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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 18.07.2009

Die Perlmutterfarbe. Nach dem Roman von Anna Maria Jokl. DVD-Verlosung
Kristina Tencic

Nach seinem Erfolg mit "Wer fr├╝her stirbt ist l├Ąnger tot" wagte sich Marcus Rosenm├╝ller an die Verfilmung des Kinderromans... AVIVA-Berlin verlost 3 DVDs



...."Die Perlmutterfarbe". Der Film spielt 1931 als sich das Unheil in Deutschland bereits abzeichnet und sp├╝rbar in der Luft liegt.
Alexander ist ein ganz normaler Junge aus einer bayrischen Kleinstadt. Nach der Schule trifft er sich h├Ąufig mit seinen Freunden, rauft sich mit der Parallelklasse, schw├Ąrmt f├╝r eine Mitsch├╝lerin und tr├Ąumt von der Begegnung mit seinem Vater, dem Schiffskoch. Er kennt ihn nur aus Erz├Ąhlungen seiner Mutter, die sagt, er sei verschollen.
Bei den Vorbereitungen zu einem Malwettbewerb, den er unbedingt f├╝r seinen Schwarm gewinnen m├Âchte, ger├Ąt die neueste Erfindung seines Freundes Maulwurf, dem T├╝ftler und Erfinder, in seine Tasche: Die Perlmutterfarbe. Gibt man diese Farbe auf Papier, strahlt und leuchtet sie in brillantem Wei├č, ganz so wie Eiskristalle.
Von einem Jungen aus der B-Klasse leiht sich Alexander ein wertvolles Buch von dessen Vater mit dem Titel "Wir sind alle Menschen", aus dem er etwas abpausen m├Âchte. Aus Versehen l├Ąuft die Perlmutterfarbe auf das Buch und Alexander wirft es aus Affekt in die Ofenflammen. Ein Spiel aus L├╝gen und Intrigen beginnt. Der Junge ger├Ąt in einen gef├Ąhrlichen Strudel aus Unwahrheit und Verdacht, der in die Gr├╝ndung einer Bande unter Anf├╝hrung des Klassen├Ąltesten m├╝ndet. Die Parallelklasse wird unter der Parole "Der Freund von meinem Feind ist Feind!" bekriegt und das Kinderspiel beginnt einen bitteren Geschmack zu entwickeln. Alexander wird zum unfreiwilligen Verb├╝ndeten, der nicht den Mut aufbringt, sich seinen Fehlern zu stellen.
Die Eskalation von Spielsituationen hat man unl├Ąngst in dem Film "Die Welle" beobachten k├Ânnen, aber auch in "Das Experiment" (2001) werden ├Ąhnlich gelagerte gruppendynamische Prozesse aufgezeigt. Aktuell wird in den Medien aufgrund der Rezession viel Bezug zu den Vorg├Ąngen in den 1930er Jahren genommen. Leichtfertig werden dabei unbedachte Parallelen gezogen, die jedoch hoffentlich einen vern├╝nftigen Diskurs ansto├čen.

Der Film "Die Perlmutterfarbe" ist nicht nur eine Geschichte ├╝ber Bandentum und L├╝gen, sondern viel allgemeiner l├Ąsst uns der Regisseur eintauchen in die Sogwirkung und die Entstehung totalit├Ąrer Ordnungen. Dies geschieht vor dem Hintergrund des Mikrokosmos der bayrischen Schule im Jahre 1931, was - nebenbei gesagt - auch ├Ąu├čerst authentisch durch den Dialekt der JungschauspielerInnen wiedergegeben wird.

In diesem kleinen Rahmen wird die unheilvolle Zukunft bereits f├╝hlbar, selbst unter den Kindern breitet sich die bedrohliche Atmosph├Ąre, aber auch zugleich die mystische Anziehungskraft in ihrer vollen Wirkung aus. Die Verbrennung des Buches "Wir sind alle Menschen" wird zum symbolischen Akt der nachfolgenden Schreckensereignisse. Die Vorlage des Drehbuches ist der Roman "Die Perlmutterfarbe" von Anna Maria Jokl. Diese umging zwar in ihrem Werk jegliche zeitliche Festlegung, doch aus ihrer Biografie l├Ąsst sich erschlie├čen, auf welches Zeitalter sie Bezug nimmt.

Das Manuskript schrieb die J├╝din Jokl, nach ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland, bereits 1937 in Prag, also in weiser Voraussicht, welche Grausamkeiten in den Nachfolgejahren auf Europa zukommen w├╝rden. Nur durch einen Gl├╝cksfall konnte das Manuskript gerettet und ver├Âffentlicht werden. Doch das Drama hatte damit noch nicht sein Ende gefunden: 1950 zog Jokl in die DDR, um den Roman zu verfilmen, doch das Projekt wurde abgelehnt und die weitere Verbreitung der "Perlmutterfarbe" gestoppt. Somit stie├č dieses Buch nicht nur im NS-Regime auf taube Ohren, sondern zeigt auch in der DDR. Jokl ist 1965 nach Jerusalem ausgewandert, wo sie 2001 starb. Erst in den 1990er Jahren wurde das Buch in Deutschland erneut publiziert und wird mit der jetzigen Verfilmung nun hoffentlich die wohlverdiente Anerkennung finden.

Zum Regisseur: Marcus H. Rosenm├╝ller wurde 1973 geboren und studierte Film/Fernsehspiel in M├╝nchen, wo er w├Ąhrenddessen seine ersten Kurzfilme drehte. "Wer fr├╝her stirbt, ist l├Ąnger tot" (2006) ist sein Deb├╝tfilm, der unvorhergesehene Erfolge erzielte, vielfach ausgezeichnet wurde und 1,8 Mio. BesucherInnen z├Ąhlte. Es folgten einige Kinofilme, wie etwa "Beste Zeit" oder "R├Ąuber Kneissl". Allen seinen Filmen ist der Drehort Bayern gemein. "Die Perlmutterfarbe" ist das dritte Drehbuch, das er zusammen mit Christian Lerch geschrieben hat.

AVIVA-Tipp: Mit viel Liebe zum Detail erz├Ąhlt der Regisseur Rosenm├╝ller die Parabel des Totalitarismus und wird dabei vollkommen dem Untertitel zu Jokls Vorlage "Ein Kinderroman f├╝r fast alle Leute" gerecht.

AVIVA-Berlin verlost 3 DVDs. Bitte schreiben Sie uns, wann und wo Anna Maria Jokl den Roman "Die Perlmutterfarbe" schrieb und senden uns bis zum 25.08.2009 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiele@aviva-berlin.de



Die Perlmutterfarbe
Deutschland 2008
Regie: Marcus H. Rosenm├╝ller
Drehbuch: Marcus H. Rosenm├╝ller und Christian Lerch nach dem Roman von Anna Maria Jokl
DarstellerInnen: Markus Krojer, Dominik Nowak, Zoe Mannhardt, Benedikt H├Âsl u.a.
FSK: ab 6
DVD-Verleihstart: 09. Juli 2009, DVD-Verkaufsstart: 16. Juli 2009
Im Verleih der Constantin Film
Extras: Making of (ca. 20 Min.), Deleted Scenes und Outtakes (ca. 10 Min.), Set-Tour (ca. 5 Min.), Spa├č am Set (ca. 2 Min.), Mit den Kids beim Dreh (ca. 13 Min.), Die Menschenfabrik des Dr. Knopf ÔÇô Film in s/w (ca. 4 Min.), VFX-Making of (ca. 7 Min.), Audiokommentar, Darsteller-Infos

Weitere Infos zum Film unter: www.perlmutterfarbe.film.de


Gewinnspiele Beitrag vom 18.07.2009 Kristina Tencic 





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