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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.09.2014

Jen Davis - Eleven Years. Verlosung
Dorothee Kröger

In ihrer Fotoserie inszeniert die US-Amerikanerin anhand von Selbst- und Fremdwahrnehmung die Intimität ihres Alltags, in dem sie... AVIVA verlost 1 Buch



... den eigenen Körper fotografisch auf das Verhältnis von Identität und Körperbild erkundet.

Ein Konsens mag wohl dar√ľber herrschen, dass Projekte, wie die elfj√§hrige Selbstdokumentation der US-Amerikanerin Jen Davis, notwendig sind, um an allgemein bekannten und vermeintlich durchschauten Sch√∂nheitsidealen zu r√ľtteln. "Eleven Years" weist jedoch keine belehrende Rhetorik einer toughen Frau in ihren 20ern auf, der das Bewusstsein konstruierter K√∂rperbilder ausreicht, um dar√ľber zu stehen. Es ist die Darstellung einer nicht √ľberwundenen Unsicherheit mit dem eigenen K√∂rper, der nicht dem Ideal einer normiert-schlanken Frau entspricht. Im Medium der Fotografie reflektiert die junge Davis anhand von Selbst- und Fremdwahrnehmung unterschiedliche Formen des eigenen Erscheinungsbildes

"I thought of the photographs as a hyper mirror, showing an estranged replica of me that I occasionally didn¬īt even recognize." (Jen Davis)

Von 2002 bis 2013, "Eleven Years", nahm Davis sich mittels Selbstausl√∂ser in ihrer Wohnung, aber auch an √∂ffentlichen Orten auf. Die entstandenen Fotos waren zun√§chst nicht f√ľr die √Ėffentlichkeit bestimmt. F√ľr sie war es eine Art der Selbsterkundung, bei der sie gleichzeitig als Voyeuristin und Narzisstin, hinter und vor der Kamera, agierte. Dabei setzte sie Fragen in Bezug auf K√∂rperbild und Identit√§t in inszenierte Motive um: Was ist Liebes? Bin ich liebenswert? Kann jemand mich attraktiv finden?
Ihre eigene Kamera fungierte als ein Liebhaber, der, vieles offenlegte, das sie ohne "seinen" Blick, einen Blick von außen, nicht erfahren hätte.
Intime Szenen unter der Dusche, im Bett oder im z√§rtlichen Umgang mit einem Mann schreiben eine BetrachterInnenrolle vor, die Voyeurismus und den offenen Umgang mit Intimit√§t vereint. Die Wirksamkeit der Motive geht √ľber eine Verschiebung der Perspektive hinaus, die Davis¬ī Selbstinszenierung als Bruch mit glatten Modelfotografien sieht. Die Fotografien sind nicht frei von Scham, sondern integrieren ihn in die Intimit√§t der Aufnahmen. Wer die K√ľnstlerin demnach auf ihren Fotos in einer ausgelieferten Position begreift, √ľbersieht, dass die Motive selbst inszeniert und dadurch bewusst gew√§hlt sind. Durch diese Art von Rollenwechsel, der die Macht des BetrachterInnenblicks entkr√§ftigt und zu hinterfragen beginnt, findet der nennenswerte Perspektivenwechsel statt, der diesen Fotografie-Band auszeichnet.

"I had to put myself in front oft he camera to really understand what it was I was trying to communicate" (Jen Davis)

Die Bilder, die gesellschaftliche Formen weiblicher Repr√§sentation herausfordern, sind nicht ausschlie√ülich als Dokumente zu betrachten. "Inszeniert" meint auch, dass Davis eigene W√ľnsche in den Motiven thematisiert. Die Aufnahmen, die sie mit Liebhabern in einem unterschiedlichen Grad der Intimit√§t zeigen, sind teilweise mit "Fantasy" betitelt und geben Aufschluss √ľber ein Verlangen, das durch das eigene Aussehen beeintr√§chtigt werden kann.

Jen Davis, die mit 23 Jahren begann, ihr Erscheinungsbild zu hinterfragen, studierte an der Yale University School of Art. Die Wahl ihrer Motive und deren stilistische Umsetzung ist beeinflusst durch niederl√§ndische Maler des 17. Jahrhunderts, wie Johannes Vermeer. Ihre Aufnahmen sind markiert durch das Spiel mit Licht und Schatten, das die Szenen konstituiert. Diese er√∂ffnen gr√∂√ütenteils den Blick auf Situationen des Alltags, die der Au√üenperspektive √ľblicherweise unzug√§nglich sind. So sitzt sie mit einem Handtuch auf dem Badewannenrand, liegt nackt und alleine auf dem Bett oder wirft einen ernsten Blick in den Badezimmerspiegel.
Keines der Bilder zeigt ein spontanes Lachen oder eine herzliche Geste. Der stets ernste, nachdenkliche Blick bildet das stringente Konzept, welches die sozialen Schönheitsstandards im nicht-öffentlichen Raum hinterfragt.

Zur Fotografin: Jen Davis, geboren 1978, lebt und arbeitet in Brooklyn, New York. Elf Jahre hat sie an dieser Serie von Selbstportr√§ts gearbeitet, die in nationalen und internationalen Medien (z.B. Camera Austria, New York Times Lens Blog, Huffington Post, The Telegraph, Oprah.com) diskutiert und vielfach ausgestellt wurde, darunter im Museum of Fine Arts in Boston. Davis¬ī Arbeiten sind in zahlreichen √∂ffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, u.a. im Art Institute of Chicago. Sie unterzog sich nach dem Fotografieprojekt "Eleven Year" einer Operation, um Gewicht zu verlieren.
(Quelle: Verlagsinformation)
Die Fotografin im Netz: www.jendavisphoto.com

AVIVA-Tipp: Auf eine sensible Weise zeigt sich in "Eleven Years" von Jen Davis die Unsicherheit einer Frau, die nicht gephotoshopt und genormt ist. Jen Davis¬ī Fotografien weisen weder einen Wunsch nach Perfektion, noch eine Zufriedenheit mit dem eigenen K√∂rper auf. Es ist ein kritischer Umgang mit einem allzu oft behandelten Thema, der zeigt, wie gesellschaftliche Sch√∂nheitsideale den Umgang mit sich selbst in Befangenheit und Nachdenklichkeit st√ľrzen kann.


AVIVA-Berlin verlost 1 Buch. Bitte senden Sie uns den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Catrine Val ‚Äď FEMINIST mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 17.11.2014 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Jen Davis
"Eleven Years"

K√ľnstlerin: Jen Davis
Texte von: Anne Wilkes Tucker, John Pilson
Gestaltung: Other Means
KEHRERVERLAG, erschienen Fr√ľhjahr 2014
Schweizer Broschur, 128 Seiten, Englisch
ISBN: 978-3-86828-458-4
39,90 Euro

Mehr zum Thema:

Magda Albrecht, Bloggerin und Soziologin, schreibt f√ľr die maedchenmannschaft. Ihr besonderes Interesse gilt feministischer Theorie, queer/feministischem Aktivismus und der Bek√§mpfung von K√∂rpernormierungen. Auf maedchenmannschaft schreibt sie:
"Die Be- und Abwertung von K√∂rpern ist so normalisiert, dass wir oftmals gar nicht merken, dass das Recht auf k√∂rperliche Selbstbestimmung eher Menschen zugebilligt wird, die bereits gesellschaftliche Normen erf√ľllen. Eine d√ľnne Frau isst eine Pizza und findet Di√§ten "voll bl√∂d"? Voll feministisch! Eine dicke Frau schleckt ein Eis und tr√§gt einen hotten Bikini? Ab zur √Ąrztin, ist ja voll ungesund!!!"
Mehr zu den Beitr√§gen der Serie "(Mein) Fett ist politisch", in denen Frauen √ľber "norm-abweichende K√∂rperlichkeit" reflektieren:
"Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?!" Von Frauen, die gl√ľcklich und "fett" sind und den Vorw√ľrfen ihnen gegen√ľber, ungesund zu leben.

Fatty fashion fun college

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Female Trouble - Die Kamera als Spiegel und B√ľhne weiblicher Inszenierungen - Inka Graeve Ingelmann

Catrine Val ‚Äď FEMINIST

Divinta und Tableaux Vivants Die Modefotografin Iris Brosch √ľber Weiblichkeit in der (Mode)Fotografie.

Die Friseuse - Ein Film von Doris D√∂rrie Eine Friseurin mit k√∂rperlichem Selbstbewusstsein "k√§mpft sich wortstark durch die (Plattenbau-)Schluchten Berlin-Marzahns, des Jobcenters, der B√ľrokratie und Intoleranz"

Gewinnspiele Beitrag vom 16.09.2014 AVIVA-Redaktion 





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