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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.04.2010

Ute Scheub - Heldend√§mmerung - Die Krise der M√§nner und warum sie auch f√ľr Frauen gef√§hrlich ist - Verlosung
Undine Zimmer

"Die m√§nnliche Identit√§t ist fragiler als die weibliche!", so die zentrale Aussage der Journalistin und Autorin Ute Scheub. In ihrem Buch... AVIVA verlost 3 B√ľcher



... er√∂ffnet sie uns eine wahrhaft provokante These, die in Kontrast zu allem steht, was die Geschichte uns bisher √ľber die Konstruktion von "M√§nnlichkeit" gelehrt hat, oder nicht?

W√ľrden die Bedingungen der Gleichberechtigung f√ľr alle - Frauen und M√§nner, verbessert, k√∂nnten sich notwendige strukturelle Verbesserungen f√ľr beide entwickeln, so das Hauptargument der Autorin. Positive Ver√§nderungen k√∂nnen jedoch kaum herbeigef√ľhrt werden, ohne dass die ungleiche Verteilung von Macht und Zugang zu Bildung aufgehoben wird. Machtgef√ľge, die Frauen den Zugang zu Bildung und B√ľrgerrechten verweigern, nehmen sich demnach selbst das Potential f√ľr ihre eigene Entwicklung.

Ihre Hauptthese untermauert Scheub in f√ľnf Kapiteln mit zahlreichen Beispielen, Anekdoten, kulturwissenschaftlichen Exkursen, ExpertInneninterviews und eingeflochtenen Reportagen. So profitiert besonders das Kapitel √ľber Afghanistan von ihrem pers√∂nlichen Engagement in Projekten, wie dem "Verein zur internationalen V√∂lkerverst√§ndigung Scheherazade e.V.", in Kabul.

Wer regiert die Welt? Bestandsaufnahme hegemonialer Männlichkeit

Scheub er√∂ffnet das erste Kapitel mit einer Analyse von Europas m√§chtigsten K√∂pfen und versieht sie mit zu ihrem F√ľhrungsstil passenden Spitznamen: Obama wird zu Obamerika, dazu gesellt sich Muschik (Macho) Putin, Sarkozy wird zu Super-Sarko dem bling-bling Pr√§sident. Nicht zuletzt finden auch die Merkeleien der Angela Merkel - der "K√∂nigin mit dem m√§chtigen Dekollet√©e" - Erw√§hnung.

Frauen sind nicht friedlich und Männer nicht kriegerisch

Zumindest nicht von Natur aus, behauptet Scheub und zieht eine Reihe von WissenschaftlerInnen und ExpertInnen im Interview, Studien zu Kinderverhalten und Hirnforschung heran. Damit √ľbt sie Kritik an der Forschung, die geschlechtliche Aggressions-Unterschiede biologisch zu verifizieren versucht. Das Fazit lautet: Die Geschlechter Aggression ist kulturell anerzogen, Frauen besitzen neurologisch gesehen nicht weniger Aggressionspotential als M√§nner, leben es aber kulturell bedingt unterschiedlich aus. Scheub glaubt aber, dass es auch anders geht und verweist auf ForscherInnen, die 25 friedliche Gesellschaften pr√§sentiert haben, welche geschlechtsegalit√§r sind. Diese Beispiele dienen wohl als Idealbild einer kosmopolitischen Gesellschaft, in der im n√§chsten Schritt auch Frauen als Vermittlerinnen in Aktion treten werden.

Die Potenz des Deutschen Helden ist seine Waffe

Seit sp√§testens dem Kaiserreich verschmilzt die Potenz der deutschen M√§nnlichkeit im Milit√§r und in seiner Waffe. Diese gab ihm die n√∂tige Autorit√§t und Haltung, als Familienoberhaut und Versorger zu agieren. Nimmt man ihm die Waffe, so die Konsequenz, nimmt man ihm die Potenz. Das Fazit lautet also wenig √ľberraschend, der deutsche Mann und der deutsche Vater befinden sich in einer gro√üen Krise. Denn dazu tragen die deutschen M√§nner den Schuldkomplex des Zweiten Weltkrieges in sich und dies √§u√üert sich heute oftmals in Fremdenhass. Dem gegen√ľber gestellt wird die heutige Medialisierung von M√§nnlichkeit und Machismos, der sich Scheub in einem kulturwissenschaftlichen Exkurs √ľber Bushido widmet.

In afghanischen Dörfern wird an den Fäden globaler Politik gesponnen

Religi√∂ser Fanatismus, extremer kultureller und sozialer Druck, einhergehend mit sexueller Frustration oder Nichtvorhandensein von Sexualit√§t, bietet laut Scheub die Grundlage f√ľr eine Psychoanalyse der M√§nnlichkeit von Attent√§tern und Selbstmordattent√§tern. Der 11. September wird aus dieser Perspektive betrachtet als ein Resultat von Vaterkomplex und gekr√§nkter M√§nnlichkeit.
Die patriarchalischen Strukturen in den von Scheub genannten Gesellschaften basieren auf einem stark ausgepr√§gt machistischem M√§nnlichkeitsbild. Diese bedienen sich der Mechanismen von Folter und Ausbeutung, Unterdr√ľckung der Frau, abnormer Gewalt, Machismos und Homophobie um ihre St√§rke aufrecht zu erhalten. Daraus folgen aber, wie Scheub darstellt, tiefe m√§nnliche Identit√§tskrisen, f√ľr die es keinen Raum in der patriarchalischen Gesellschaft gibt und die in fanatischen Formen ein Ventil suchen. Zugespitzt k√∂nnte man sagen: M√§nnlichkeit wirkt selbstzerst√∂rend auf M√§nnlichkeit wo Weiblichkeit kein Raum gegeben wird.

Gleichberechtigung

Das letzte Kapitel wird Erfolgsgeschichten gewidmet. Wie die Erfolgsgeschichte des NGO "Sonke Netzwerk" in Afrika, das sich f√ľr Geschlechtergerechtigkeit in Privathaushalten einsetzt. Die lange und grausame Geschichte des Vergewaltigens, das in der afrikanischen Gesellschaft immer noch allzu pr√§sent ist, wird zur Hintergrundfolie f√ľr starke Frauenorganisationen in Afrika, die anders als hierzulande rege Kooperationen mit M√§nnern f√ľhren. Afrika wird somit zum Erfolgsbeispiel und Vorbild gleichberechtigter Zusammenarbeit. Ebenso wird die Frauenorganisation im Kosovo zum Beispiel f√ľr einen Kampf der Geschlechter, der gemeinsam ausgetragen wird. In einem Konflikt mit den UNO-Friedenstruppen stellten sich die kosovaischen Soldaten auf die Seite der Frauenorganisation, indem sie sich selbst als Feministen bezeichneten.

AVIVA-Fazit: Worum es Ute Scheub geht, sind die Verh√§ltnisse von Herrschaft und Gewalt, T√§ter und Opfer. Die gr√∂√üten Bedrohungen f√ľr globale m√§nnliche Macht sind jedoch nicht gleiche Bildungschancen f√ľr Frauen und die Gleichberechtigung, sondern, so Scheub, die Ver√§nderung. Scheub beschreibt Komplexes und Umfassendes in einem lockereren Stil mit vielen literarischen Anspielungen. Die Autorin scheint ihre Vergleiche von √ľberall nehmen zu k√∂nnen und so kann auch der Erfolg einer Frauenorganisation in Ruanda f√ľr den europ√§ischen Kontext als Vorbild fungieren. Die St√§rke des Buches liegt vor allem in einzelnen Abschnitten, die auch f√ľr sich stehen k√∂nnen. Im Ganzen werden Thesen streckenweise zu polemisch zusammengefasst, etwa dann, wenn die Autorin zuspitzt: "`Das Patriarchat gef√§hrdet Ihre Gesundheit, es t√∂tet, Frauen und M√§nner` k√∂nnten Gesundheitsminister als Warnbanderole auf Zigarettenschachteln und Bierflaschen kleben".

Zur Autorin: Ute Scheub ist Autorin und freie Journalistin. Sie war 1978/79 Mitbegr√ľnderin der "taz" und 2003 des deutschen Frauensicherheitsrats. Mit ihrer afghanischen Freundin hat Scheub den "Verein zur internationalen V√∂lkerverst√§ndigung Scheherazade e.V." gegr√ľndet. Seit Herbst 2006 ist sie europ√§ische Koordinatorin des weltweiten Projektes "1000 Peacewomen Across the Globe". Weitere Infos und Kontakt: www.utescheub.de


AVIVA-Berlin verlost 3 B√ľcher. Bitte verraten Sie uns in welcher Stadt die Kanzlerin in einem tief dekolletierten Ballkleid in die Oper gegangen ist und senden bis zum 12.05.2010 eine Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de



Ute Scheub
Heldend√§mmerung - Die Krise der M√§nner und warum sie auch f√ľr Frauen gef√§hrlich ist

Pantheon, Klappenbroschur, 1. Auflage März 2010
400 Seiten
ISBN 978-3-570-55110-3
14,95 Euro

Weitere Infos finden Sie unter:

www.1000peacewomen.org

www.frauensicherheitsrat.de

www.afghanistan-nimroz.de


Gewinnspiele Beitrag vom 12.04.2010 Undine Zimmer 





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