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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.07.2010

Amélie Nothomb - Der japanische Verlobte. Verlosung
Marie Heidingsfelder

"Weil nichts Schlechtes an ihm war, mochte ich ihn sehr. Weil ihm das Schlechte so fremd war, liebte ich ihn nicht." - AmĂ©lie Nothomb... AVIVA-Berlin verlost 3 BĂŒcher



...in Bestform: Leicht, schnell, intelligent - und Japan-verzaubert


Ein interkulturelles Beziehungsspiel

Im Original heißt "Der japanische Verlobte" "Ni dÂŽEve, ni dÂŽAdam" - weder von Eva, noch von Adam. Und tatsĂ€chlich nutzt die belgische Autorin das klassische Muster einer Liebesgeschichte im Ausland nur als Sprungbrett fĂŒr ihre eigene, ebenso originelle wie melancholische Variante, die heimlich drei ProtagonistInnen verbindet: AmĂ©lie, Rinri und Japan: Nach dem Studium in Belgien erfĂŒllt sich AmĂ©lie Nothomb ihren Traum und kehrt nach Japan zurĂŒck, in das Land, in dem sie die ersten sechs Jahre ihres Lebens verbrachte. Zwei Jahre verbringt sie dort und wĂ€hrend sie in "Mit Staunen und Zittern" ihr vollendetes Scheitern - degradiert zur Klofrau eines japanischen Unternehmens - beschrieb, ist "Der japanische Verlobte" ihrem ersten Jahr gewidmet: Einem Jahr, in dem ihr Staunen und Zittern noch der bloßen Faszination fĂŒr die wieder gefundene Kultur und ihre erste Liebe gilt.

Über eine kleine Anzeige in einem japanischen Supermarkt - "Französisch-Einzelunterricht, attraktiver Preis" - lernt die 22-jĂ€hrige belgische Studentin ihren SchĂŒler Rinri kennen. Schnell wird der immer gleich gekleidete, rĂ€tselhafte Junge aus reichem Elternhaus ihr koibito: Derjenige, an dem sie Geschmack findet. Was ihr an Rinri schmeckt, ist seine Eigenartigkeit, in der sich japanische Traditionen mit möglichst westlichen Gewohnheiten mischen. Er ist zurĂŒckhaltend, ernsthaft und höflich - aber gleichzeitig isst er lieber Salami mit Mayonnaise statt Sushi und trĂ€umt davon, ein mittelalterlicher Tempelritter zu werden.
AmĂ©lie vereint die kulturellen GegensĂ€tze ihrer zwei Heimaten auf ebenso widersprĂŒchliche Weise: In dem Wunsch, Kindheitserinnerungen neu zu erleben, stĂŒrzt sie sich auf alle erreichbaren Elemente der japanischen Kultur: Sie isst lebendige Tintenfische, besteigt den Fuji und beobachtet aus ihrem High-Tech-Appartement die KirschblĂŒte per Fernglas.

Zwischen Französisch und Japanisch entspinnt sich eine ebenso rĂŒhrende wie absurde Beziehung: AmĂ©lie und Rinri genießen die japanische Kultur, die fĂŒr Verliebte eine feste Infrastruktur aufgebaut hat. Wie auf einem Parcours gehen sie die "romantischen" Orte und SehenswĂŒrdigkeiten ab, genießen das buchstĂ€bliche Gesellschaftsspiel und beglĂŒcken sich an ihren gegenseitigen Besonderheiten.
So bringt Rinri zum gemeinsamen Abendessen einen komplett ausgestatteten Koffer fĂŒr "typisches Schweizer Fondue" mit, mitsamt einem intergalaktischen Brenner, einem antihaftbeschichteten Caquelon, ein SĂ€ckchen mit SchaumstoffkĂ€se, unvergĂ€nglichem Brot und einer Flasche mit Frostschutzweißein. Typisch japanisch ist das ungenießbare Ergebnis fĂŒr ihn allein der Geste wegen der Gipfel der Romantik, wĂ€hrend AmĂ©lie verzweifelt versucht, den kĂ€sigen FĂ€den mit Chili-Geschmack abzuringen und schließlich, der reinen kindlichen Neugier wegen, beide HĂ€nde in die halbgekĂŒhlten Reste taucht. Was folgt, ist die wahre Romantik ihrer Beziehung, eine verspielte, verunsicherte und rĂŒhrende Variante, die sich in den ZwischenrĂ€umen der strengen japanischen Infrastruktur ausbreitet: Aus Angst, sie mit dem Messer zu verletzen kniet Rinri vor ihr und knabbert den gelben Klumpen ab, in dem ihre HĂ€nde seifenresistent verschmolzen sind.
Nie verstehen sich die beiden blind, vielmehr sind sie stÀndig dabei, sich zu be-wundern und neu zu entdecken. Alles könnte so leicht und verspielt bleiben, wÀre nicht Rinri entschlossen, ernst zu machen...

Big in Japan

In "Der japanische Verlobte" zeigt sich ein weiteres mal die große StĂ€rke von AmĂ©lie Nothombs Romanen: Sie sind nicht lang, aber wichtiger noch, sie haben keine LĂ€ngen. Ein stĂ€ndiger Hunger nach Selbstauslotung, nach Grenzerfahrungen und nach VerzĂŒckung treibt Handlung und Sprache unaufhörlich voran. Meist basiert der Plot auf einer einzigen, ausgefallenen Idee, die das Lesen zu einer wahnwitzigen Fahrt in einen Strudel von absurden Situationen und emotionalen Extrema verwandelt. Getragen wird diese Achterbahn von genauen Beobachtungen und von einer tiefen Faszination fĂŒr sich selbst und andere.
"Ich lese grad ein Buch von AmĂ©lie Nothomb ĂŒber ein Kind, das sich wie eine Pflanze verhĂ€lt" habe ich mich einmal erstaunt begeistert sagen hören - und "Metaphysik der Röhren" dennoch ohne abzusetzen beendet.
Besonders ist, dass sie trotz der scheinbaren Unbeschwertheit nicht in den Verdacht des Leichtsinns oder der Seichtheit gerĂ€t: AmĂ©lie Nothomb beherrscht die traurigen Passagen ebenso ĂŒberzeugend, wie die amĂŒsanten - und immer spĂŒrt man ihren bloßen Spaß am Schreiben.

Aviva Tipp : "Der japanische Verlobte" hĂ€lt, was die frĂŒheren Romane von AmĂ©lie Nothomb versprechen: OriginalitĂ€t, hohes Tempo, Menschenkenntnis und sprĂŒhende Intelligenz. Ein Roman, der unterhĂ€lt, den Blick schĂ€rft und lange Zugfahrten verschlingt.




AVIVA-Berlin verlost 3 BĂŒcher. Bitte nennen Sie uns den Namen des japanischen Unternehmens, bei dem AmĂ©lie Nothomb in ihrem zweiten Japan-Jahr nach dem Studium gearbeitet hat und senden bis zum 7.8.2010 eine Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de




Zur Autorin: AmĂ©lie Nothomb wurde 1967 als Tochter eines belgischen Diplomaten in Kobe, Japan, geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie hauptsĂ€chlich in Fernost. Außer Japan, China, Bangladesch und Burma lebte sie in den USA, bevor sie mit 17 nach Belgien kam, wo sie romanische Philologie studierte. 1992, mit 25, veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Die Reinheit des Mörders" - ein DebĂŒt, mit dem ihr sofort der nationale und internationale Durchbruch gelang.
Ihrer eigenen Aussage nach schreibt Amélie Nothomb genau 3,7 Romane pro Jahr, von denen sie nur einen einzigen veröffentlicht, da die anderen daneben gegangen und unlesbar seien. Gleichsam beschreibt sie sich als "schwanger mit Romanen."


Amélie Nothomb
Der japanische Verlobte

Originaltitel: Ni d®Eve, ni d®Adam, 2007, Éditions Albin Michel
Übersetzt aus dem Französischen von Brigitte Große
Diogenes Verlag, erschienen Februar 2010
Hardcover, 162 Seiten
ISBN-13: 978-3257067460


Weitere Infos zur Autorin finden Sie unter www.diogenes.ch

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
Unsere Rezension zu Reality Show von Amélie Nothomb

Gewinnspiele Beitrag vom 07.07.2010 Marie Heidingsfelder 





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