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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 05.11.2017

Regina Ziegler - Geht nicht gibt┬┤s nicht. Mein filmreiches Leben. Verlosung
Silvy Pommerenke

Mit 74 Jahren denkt die erfolgreichste deutsche Filmproduzentin noch lange nicht ans Aufh├Âren. Und weil dem so ist, hat sie nun auch ihre Autobiographie ÔÇô in Zusammenarbeit mit Andrea Stoll ÔÇô ver├Âffentlicht. Die ist so lebendig und mitrei├čend geschrieben, dass das Buch ein wahrer Page-Turner ist. Das d├╝rfte nicht nur Filmfans, sondern vor allem Frauen ansprechen, da sich Regina Ziegler als erfolgreiche Unternehmerin mehr als nur zum Role Model anbietet. AVIVA verlost 2 B├╝cher



Dass sie ihren Geburtstag am Weltfrauentag hat, sieht Regina Ziegler als besondere F├╝gung ihres Schicksals an. Somit hat sie im wahrsten Sinne des Wortes k├Ąmpferisches Blut mit in die Wiege gelegt bekommen. Zudem wurde sie schon fr├╝h gest├Ąhlt, indem sie statt eines Schnullers eine Speckschwarte in den Mund gesteckt bekam. So wachsen Heldinnen auf...

Ziegler hatte aber auch in ihrer Mutter ein ungew├Âhnliches und tatkr├Ąftiges Vorbild, da diese ├╝ber Umwege zum Journalismus kam und f├╝r diesen Beruf brannte. Dieses Brennen f├╝r die Profession hat Ziegler ├╝bernommen, und nachdem sie mehr durch Zufall als durch Zielstrebigkeit beim SFB anheuerte, und dort das Produzieren von Filmen von der Pike auf lernte, waren die W├╝rfel f├╝r den Berufsweg gefallen. In diese Zeit f├Ąllt auch der schicksalstr├Ąchtige Tag, der Regina Ziegler heute noch in Erinnerung ist und an dem sich f├╝r sie sowohl beruflich als auch privat alles ver├Ąndern sollte, war der 9. April 1971. Der Tag, an dem sie den aufstrebenden Filmregisseur Wolf Gremm kennen lernte. Obwohl sie bereits gl├╝cklich verheiratet war, wie sie betont, und eine Tochter hatte, geschah das Unerwartete: sie verliebte sich in den Frauenhelden mit zweifelhaftem Ruf und es kam, wie es kommen musste. Sie schnappte ihre Tochter, verlie├č den Ehemann und das gr├Â├čte Abenteuer ihres Lebens begann. Gemeinsam waren die beiden fortan ein unschlagbares Team.

Was heutzutage eher die Regel denn die Ausnahme ist, dass eine Frau ihren Mann verl├Ąsst, war Anfang der siebziger Jahre ein absoluter Affront, den Regina Ziegler schmerzhaft zu sp├╝ren bekam. Aber nicht nur die Trennung von ihrem Mann war ungeheuerlich, sondern auch die K├╝ndigung ihrer Festanstellung im SFB. Dank ihres Selbstbewusstseins und einer "geh├Ârigen Portion Naivit├Ąt" gr├╝ndete sie am 27. April 1972 die Regina-Ziegler-Filmproduktion und war fortan die erste FilmproduzentIN ÔÇô deren Job es ist "Stoffe zu finden, Geld zu beschaffen und Beziehungen aufzubauen und zu pflegen". Eine Frau in dieser Position war eigentlich undenkbar. Aber mit Beharrlichkeit, Bauchgef├╝hl, Serviettendeals und einer Portion Gl├╝ck wurde aus der Jungproduzentin anfangs ein Geheimtipp, sp├Ąter dann die erfolgreichste Filmproduzentin Deutschlands, die auch im internationalen Gesch├Ąft mitmischt.


Regina Ziegler zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie immer auf der Suche ist "nach zeitgen├Âssischen Stoffen, die sich mit aktuellen sozialen Problemen und politischen Fragen auseinandersetzten". Herausgekommen sind dabei vielfach ausgezeichnete Filme, beispielsweise Fabian (nach Erich K├Ąstner) und Kamikaze 1989 (mit Rainer Werner Fassbinder) oder Serien wie Wei├čensee und Mordkommission Istanbul. Produktionen von Ziegler sind fast immer ein Garant f├╝r Erfolg.

Die Filmproduzentin ist bewundernswert in ihrer Zielstrebigkeit und mit ihrer scheinbar endlosen Power. Sie hat sich ausgerechnet in einer M├Ąnnerdom├Ąne einen Platz erk├Ąmpft und hat Mut zu Konflikten bewiesen. Ihr absolutes Selbstvertrauen war ihr wichtigstes Werkzeug. Und das war auch n├Âtig, denn "damals dachte keine von uns daran, sp├Ąter einmal Role Model f├╝r nachfolgende Generationen zu werden. Wir haben einfach getan, was wir f├╝r richtig hielten ÔÇô oft genug in Opposition zum damals herrschenden gesellschaftlichen Klima". Ihr Kampf hat sich gelohnt: 2006 gab es von ihr eine Retrospektive im MoMa - dem New Yorker Museum of Modern Art - die ihr als erster Filmfrau ├╝berhaupt zuteilwurde, und 2005 wurde sie zur Honorarprofessorin an der Hochschule f├╝r Film und Fernsehen ernannt. Auch wenn sie sich nicht explizit als Feministin sieht, so hat sie doch ein Faible f├╝r gute Regisseurinnen und beweist unter anderem mit der Reihe "Lauter tolle Frauen" eine ganz klare Frauenaffinit├Ąt.

Ziegler hat sich in ihrer Autobiographie entschlossen, chronologisch vorzugehen und schildert an exemplarischen Filmen, mit welchen H├╝rden sie als Produzentin zu k├Ąmpfen hatte, wie sie sie meisterte und - selten genug - auch daran scheiterte. In diesem Zusammenhang f├Ąllt h├Ąufiger der Begriff "Minusmillion├Ąrin", jedoch scheint das einem hohen Lebensstandard nicht im Wege gestanden zu haben. Die Restaurants, in denen Ziegler regelm├Ą├čig verkehrt sind nichts f├╝r den kleinen Geldbeutel. Fr├╝her standen Fl├╝ge mit der Concorde regelm├Ą├čig auf der Agenda und das Haus auf Mallorca darf ebenso wenig fehlen wie Urlaube in exotischen L├Ąndern. Ein Lebenswandel, der in diesem Berufsfeld wahrscheinlich dazu geh├Ârt. Neben diesen informativen Details erf├Ąhrt die Leserin zahlreiche Blicke hinter die Kulissen und am├╝sante Geschichten, jedoch ohne, dass dabei jemand blo├čgestellt wird. Da ist Regina Ziegler ganz Gentlewoman. Ganz nebenbei erw├Ąhnt sie Freundschaften zu Brigitte Mira, Michel Friedman oder Angela Merkel. Aber die gr├Â├čte Verbindung bestand immer zu ihrem Mann und ihrer Tochter Tanja. Gerade mit Wolf Gremm hat sie eine sich gegenseitig befruchtende Partnerschaft gelebt, die bis zu seinem Tod im Jahr 2015 andauerte. Auch diesen schicksalshaften Punkt spart Regina Ziegler in ihrer Autobiographie nicht aus. Das macht Ziegler sehr menschlich und nahbar, denn sonst w├╝rde fast der Eindruck entstehen, dass sie ├╝bermenschliche Kr├Ąfte h├Ątte. Regina Ziegler schlie├čt das Buch mit den zufriedenen Worten: "Wenn es einmal an mir ist, sich von dieser Welt zu verabschieden, wei├č ich, dass ich alles gelebt habe, was ich leben wollte."

AVVA-Tipp: Regina Ziegler schreibt so aufregend und faszinierend, wie sie Filme produziert. Ihrem Leben zu folgen setzt so manches Mal in Erstaunen bzw. belegt immer wieder ihr Lebensmotto aufs Neue: Geht nicht gibt┬┤s nicht. F├╝r Filmfreaks ebenso geeignet wie f├╝r ambitionierte Frauen, die vom Selbstbewusstsein und den Visionen dieser Powerfrau nur profitieren k├Ânnen. Neben der Lebensgeschichte findet sich in "Geht nicht gibt┬┤s nicht" zudem ein einzigartiges Daumenkino f├╝r den Schnelldurchlauf.

Zu Regina Ziegler: geboren am 8. M├Ąrz 1944 in Quedlinburg, gr├╝ndete 1973 ihre eigene Produktionsfirma, mit der sie ├╝ber 500 Filme produzierte.
Bereits ihre erste Produktion, "Ich dachte ich w├Ąre tot" (in der Regie ihres sp├Ąteren Ehemannes Wolf Gremm) wurde mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. In ihrer Laufbahn f├Ârderte sie sowohl Filmkunst als auch Fernsehunterhaltung. Sie ist Honorarprofessorin der Hochschule f├╝r Film und Fernsehen "Konrad Wolf" und wurde 2015 mit der Lola f├╝r ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Sie wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet und mit einer Retrospektive im Museum of Modern Art in New York geehrt.
(Quelle: Verlagsinformationen)
Regina Ziegler im Netz: www.ziegler-film.com, auf Twitter und auf Facebook

Zu Andrea Stoll: Dr. phil., hat als Autorin und Dramaturgin zahlreiche Essays, B├╝cher und Filme geschrieben und war ├╝ber f├╝nfzehn Jahre als Dozentin f├╝r Literatur an der Salzburger Universit├Ąt t├Ątig. Sie gilt als ausgewiesene Bachmann-Kennerin und hat seit ihrer Dissertation "Erinnerung als ├Ąsthetische Kategorie des Widerstandes im Werk Ingeborg Bachmanns" (1992) zum Werk der ├Âsterreichischen Autorin mehrere Essays und B├╝cher vorgelegt, u.a. als Mitherausgeberin des zum internationalen Beststeller avancierten Ingeborg BachmannÔÇôPaul Celan-Briefwechsels "Herzzeit" (2008). Ein Kinofilm ├╝ber Ingeborg Bachmann ist in Vorbereitung. (Quelle: Verlagsinformationen)


Regina Ziegler
Geht nicht gibt┬┤s nicht
(Mein filmreiches Leben)

C. Bertelsmann Verlag, erschienen 9. Oktober 2017
Gebunden mit Schutzumschlag, 352 Seiten
Zahlreiche Schwarz-Wei├č- und Farbfotos und einem Daumenkino
ISBN: 978-3-570-10326-5
Euro 22,00
www.randomhouse.de


AVIVA-Berlin verlost 2 B├╝cher. Bitte beantworten Sie dazu folgende Frage: Was bemerkt Regina Ziegler zum Schluss unseres Interviews aus dem Jahr 2003 zur Idee, einen Film ├╝ber sie selbst zu drehen? Senden Sie uns Ihre Antwort mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 20.12.2017 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Das MoMA in New York ehrt Regina Ziegler
Die Filmproduzentin erh├Ąlt eine Retrospektive im weltber├╝hmten Museum of Modern Art in New York. Ihr beeindruckendes Lebenswerk hat die MacherInnen der Abteilung Film und Medien ├╝berzeugt. (2006)

Interview mit Regina Ziegler
Wir treffen Regina Ziegler in ihrem Berliner B├╝ro in Charlottenburg. Das Unternehmen macht einen freundlichen Eindruck. Gro├če helle R├Ąume mit Blick auf den Lietzensee, an den W├Ąnden kleine Souvenirs, die an die Zusammenarbeit mit den Gr├Â├čen des internationalen Filmgeschehens erinnern. Auffallend viele junge Mitarbeiter_innen und Praktikant_innen laufen mit Papieren und Videokassetten umher. Frau Ziegler begr├╝├čt uns und wir setzen uns gemeinsam einen gro├čen Holztisch in ihrem B├╝ro. Gleich zu Beginn erf├╝llt sich eine der Vorstellungen, die frau/man mit dem Namen Regina Ziegler verbindet: ihre Liebe zu der Farbe Rot. Nicht nur, dass sie ein entsprechendes Tuch um die Schultern tr├Ągt, sie verliebt sich auch gleich in die knallrote Tasche der Aviva-Chefredakteurin. Schnell notiert sich Frau Ziegler die Adresse des entsprechenden Gesch├Ąfts, dann kann das Interview beginnen. (2003)


Gewinnspiele Beitrag vom 05.11.2017 Silvy Pommerenke 





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