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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.03.2010

Die Fremde - Ein Film von Feo Aladag. Verlosung
Lisa Erdmann

Eine Geschichte, so real, dass frau G├Ąnsehaut bekommt - Regisseurin Feo Aladag gelingt mit ihrem Deb├╝t "Die Fremde" ein ersch├╝tterndes ... AVIVA verlost 5 Soundtracks



... Kulturen- und Familienportrait, das ganz ohne Klischees und erhobenen Zeigefinger, daf├╝r aber mit jeder Menge Brisanz und Authentizit├Ąt die ZuschauerInnen unweigerlich in seinen Bann zieht.

Die 25-J├Ąhrige Deutscht├╝rkin Umay (Sibel Kekilli) w├╝nscht sich sehnlichst, was f├╝r viele Menschen eine Selbstverst├Ąndlichkeit ist: Sie will ein eigenst├Ąndiges, selbstbestimmtes Leben f├╝hren und sie m├Âchte, dass ihr kleiner Sohn Cem (Nizam Schiller) beh├╝tet und ohne Gewalt aufw├Ąchst. Doch f├╝r die in einem Vorort Istanbuls lebende junge Frau scheint die Erf├╝llung ihres Wunsches schier unm├Âglich, denn ihr Alltag ist von Unterdr├╝ckung und Angst gepr├Ągt. Immer wieder verliert ihr Ehemann Kemal (Ufuk Bayraktar) die Kontrolle, schl├Ągt seine Frau oder bestraft seinen kleinen Sohn.

Um aus der patriarchalischen Eheh├Âlle auszubrechen und endlich frei zu sein, beschlie├čt Umay zu fliehen. Sie packt ihre wenigen Sachen und die ihres Sohnes und reist ohne R├╝ckflugticket nach Berlin, zu ihren Eltern. Umay will in Deutschland leben, Cem soll hier aufwachsen. Doch Umays Familie, besonders ihr Vater Kader (Settar Tanri├Â├░en) und ihr ├Ąlterer Bruder Mehmet (Tamer Yigit) sind ├╝ber die Entscheidung Umays schockiert und sorgen sich um die Ehre der Familie. Schlie├člich ist es die Aufgabe der M├Ąnner, die Familienehre zu bewahren - eine Frau geh├Ârt dabei an die Seite ihres Mannes und sonst nirgendwohin. Einzig ihr j├╝ngerer Bruder Acar (Serhad Can) h├Ąlt noch zu seiner geliebten Schwester und versucht, diese zu besch├╝tzen.

Die junge Mutter versucht verzweifelt, ihren Vater zu ├╝berzeugen: "Er schl├Ągt mich". Doch die bittere Antwort des Familienoberhaupts trifft die junge Frau wie ein Schlag in die Magengegend: "Er ist dein Ehemann, heute schl├Ągt er, morgen streichelt er." Auch Umays Mutter Halime (Derya Alabora) ist ├╝berfordert und r├Ąt ihrem ├Ąltesten Kind: "H├Âr auf zu tr├Ąumen!".

Umay erkennt, dass ihre Eltern und Geschwister ihre gesellschaftlichen Zw├Ąnge nicht ablegen k├Ânnen. Als die patriarchale Familie zur Rettung der Ehre beschlie├čt, Cem zu seinem Vater in die T├╝rkei zur├╝ckzuschicken, da er ansonsten "zu einem Bastard" w├╝rde, ergreift die 25-J├Ąhrige erneut die Flucht. Sie kommt zuerst in einem Frauenhaus, dann bei einer Freundin unter. Umay bem├╝ht sich, f├╝r sich und ihren Sohn ein neues Leben aufzubauen.

Obwohl sie endlich auf eigenen Beinen steht, kann sie doch nicht richtig gl├╝cklich sein. Schmerzlich vermisst sie ihre Familie. Immer wieder sucht sie die Vers├Âhnung und k├Ąmpft um die Liebe ihrer Eltern. Diese haben jedoch mit ihrer Tochter bereits abgeschlossen, zu viel Schmach und Schande hat sie ihnen bereitet. Auch G├╝l (Nursel K├Âse), die Chefin Umays, kann beim Gespr├Ąch mit Kader und Halime nichts bewirken.

"Wenn sich deine Eltern entscheiden m├╝ssen zwischen dir und der Gesellschaft - sie werden sich nicht f├╝r dich entscheiden."

Auch Umays Geschwister lehnen den Kontakt zu ihr ab, Acar aus Angst, Rana und Mehmet aus Wut. Als sie ihren j├╝ngeren Bruder eines Tages auf der Stra├če wiedertrifft, ahnt sie nicht, dass dieses Wiedersehen folgenschwer enden wird.

Die 1980 in Heilbronn geborene Sibel Kekilli spielt die Rolle der Umay so authentisch und sensibel, als w├Ąre es ihre eigene Geschichte. Dank ihres schauspielerischen Talents gibt sie der Protagonistin ein Gesicht, das die Zuschauerin so schnell nicht vergessen kann. Ihre verzweifelten Tr├Ąnen und schmerzerf├╝llten Schreie, ihre Wut und ihre Trauer gehen der Beobachterin durch Mark und Knochen und lassen dem Publikum den Atem stocken.

Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Feo Aladag ist mit "Die Fremde" ein Film gelungen, der das Potenzial hat, die Gesellschaft aufzur├╝tteln. Sie selbst nennt ihr Deb├╝t "ein Destillat des Konfliktes", "eine emotionale, authentische, aber eben auch universelle Geschichte" und genauso kann "Die Fremde" auch vom Publikum empfunden werden. Die Zw├Ąnge, die Zerrissenheit und die gro├če Tragik der einzelnen Figuren werden von der Zuschauerin auch ohne lange Dialoge nachempfunden. Das Schicksal Umays erscheint beispielhaft.

Feo Aladag gibt aber mit ihrem Erstlingswerk auch ein klares Statement ab: Ehrenmord und Zwangsheirat d├╝rfen nicht als Europaferne Themen abgetan werden. J├Ąhrlich werden nach einer Studie des UN-Weltbev├Âlkerungsberichts ca. 5.000 M├Ądchen und Frauen in mindestens 14 L├Ąndern, darunter Pakistan, Jordanien und die T├╝rkei, im Namen der Ehre ermordet. Auch in Europa gibt es Gewalt im Namen der Ehre. Besonders h├Ąufig betroffen sind M├Ądchen und Frauen aus Familien mit Migrationshintergrund. Einerseits stehen sie sehr unter Druck, dem patriarchalen Rollenverst├Ąndnis ihrer Familien gerecht zu werden. Andererseits haben sie den Wunsch, ein gleichberechtigtes Leben zu f├╝hren. Allein in Deutschland haben sich seit dem Jahr 2004 bei dem Verein TERRE DES FEMMES mehr als 600 Betroffene gemeldet, die bedroht werden, weil sie die Ehre der Familie angeblich verletzt haben.

AVIVA-Tipp: Das filmische Drama "Die Fremde" lebt von einem immer wieder aufglimmenden Hoffnungsschimmer. Im Zentrum steht die Ann├Ąherung, die sich dann doch als verpasste Chance aufl├Âst. Die Zuschauerin hofft und leidet mit der Protagonistin, ist sprachlos, gel├Ąhmt und immer wieder traurig ber├╝hrt. Was nach dem Seherlebnis bleibt, ist ein dicker Klo├č im Hals.

Umay, die Fremde, eine Migrantin in ihrem Geburtsland und eine Au├čenseiterin in der T├╝rkei, erscheint weder exotisch noch fiktiv, sondern dank Sibel Kekillis feinf├╝hliger Darstellung nahezu allgegenw├Ąrtig. Dass ihre Suche nach sich selbst und dem Gef├╝hl der Heimat so gnadenlos scheitert, bewegt tief und nachhaltig. Und auch wenn "die Fremde" laut Feo Aladag "kein repr├Ąsentatives Portr├Ąt einer gesellschaftlichen Gruppe und auch keine Lebensanleitung" sein will, ├Âffnet der Film doch die Augen f├╝r eine Chance, eine M├Âglichkeit zu leben, die durchaus sp├╝rbar ist.

"Die Fremde" von Feo Aladag - ein ├Ąu├čerst wertvoller Film, ein Wachr├╝ttler, der unbedingt gesehen werden muss!


AVIVA-Berlin verlost 5 Original Soundtracks. Bei den Verlosungsexemplaren handelt es sich um den finalen Soundtrack, welcher in einem Pappschuber (mit Filmartwork und allem was dazu geh├Ârt) und nicht in der klassischen Plastikverpackung vorliegt. F├╝r Promotion- und Verlosungszwecke stellt der Musikverlag (Colosseum) nur diese Verpackung zur Verf├╝gung. Bitte nennen Sie uns den Titel des Musikvideos der Gruppe Rosenstolz, in welchem Sibel Kekilli die Hauptdarstellerin war und senden bis zum 10.04.2010 eine Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de




Die Fremde
Deutschland 2010
Buch und Regie: Feo Aladag
DarstellerInnen: Sibel Kekilli, Settar Tanri├Â├░en, Derya Alabora, Florian Lukas, Tamer Yigit, Serhad Can, Almila Bagriacik, Alwara H├Âfels, Nursel K├Âse, Nizam Schiller, Ufuk Bayraktar u.a.
Verleih: Majestic
Laufl├Ąnge: 119 Minuten
Kinostart: 11. M├Ąrz 2010
Der Film im Netz: www.diefremde.de




Gewinnspiele Beitrag vom 12.03.2010 Lisa Erdmann 





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