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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.06.2010

Michel Bergmann - Die Teilacher. Verlosung
Adriana Stern

Auf der Leipziger Buchmesse wurden sie gefeiert - die Neuerscheinungen des Literatur-Fr├╝hjahrs. Und der erste Roman von Michel Bergmann hat es ...AVIVA verlost 3 B├╝cher



... auf Anhieb auf Platz Zwei der mitrei├čendsten Romane im Fr├╝hjahr 2010 geschafft!
"Der Teilacher, als Vertreter des Einzelhandels, ist das kleinste spaltbare Teilchen, das Atom der Kaufmannswelt. Was den Teilacher vom herk├Âmmlichen Handlungsreisenden unterscheidet: Der Teilacher ist Jude. Oder er gibt sich als solcher aus!"

Michel Bergmann erz├Ąhlt eine f├╝r den deutschen Buchmarkt (noch) h├Âchst ungew├Âhnliche Geschichte ├╝ber die R├╝ckkehr einiger Juden, die es wagten, sich nach 1945 wieder in Deutschland niederzulassen.
Das Leben und ├ťberleben von Juden, die sich eine Zukunft ausgerechnet im Land der T├ĄterInnen aufbauten, ist bis heute ├Ąu├čerst selten Thema in den Romanen deutscher AutorInnen und mit solcher Bravour, wie Michel Bergmann es im vorliegenden Roman aufgreift, noch nie!

Frankfurt im Januar 1972. David Bermann, der Einstein unter den Teilachern ist gerade gestorben und sein Neffe Alfred macht sich auf die Suche nach seiner Geschichte.
Beinahe lakonisch lassen die Teilacher den Neffen Alfred an ihren eigenen Lebenserinnerungen und dem Leben des gerade Verstorbenen teilnehmen. Alfred erinnert sich zeitgleich an die unz├Ąhligen Begegnungen mit seinem Onkel, den er geliebt hat wie einen Vater.
"Egal, was dir jemand erz├Ąhlt, begann David, die j├╝dische Welt des galizischen Schtetl wurde schon w├Ąhrend des ersten Weltkrieges zerst├Ârt. Wer wei├č das heute, dass der erste Weltkrieg f├╝r Millionen Menschen in Ostpolen, in Ruthenien, der Ukraine, der Bukowina erst nach dem Ende richtig losging. Ununterbrochen haben sie das Land ├╝berrannt, bis 1922 hat das gedauert, wei├č ich, Polen, Ukrainer, Russen, Wei├če, Rote, Freikorps, Kosaken, Zaristen, Republikaner. Und nat├╝rlich haben es alle gut gemeint! Man hat die Leute get├Âtet, um sie vor Schlimmerem zu bewahren."

David, der in Frankreich den Nazis nur knapp entkam, ging in den Widerstand und k├Ąmpfte in einer j├╝dischen Brigade gegen die Nazis. Nach dem Krieg lebte er wieder in Paris. Aber die Stadt war ihm fremd geworden und er war v├Âllig allein, seine Familie wurde in Majdanek ermordet. Eigentlich wollte er 1946 nur ein paar Gesch├Ąftsbeziehungen f├╝r einen Freund in Frankfurt kn├╝pfen... Doch dann ist er geblieben.
Wie einige seiner Freunde, die er in Frankfurt wiedertraf oder neu kennenlernte.
Darunter Max Holzmann, der w├Ąhrend der Shoah drei Mal nur knapp dem Tod entging und ein weiteres Mal nur knapp den Pogromen gegen Juden in Polen nach dem Krieg.
David Bermann, "ein gnadenloser Optimist in diesen schlechten Zeiten" gelingt es, Max Holzmann daf├╝r zu begeistern, ein Unternehmen aufzubauen. Mitarbeiter werden sich leicht finden lassen, auch davon ist David Bermann ├╝berzeugt. "Untersch├Ątzen Sie nicht die Fl├╝sterpropaganda. Jeder kennt einen, der einen kennt!"
Es dauert nicht lange, bis David Bermann, Emil Verst├Ąndig, Moische Krautberg und Jossel Fajnbrot als Teilacher f├╝r Max Holzmann ins Gesch├Ąft einsteigen, wie etwa ein Dutzend weitere Teilacher, die nun f├╝r Max Holzmann arbeiten.
Sie alle lassen Alfred an ihren tiefsten Gedanken, Gef├╝hlen, Zweifeln und Hoffnungen teilhaben. T├Ąglich sitzen sie nach der Arbeit zusammen und tauschen sich aus. Mit ihrem ganz eigenen, typisch j├╝dischen Humor und den vielen jiddischen Redewendungen, mit denen sie sich gegenseitig ein Zuhause geben.

Doch nicht alle k├Ânnen die grausame Vergangenheit ├╝berwinden und einen Halt im Leben nach dem Grauen finden. Krautberg erh├Ąngt sich. "Treblinka. Er ist nie dar├╝ber hinweggekommen."

AVIVA-Tipp: Danke, Michel Bergmann, f├╝r dieses wundervolle Buch voll intelligenten Humors und scharfsinniger Beobachtung! Dieser Roman ist traurig, lustig, melancholisch, k├Ąmpferisch, klug, ernsthaft, ironisch, alles zugleich. Er stimmt nachdenklich und l├Ąsst die Leserin schaudern, l├Ącheln, gr├╝beln und mit Sicherheit nicht kalt. H├Âchste Punktzahl f├╝r ein zugleich mutiges und notwendiges Buch!

Zum Autor: Michel Bergmann wird 1945 als Kind j├╝discher Eltern in einem Internierungslager in der Schweiz geboren. Nach einigen Jahren in Paris ziehen die Eltern nach Frankfurt am Main. Nach seiner Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau wird er freier Journalist. Er entdeckt seine Liebe zum Film und arbeitet u.a. als Autor, Regisseur und Produzent. Seit ├╝ber 15 Jahren schreibt er Drehb├╝cher f├╝r Film und Fernsehen. "Die Teilacher" ist sein erster Roman.


AVIVA-Berlin verlost 3 B├╝cher. Bitte beantworten Sie folgende Frage: Wann wurde die AVIVA-Rezension zu Die Teilacher ver├Âffentlicht und senden uns bis zum 15.07.2010 eine Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Michel Bergmann
Die Teilacher

Arche Verlag, erschienen 19.02.2010
Hardcover, 288 Seiten
ISBN: 978-3716026281
19,90 Euro

Weiterlesen auf AVIVA - Berlin:

"Allein unter allen" von Miriam Katin

"Chuzpe" von Lilly Brett


Gewinnspiele Beitrag vom 12.06.2010 AVIVA-Redaktion 





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