria geboren, begann zun├Ąchst ein Medizin- und Pharmaziestudium. 19-j├Ąhrig reiste sie in die USA aus und beendete ihr Studium der Kommunikations- und Politikwissenschaften. 2008 machte sie ihren Masterabschluss in Afrikanistik. Ihr Roman Blauer Hibiskus wurde f├╝r den Booker Prize nominiert, Die H├Ąlfte der Sonne erhielt 2007 den Orange Prize for Fiction. Ihre Werke wurden in 37 Sprachen ├╝bersetzt. Adichie lebt in Lagos und in den USA.
Mehr Infos unter: www.l3.ulg.ac.be/adichie

Zur ├ťbersetzerin: Anette Grube. Geboren 1954, studierte in M├╝nchen Kommunikationswissenschaften, Politik und Amerikanistik. Sie ist die ├ťbersetzerin von Arundhati Roy, Vikram Seth, Kate Atkinson, Richard Yates und anderen. Anette Grube lebt in Berlin.


AVIVA-Berlin verlost 3 B├╝cher. Bitte senden Sie uns den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Zadie Smith - London NW mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 30.08.2014 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Chimamanda Ngozi Adichie
Americanah

Aus dem Englischen von Anette Grube
Originaltitel: Americanah
S. Fischer Verlag, erschienen 2014
604 Seiten
ISBN 978-3-10-000626-4
24,99 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Zadie Smith - London NW



Gewinnspiele Beitrag vom 25.06.2014 B├Ąrbel Gerdes 





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