Vivian Maier. Ein Film von Charlie Siskel und John Maloof ÔÇô ab 9. Oktober 2014 auf DVD & VoD. Verlosung. Ausstellung vom 19. Februar bis 12. April 2015 im Willy-Brandt-Haus - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 22.01.2015

Vivian Maier. Ein Film von Charlie Siskel und John Maloof ÔÇô ab 9. Oktober 2014 auf DVD & VoD. Verlosung. Ausstellung vom 19. Februar bis 12. April 2015 im Willy-Brandt-Haus
Susann S. Reck

Mit "Finding Vivian Maier" ist es den Regisseuren gelungen, einen der bewegendsten Dokumentarfilme der letzten Jahre zu drehen. Die 2009 in den..AVIVA verlost 3 DVDs



... USA gestorbene heimliche Fotografin fasziniert nicht nur aufgrund ihres fantastisch umfangreichen Werkes.


Sie verk├Ârpert zudem all das, was dem landl├Ąufig neoliberalen Kunstverst├Ąndnis unserer Zeit diametral entgegengesetzt ist:
Maier war eine K├╝nstlerin, die unentwegt produzierte, ohne sich oder ihr Werk zu verkaufen. Sie hat zu Lebzeiten kein einziges Foto ver├Âffentlicht. Einen gro├čen Teil ihres Werkes bekam sie selbst nie zu Gesicht, da sie die Fotos, die sie unerm├╝dlich schoss, nicht immer entwickeln lie├č.
Warum aber, wenn nicht um zu verkaufen, um sich als K├╝nstlerin zu profilieren oder sich wenigstens allein mit der eigenen Kunst zu umgeben, hat sie dann fotografiert?

100.000 Negative und 1500 nicht entwickelte Filme

In dem von Charlie Siskel und John Maloof gedrehten Dokumentarfilm Finding Vivian Maier bleibt es ein R├Ątsel, warum die Fotografin ein Leben lang als Kinderm├Ądchen gearbeitet und mit nahezu niemandem das Geheimnis ihres kreativen Schaffens geteilt hat. Zwar berichten die Familien, bei denen sie gelebt und deren Kinder sie geh├╝tet hat, Maier habe so gut wie immer eine Fotokamera bei sich getragen. Das Ausma├č ihres Schaffens jedoch, die au├čergew├Âhnliche Begabung, die sich hinter dem schrulligen Kinderm├Ądchen verbarg, erahnte niemand.
Vivian Maier hat kein Testament hinterlassen, in dem sie posthum auf ihr fotografisches Werk h├Ątte verweisen k├Ânnen. Es scheint sicher zu sein, dass sie die rund 100.000 Negative und 1500 bislang nicht entwickelten Filme, die sie Zeit ihres Lebens verfotografierte, weder Verwandten noch Bekannten, geschweige denn der ├ľffentlichkeit zug├Ąnglich machen wollte. So ist es denn auch purem Zufall zu verdanken, dass ihr Nachlass nicht im M├╝ll gelandet ist.

Historiker und Sammler John Maloof

Einen Teil von Vivian Maiers fotografischem Werk, eine Kiste voller Negative, entdeckte John Maloof bei einer Auktion in Chicago. Maiers Wohnung war aufgel├Âst worden, sie selbst lag im Krankenhaus und starb einige Zeit sp├Ąter.
Die Ersteigerung der Kiste ist nur eine von vielen Merkw├╝rdigkeiten, die sowohl Vivian Maiers Leben als auch die an Magie grenzende Entdeckung nach ihrem Tod durchziehen. Es kann kein Zufall sein, dass die Negative an den Richtigen gerieten und Maloof zu einem Verwalter ihres Werkes wurde, der so wunderbar zwanghaft agierte, wie sie selbst. Einmal vom k├╝nstlerischen Wert seiner Entdeckung ├╝berzeugt, setzte er alle Hebel in Bewegung, um der Fotografie und auch dem Menschen Vivian Maier gerecht zu werden. Letzteres allerdings erwies sich als schwierig, eine weitere Merkw├╝rdigkeit im Zeitalter totaler Datenerfassung und vermeintlicher Transparenz. H├Ątte sich Maloof mit den Ergebnissen erster Suchanfragen begn├╝gt, h├Ątte es den Film wohl nie gegeben. Der Name Vivian Maier sagte Google nichts. John Maloof hingegen kam, angefixt von der Schwierigkeit seiner Unternehmung, etwas ├╝ber die Fotografin der ersteigerten Negative zu erfahren, in den Besitz ihres gesamten Nachlasses. Er drehte buchst├Ąblich jedes, von Maier aufbewahrte, Busticket zweimal um, fand jedoch weder hilfreiche Tageb├╝cher noch aufschlussreiche Briefe. Nicht einmal auf die Eltern von Vivian Maier gab es Hinweise. Eine Telefonnummer schlie├člich brachte ihn mit einem der Kinder in Verbindung, um die sich Maier einst gek├╝mmert hatte. Die Spur er├Âffnete den Zugang zu einem Teil ihres Lebens, auf den sich der Dokumentarfilm ma├čgeblich st├╝tzt.
Maloof organisierte eine erste Ausstellung in Chicago, die Maier und ihre Fotografien schlagartig ins ├Âffentliche Bewusstsein katapultierte. Zu welchem Zeitpunkt die Idee f├╝r ein Filmprojekt entstand, geht aus "Finding Vivian Maier" nicht hervor.

Existentielle Fragen

Es hat kafkaeske Z├╝ge, dass sich Maloof und Regisseur Siskel, der unter anderem "Bowling for Columbine" mit Michael Moore produziert hat, auf die filmische Suche eines Menschen begeben, der selbst alles getan zu haben scheint, um nicht entdeckt zu werden. Inwieweit es vor diesem Hintergrund legitim ist, das Werk Vivian Maiers auszustellen und zu verkaufen, ja einen kommerziellen Film ├╝ber sie zu drehen, ist eine Frage, die von einigen ProtagonistInnen aufgeworfen und, gl├╝cklicherweise, nicht eindeutig beantwortet wird.
Unwillk├╝rlich stellt sich die Zuschauerin die Frage, wie viele K├╝nstlerInnen von der Sorte Vivian Maiers es gibt, wie viele FilmemacherInnen mit ihren Kameras drehen, ohne das aufregend gute Material zu einem Film zu schneiden, wie viele SchriftstellerInnen B├╝cher f├╝r die Schublade schreiben, die besser sind als das meiste, was ver├Âffentlicht wird. Im Fall von Vivian Maier haben unz├Ąhlige Negative und unentwickelte Filme einen Blick auf eine Welt hinterlassen, der neben seiner Einzigartigkeit, vor allem von verst├Ârender Einsamkeit zeugt. Warum Vivian Maier ├╝berhaupt das Bed├╝rfnis versp├╝rte, ihren Blick fotografisch festzuhalten, liegt nach wie vor im Dunkeln und begr├╝ndet zum Teil die Faszination an ihrer Person.

Selten werfen Filme so viele existentielle Fragen auf, wie im Fall von Finding Vivian Maier. Wer wir ohne das Bezugsnetz einer Familie w├Ąren, was f├╝r einen Sinn es hat, was wir im Leben tun und welche Rolle die Best├Ątigung anderer dabei spielt. Es ist ein Gl├╝ck, dass sich weder Filmemacher Siskel, noch Vivian Maier-Entdecker Maloof, zu sehr an psychologischen Erkl├Ąrungsversuchen aufhalten. Die autobiografischen Hintergr├╝nde sind daf├╝r nicht ausreichend. Auch geben die wenigen Fakten gen├╝gend Raum zu Spekulationen in alle m├Âglichen Richtungen. Denn, dass etwas nicht stimmte im Leben von Vivian Maier, davon kann ausgegangen werden.

Street photographer

Trotz zahlreicher Ausstellungen ihrer Fotografie in den USA, Kanada, Europa und Russland, tun sich die Museen mit Vivian Maier offenbar schwer. Dies gilt sowohl f├╝r die Anerkennung ihres Werks, das seinen Platz neben anderen FotografInnen in der Tradition amerikanischer street photography vom Format eines Gary Winogrand oder einer Helen Levitt haben m├╝sste, als auch f├╝r eine gro├če Werkschau. Das MOMA in New York begr├╝ndete seine Zur├╝ckhaltung bislang mit dem Umstand, das Museum stelle ausschlie├člich K├╝nstlerInnen aus, deren Werk bereits abgeschlossen sei. Das Museum wolle mit der noch zu leistenden Arbeit von Negativ- und Filmentwicklung nichts zu tun haben, erkl├Ąrt Maloof im Film.
Zum Gl├╝ck sucht der Historiker, der als Besitzer des Gesamtwerkes eine Art Lebensaufgabe gefunden hat, unbeirrbar weiter nach professioneller Hilfe, um dieses bestm├Âglich herauszubringen.

Nach seiner Weltpremiere auf dem Toronto Film Festival 2013 wurde die faszinierende Spurensuche von John Maloof weltweit zum Publikumsliebling auf Filmfestivals.
2014 wurde FINDING VIVIAN MAIER u.a. als bester Dokumentarfilm auf dem Michael MooreÔÇÖs Traverse City Film Festival ausgezeichnet und gewann den Publikumspreis des Bermuda International Film Festivals. Bei der 64. Berlinale belegte der Film den 2. Platz des Panorama Publikumspreises in der Kategorie "Dokumentarfilm".

Aktuell ist FINDING VIVIAN MAIER zudem in der Rubrik "Bester Dokumentarfilm" f├╝r den British Academy Film Award, den Satellite Award und in der Rubrik "Bestes Drehbuch einer Dokumentation" f├╝r den Writers Guild of America Award sowie als Oscar f├╝r den Besten Dokumentarfilm nominiert.

AVIVA-Tipp Zu Recht war Finding Vivian Maier auf der 64. Berlinale ein Highlight. Das einzig St├Ârende an dem Film ist die penetrante Filmmusik und der etwas zu effektvolle Schnitt, der ausstellt und betont, was der Film ohnehin transportiert, eine Geschichte, die gr├Â├čer und dramatischer ist als das Leben selbst, die bewegt, mitrei├čt und die Sicht auf das Leben in unserer von Konsumkapitalismus gepr├Ągten Welt ein st├╝ckweit ver├Ąndern kann. Auf den Punkt gebracht:
Finding Vivian Maier ist ganz gro├čes Kino.

Zu den Filmemachern

John Maloof
, ein Historiker und Sammler aus Chicago, entdeckte vor mehr als acht Jahren das Werk von Vivian Maier. Er hatte, was Fotografie anbelangt, keinerlei Vorbildung.
www.johnmaloof.com

Charlie Siskel schreibt Drehb├╝cher f├╝r Film und Fernsehen. Er hat als Regisseur und Produzent gearbeitet, unter anderem f├╝r Bowling for Columbine, Religulous und Finding Vivian Maier. F├╝r das Fernsehen hat er The Awful Truth mit Michael Moore, Crossballs, Important Things with Demetri Martin, Tosh.0 und Review produziert. Siskel, der fr├╝her als Anwalt gearbeitet hat, lebt in Los Angeles.
twitter.com/charliesiskel


AVIVA-Berlin verlost 3 DVDs. Bitte beantworten Sie dazu folgende Frage: Mit welcher Kamera begann Vivian Maier zu fotografieren und senden Sie uns Ihre Antwort mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 31.03.2015 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Finding Vivian Maier
Regie: Charlie Siskel, John Maloof
Cast: John Maloof, Mary Ellen Mark, Phil Donahue
DVD FACTS
DVD Specials: Die DVD enth├Ąlt neben dem Hauptfilm und dem Kinotrailer 12 Minuten original 8-mm Filmaufnahmen von Vivian Maier. Die Aufnahmen vermitteln einen Eindruck ihrer einmaligen Beobachtungsgabe und geben zugleich einen faszinierenden Einblick in das Chicago der 70er Jahre.
Sprache: Neben der Kinofassung in Englisch (Dolby Digital 5.1) mit deutschen Untertiteln, steht auf der DVD zus├Ątzlich auch eine deutsche Synchronfassung zur Auswahl
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Hauptfilm ab 0 Jahren, ohne Altersbeschr├Ąnkung (├ťbernahme beantragt)
Spieldauer: 81 Minuten
Erscheinungstermin: 9. Oktober 2014
Verleih: NFP (Filmwelt)

Offizielle Website: www.vivianmaier.com

Offizielle Filmwebsite: www.findingvivianmaier.com

Trailer: www.youtube.com

Ausstellung in Berlin

Vivian Maier ÔÇô Street Photographer
Die Ausstellung wird erstmalig in Deutschland gezeigt, pr├Ąsentiert vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus. Zu sehen ist eine Auswahl von 120 Werken.
Donnerstag, 19. Februar bis Sonntag, 12. April 2015
Er├Âffnung am Mittwoch, 18. Februar 2015, um 19.30 Uhr
Eintritt frei
Veranstaltungsort: Willy-Brandt-Haus
Stresemannstr. 28
10963 Berlin
Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr
Ausweis erforderlich


Gewinnspiele Beitrag vom 22.01.2015 Susann S. Reck 





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