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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.09.2010

Fish Tank - Ein Film von Andrea Arnold - Verlosung
Evelyn Gaida

Filmszenen und -bilder, die das Genre Film, die visuellen K├╝nste auf den Punkt bringen: Es spricht sich immer wieder etwas darin ... AVIVA verlost 5 x 2 Freikarten



... aus, das sich den Worten entzieht. Schon nach f├╝nf Minuten sind die ZuschauerInnen schlagartig mitten hineingesto├čen in die Welt der 15-j├Ąhrigen Hauptfigur Mia, einen englischen Stadtbezirk gepr├Ągt von Beton, Wohnblocks, ├ľdnis und sozialer Verwahrlosung. In den typischen Brennpunkt am unteren Rand der Gesellschaft also. Typisch ist an diesem Film sonst gar nichts.

Zwar ist sofort klar, dass sich hier ein Sozialdrama entspinnt, worin auf eine realit├Ątsnahe Darstellung sehr gro├čer Wert gelegt wird ÔÇô jedes Detail hat in dieser Hinsicht Wiedererkennungswert: Die Trainingsanz├╝ge, die gro├čen Ohrringe, die Inneneinrichtung der Wohnung, die knallig bunte W├Ąsche auf den grauen Balkonen, die bulligen Kampfhunde auf der Stra├če ÔÇô doch gerade die au├čergew├Âhnliche Zusammenstellung und Betrachtungsweise von Details ist das Herausragende an diesem Film.

Wut im Bauch

"Fish Tank" startet scheinbar wahllos an einem beliebigen Punkt in Mias Teenagerleben, das schon zu Beginn unter Hochspannung steht. Gerade hat sie sich mit ihrer besten Freundin entzweit und zieht extrem geladen durch die Stra├čen. Einige Minuten sp├Ąter setzt es bereits eine heftige Kopfsto├č-Attacke gegen ein M├Ądchen aus einer Gruppe, mit der Mia sich anlegt. Zuhause angekommen wird die Streitsuchende von ihrer Mutter herumgeschubst und der raue Wind, der in ihrem Alltag weht, ist nach k├╝rzester Zeit vollkommen pr├Ąsent. Kameraeinstellungen auf Gegenst├Ąnde in der Wohnung bilden einen bizarren Kontrast zu dieser feindseligen Atmosph├Ąre: Kitschiges und Niedliches, die vorherrschenden Farben Rosa und Hellblau, das fadenscheinige Anpreisen der Segnungen bestimmter Haushaltsgegenst├Ąnde im Werbefernsehen.

Was folgt, ist jedoch nicht vorrangig eine niederdr├╝ckende Darbietung der Ausweglosigkeit und der Verrohung, sondern in Mias Fall vor allem der Vergeudung menschlichen Potentials, das sein ├ťberma├č an Energie durch eine explosive Mischung aus aggressivem und defensivem Verhalten ableitet. L├Ąngst von der Schule geflogen, findet Mia dennoch eine M├Âglichkeit, kreativ mit dem inneren und ├Ąu├čeren Chaos umzugehen. Allein in einer leer stehenden Wohnung entwickelt und tanzt sie Choreographien zu Rap- und Hip Hop-Songs. Wer nie etwas mit dieser Musik anzufangen wusste, kann deren Stakkato-Wucht und Wut im Bauch nach diesem Film wahrscheinlich besser nachf├╝hlen.

┬ę Kool Filmdistribution


Connor

Ein Hauch von F├╝rsorge, Ermutigung und Verst├Ąndnis zieht unerwartet in Mias Leben ein, als Connor (Michael Fassbender) auftaucht, der neue Freund ihrer Mutter. Er kontert l├Ąssig ihre kratzb├╝rstigen Provokationen, ist hilfsbereit, aufmerksam und sieht auch noch aus wie David Beckham. Zwischen ihm und der Tochter seiner Freundin besteht von Anfang an eine starke Verbindung, die im Lauf des Films immer spannungsgeladener wird.

Realit├Ątscharakter

Ihrer herben Hauptfigur kommt die Regisseurin sehr, sehr nahe und reduziert die Distanz zwischen ihr und den ZuschauerInnen soweit es irgend m├Âglich scheint. Die Kameraf├╝hrung ist hochbeweglich und wirkt ├Ąu├čerst spontan, zahlreiche, teils extreme Nahaufnahmen suggerieren Lebensn├Ąhe, beziehen die ZuschauerInnen mit ein und machen ihnen die Enge eines Raumes oder die N├Ąhe zwischen Menschen sp├╝rbar, als w├Ąren sie selbst vor Ort. So auch, als die Mutter der widerspenstigen Tochter (und den ZuschauerInnen) quasi aus dem Nichts attackierend entgegenkommt oder als Connor die betrunken Eingeschlafene in ihr Bett tr├Ągt: Verschwommen und halbverdunkelt wird der wackelige Blick unter Mias Arm hindurchgeworfen, der in unscharfer ├ťbergr├Â├če erscheint, zu h├Âren ist dabei nur das Rascheln der Kleidung.

Kampfgeist und Zerbrechlichkeit

Ein zentrales Anliegen Arnolds war es, m├Âglichst viele Laien-SchaupielerInnen zu casten. Als Mia wurde die 17-j├Ąhrige Katie Jarvis besetzt, die keinerlei schauspielerische Erfahrungen hatte und nicht durch Vorsprechen auf sich aufmerksam machte, sondern durch einen Streit mit ihrem Freund auf einem Bahnsteig. "Sie kam von da, wo wir drehen wollten und f├╝hlte sich sehr echt an", begr├╝ndet die Regisseurin ihre Entscheidung. Beim Film Festival in Edinburgh 2009 wurde Jarvis inzwischen als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Sie ist in der Lage, Mias unbeugsamen Kampfgeist und herausfordernde Aufm├╝pfigkeit ohne viel mimischen Aufwand durchl├Ąssig zu machen f├╝r eine verborgene Zerbrechlichkeit und Kindlichkeit, eine abwartende und staunende Stille. Diesen Widerspruch hebt Arnold mittels vieler Gro├čaufnahmen der Physiognomie ihrer Hauptdarstellerin hervor, in denen sich das Ausma├č von Mias Einsamkeit und Verlorenheit ohne Worte ausdr├╝ckt.

┬ę Kool Filmdistribution


Subversive Poesie

Echt-Wirkung und Realit├Ątscharakter in Kameraf├╝hrung, Darstellung, Sprache, Drehort (Essex, s├╝dlich von London, Mardyke-Siedlung) und Ausstattung werden von einer Beleuchtung begleitet, die das ungn├Ądige und ern├╝chternde Licht des Milieus oftmals untergr├Ąbt. Die zeitweise einbrechende Farbintensit├Ąt von Halbdunkel, Gegenlicht und D├Ąmmerung stiftet eine subversive Poesie und einen expressiven Gegensatz, der noch krasser wird, als Mia eine spezifische Realit├Ąt schonungslos vor Augen tritt. "Fish Tank" kommt dabei g├Ąnzlich ohne altbekannte und vordergr├╝ndige Schockeffekte aus, sondern speist seine Dramatik aus einem inneren Geschehen heraus: Die Handlung verf├╝gt ├╝ber einen doppelten Boden, eine durchdringende seelische Spannung oder untergr├╝ndige Metaphorik. Das Ger├Ąusch des Hammers, mit dem Mia auf eine Eisenkette einschl├Ągt, um ein abgemagertes Pferd aus der ├ľdnis eines asphaltierten Wastelands zu befreien, geht durch Mark und Bein. Ebenso die W├Ąrme und N├Ąhe, die von dem bedauerten Gesch├Âpf f├╝r Mia ausgehen. Die Kameraf├╝hrung bringt diese Emotionen den ZuschauerInnen wiederum sehr nahe, indem sie Fell, R├╝cken und Kopf des Pferdes als lebendige, atmende und vor allem f├╝hlende Landschaft inmitten der Asphaltw├╝ste behandelt. Andrea Arnold konzentriert und destilliert die Wirklichkeit ihrer Hauptfigur auf solche Weise immer wieder zu etwas Hochprozentigem, das noch auf der Seele brennt, wenn der Film l├Ąngst vorbei ist.

AVIVA-Tipp: Durch die herausragende Filmkunst der Regisseurin Andrea Arnold und das au├čergew├Âhnliche Schauspieldeb├╝t der Hauptdarstellerin Katie Jarvis wird ein Teenagerschicksal an einem sozialen Brennpunkt lebensecht, ungesch├Ânt, hochpoetisch und energiegeladen erz├Ąhlt. Die Intensit├Ąt dieses Films trifft mitten ins Herz.

Zur Regisseurin: Andrea Arnold wurde 1961 im englischen Kent geboren. Sie ist nicht nur Filmemacherin und Regisseurin, sondern auch Schauspielerin. Ihren ersten gro├čen Erfolg als Filmemacherin hatte sie mit dem Kurzfilm WASP, der 2005 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Ihr erster Spielfilm RED ROAD und ihr zweiter Spielfilm FISH TANK wurden beide nach Cannes in den Wettbewerb eingeladen und gewannen jeweils den Preis der Jury. Andrea Arnold lie├č ihre Arbeit als Moderatorin von Kindersendungen nach dem Gewinn des Oscars f├╝r ihren Kurzfilm WASP hinter sich und widmet sich seitdem ganz der Arbeit als Filmregisseurin.
FISH TANK wurde bei den British Independent Film Awards 2009 in der Kategorie "Beste Regie" ausgezeichnet, ebenso als "Outstanding British Film" beim BAFTA-Film-Award 2010.


AVIVA-Berlin verlost 5 x 2 Freikarten. Bitte schreiben Sie uns, wo "Fish Tank" uraufgef├╝hrt wurde, und senden Sie die Antwort bis zum 24.10. 2010 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de



Fish Tank
UK 2009
Buch und Regie: Andrea Arnold
DarstellerInnen: Katie Jarvis, Michael Fassbender, Kierston Waring u.a.
Verleih: Kool Filmdistribution
Laufl├Ąnge: 122 Minuten
Kinostart: 23. September 2010

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.FishTank-Film.de
www.facebook.com
www.twitter.com

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Red Road

Gewinnspiele Beitrag vom 24.09.2010 Evelyn Gaida 





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