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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 31.08.2010

Katarina Bader - Jureks Erben. Vom Weiterleben nach dem √úberleben. Verlosung
Miriam Hutter

Eine zutiefst ber√ľhrende, sehr pers√∂nliche Geschichte √ľber den Zeitzeugen und Menschen Jurek Hronowski und die Autorin selbst, sowie dar√ľber,... AVIVA verlost 3 B√ľcher



... wie ein Erz√§hlen √ľber Auschwitz m√∂glich sein k√∂nnte. "Jurek war sechzig Jahre √§lter als ich und Pole, seine Jugend hatten ihm die Deutschen geraubt."

Es war im Jahre 1997, als die damals 18-jährige Katarina Bader den fast 80-jährigen Jerzy Hroronowski, genannt Jurek, in der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz kennen lernte. Damit nahm eine außergewöhnliche Freundschaft ihren Anfang, die bis zu Jureks Tod im Jahr 2006 andauern sollte.

Im Februar 2010 ist das Buch von Bader, "Jureks Erben", erschienen, in dem die junge Autorin von dieser Begegnung und ihren Folgen f√ľr ihr Leben und das von vielen anderen Menschen erz√§hlt, die Jurek getroffen hatten.
Beginnend mit der Beerdigung Jureks entwirft die Autorin ein dichtes Erzählgewebe.
Im Mittelpunkt steht der KZ-√úberlebende, dem dieses Buch gewidmet ist und der f√ľr viele - besonders f√ľr viele Deutsche - zu einer Art Held wurde. 2002 hatte er das Bundesverdienstkreuz bekommen: nicht nur hatte er sich f√ľr die deutsch-polnische Schulbuchkonferenz stark gemacht, sondern er war auch ma√ügeblich an der polnisch-deutschen Vers√∂hnungsarbeit beteiligt. Vor allem aber war er, wie Bader schreibt, der "Star" unter den ZeitzeugInnen, die von ihrer Zeit in Auschwitz erz√§hlten.

Drei√üig Geschichten waren es, die der charismatische Jurek Sch√ľlerInnen- und Reisegruppen, vor allem aus Deutschland, dabei auf immer gleiche Weise vortrug, und die immer wieder aufs Neue bewegten. Geschichten, die mit der ausweglosen Situation Jureks begannen und mit kleinen Wundern, oder zumindest einem Hoffnungsschimmer endeten.
Laut Katarina Baders Recherchen, die sie nach dem Tod Jureks begonnen hatte, entstanden die drei√üig Geschichten in dieser Form erst Mitte der 1980er Jahre. Noch etwas stellte die im Zuge ihrer Nachforschungen Autorin fest: in den 1965er Jahren waren Jureks Geschichten sehr viel mehr von dem erlebten Leid gepr√§gt und zudem weniger logisch aufgebaut. So konnte Jurek in seinen fr√ľhen Geschichten nicht verhindern, dass zw√∂lf der Mitdeportierten in dem engen Zugabteil erstickten, wohingegen dies sp√§ter durch das trickreiche √Ėffnen eines Fensters m√∂glich wurde.

Doch welche Geschichten sind nun die wahren Geschichten, und: wer war Jurek wirklich? Mit diesen Fragen begab sich die Autorin auf die Suche nach Antworten.
Auf dieser Reise, die sie durch Deutschland √ľber Polen nach Amerika f√ľhrte, sprach Katarina Bader mit vielen Menschen, die Jurek gekannt hatten und die ihr teils widerspr√ľchliche Antworten gaben.
Und immer wieder lässt sie Jurek selbst, in seinem eigenwilligen Deutsch, das er im KZ lernte, zu Wort kommen:

"(‚Ķ) Um wirklich √ľber Auschwitz zu erz√§hlen, sollte ich aber systematisieren, und zwar das ganze Leben w√§hrend der f√ľnf Jahren der Existenz des Lagers, multipliziert per ‚Äď mehrerer Millionen Menschen, das wieder per 365 Tage um Jahr und lauter Stunden und Minuten und Sekunden, in welchen ununterbrochen Tausende, Zehntausende und mehr gequ√§lt, gedroschen, terrorisiert waren, um dem Dritten Reich, bevor sie starben, noch Profit zu geben in √∂konomischen Dingen."

So wird in "Jureks Erben" deutlich, dass es niemals gelingen kann, von Auschwitz zu berichten. Ein Erz√§hlen dar√ľber ist nur fragmentarisch m√∂glich und vielleicht ist es notwendig, einen Teil des Unertr√§glichen auszulassen, um Weiterleben zu k√∂nnen.

Katarina Bader geht in ihrem Buch auf die Suche nach dem "wahren" Jurek, der zwar sehr schnell Freundschaften schloss, sich aber mit einer Gro√üzahl seiner Freunde √ľberwarf. So hat die Autorin nicht nur Jureks Sicht der Dinge festgehalten, sondern auch Gegensichten in ihre Beschreibung aufgenommen, die ihren geliebten Jurek in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Die Geschichte Jureks kann Bader nicht erz√§hlen, ohne √ľber ihre eigene Geschichte zu sprechen und auch √ľber all die Menschen, in deren Leben Jurek Spuren hinterlassen hat...
Bewundernswert ist nicht nur, wie die Autorin den "roten Faden der Liebe", der sie mit Jurek verbindet, festzuhalten versteht, während ihr Bild von ihm Risse bekommt, sondern vor allem auch, dass sie diese Erkenntnis den LeserInnen nicht vorzuenthalten versucht.

Schnörkellos, ohne jegliches Pathos fließen in "Jureks Erben" die Geschichten von drei Generationen mit ein, deren gemeinsamer Bezugspunkt Jurek Hronowski ist. Beeindruckend ist, mit welcher Leichtigkeit die Autorin persönliche Erzählungen mit der Geschichte Polens und der deutschen NS-Zeit verbindet.

Einf√ľhlsam im Austarieren einer "Wahrheit", die jeder und jedem letztlich seine eigene Version davon zugesteht, nimmt Katarina Bader eher eine Vermittlerinnenposition ein, als einen Richterinnenposten. Gerade ihre Vorbehaltlosigkeit, die sich vielleicht mit der Distanz der dritten Generation erkl√§ren l√§sst sowie der Versuch der Autorin, ihren Protagonisten zu verstehen, geben den Blick frei auf die Vielf√§ltigkeit von Erinnerungen.

AVIVA-Tipp: In Katarina Baders Buch werden ihre Erinnerungen an die Zeit mit Jurek, die Erinnerung der anderen an ihn und seine eigenen Geschichten zu einem dichten Gewebe verflochten, innerhalb dessen die Fragen nach einem "Weiterleben nach dem √úberleben" behandelt werden. Dies geschieht in einer einf√ľhlsamen Weise, die den LeserInnen einen wirklichen Einblick in die Komplexit√§t von Geschichte, Lebensgeschichten und Erinnerungen gibt.
Aus dem Blickwinkel der dritten Generation heraus geschrieben, geh√∂rt dieses besondere Buch in m√∂glichst jedes deutsche B√ľcherregal!

Zur Autorin: Katarina Bader wurde 1979 geboren und wuchs in einem Dorf am Fu√ü der Schw√§bischen Alb auf. In M√ľnchen, Krakau und Warschau studierte sie Journalistik, Politikwissenschaft und Osteurop√§ische Geschichte. Eine journalistische Ausbildung erhielt sie an der Deutschen Journalistenschule. Katarina Bader lebt in M√ľnchen, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universit√§t und ist au√üerdem als freie Journalistin t√§tig. 2007 wurde sie mit dem Deutsch-Polnischen Journalistenpreis ausgezeichnet. (Quelle: Verlagsinformation)

AVIVA-Berlin verlost 3 B√ľcher. Bitte schreiben Sie uns, mit welcher Krankheit Jurek in Auschwitz infiziert wurde und senden bis zum 15.10.2010 eine Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de



Weiterlesen: Herr Hronowski und ich von Katarina Bader im Jetzt-Magazin

Katarina Bader
Jureks Erben

Kiepenheuer & Witsch Verlag, erschienen Februar 2010
Gebunden, 384 Seiten
19,95 Euro
ISBN: 978-3462042009


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Aber erst m√ľ√üt ihr mich kriegen von Irene Awret

Auschwitz - Der Tod hat nicht das letzte Wort, hHerausgegeben von Marie-Louise Jung und Christiane Rohleder

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Gewinnspiele Beitrag vom 31.08.2010 AVIVA-Redaktion 





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