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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.03.2006

Knallhart in Neuk├Âlln
Tatjana Zilg

Detlef Buck ├╝berrascht l├Ąngerer Pause mit einem ernsten Thema: Knallharte Gewalt unter Jugendlichen. AVIVA-Berlin verlost 3 Berliner Club- und Barquartette



Was tun, wenn der wohlhabende Liebhaber im herablassenden Ton ein Ultimatum f├╝r die Erh├Âhung des Sex-Appeals stellt? Miriam (Jenny Elvers-Elbertzhagen) packt ihre Sachen und zieht aus der Zehlendorfer Villa da hin, wo die Mieten noch g├╝nstig sind: Nach Neuk├Âlln. Ihrem f├╝nfzehnj├Ąhrigen Sohn Michael Polischka (David Kross) bleibt nichts anderes ├╝brig, als seiner Mutter zu folgen und sich einem Umfeld zu stellen, das nach ganz anderen Regeln funktioniert als er es von Zehlendorf gewohnt ist.

Als der Lehrer ihn der neuen Schule ihn der Klasse vorstellt und dabei verr├Ąt, woher Polischka kommt, sind die Weichen schon gestellt. Sein Mitsch├╝ler Erol (Oktay ├ľzdemir) und dessen Gang lauern ihm wenig sp├Ąter auf, ziehen Handy und Schuhe ab und fordern Geld von ihm, damit sie ihn zuk├╝nftig in Ruhe lassen. Zahlt er nicht, wird die Gewalt gegen ihn gesteigert.

Scheinbar hat Polischka Gl├╝ck, als ihn der erwachsene Gro├čdealer und Handyhehler Hamal (Erhan Emre) unter seine Fittiche nimmt. F├╝r Kurierdienste bekommt er Geld und gegen├╝ber der Gang wird klargestellt, dass Polischka nun unter dem Schutz der "Itaker" steht, angef├╝hrt von Hamal. Doch die Auftr├Ąge werden immer risikoreicher und stellen Polischka schlie├člich vor eine hochgef├Ąhrliche Entscheidung.

Nachteilig auf den Film wirkt sich die starke Fokussierung auf eine einzige Hauptfigur aus - Michael Polischka. Die brillant und durch sorgf├Ąltiges Casting besetzten Nebenrollen und die mit Jenny Elvers-Ebertzhagen besetzte zweite Hauptrolle der Mutter h├Ątten sicherlich anderes erlaubt. Stattdessen verfolgt Detlev Buck die Drogenkurier-Karriere von Polischka in ganzer L├Ąnge und verleiht der Handlung Krimicharakter, wobei ein wesentliches Element fehlt: Es ist stets klar, wer gut und wer b├Âse ist. Hamal wirkt zwar wie eine Vaterfigur auf Polischka, bleibt aber dennoch stets als Ganove deutlich erkennbar. Der dramaturgische Effekt der Schlussszene, wo Hamal von Polischka das Unm├Âgliche verlangt, ist dadurch vorhersehbar und ben├Âtigt nicht diese stark auf die Dealert├Ątigkeit konzentrierte Storyline. Hier w├Ąre es w├╝nschenswert gewesen, den Nebencharakteren mehr Raum zu geben. Beispielsweise bleibt unklar, aus welchem Milieu Miriam urspr├╝nglich stammt und wieso die einzige Begegnung mit einer Freundin darin endet, das sie erf├Ąhrt, dass diese nun die Geliebte des reichen Zehlendorfer Ex-Lovers ist.

Zum Regisseur:
Detlev Buck
ist Schauspieler, Autor und Regisseur. Erst 22 Jahre alt deb├╝tierte er 1993 als mit der Regie von "Erst die Arbeit und dann ...?". F├╝r "Karniggels" erhielt er den Bayerischen Filmpreis, mit "Wir k├Ânnen auch anders" erntete er eine Lobende Erw├Ąhnung im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele und vier Filmb├Ąnder in Gold und ein Filmband in Silber beim Bundesfilmpreis 1993. "M├Ąnnerpension" von 1996 geh├Ârt zu den erfolgreichsten deutschen Filmen und machte Heike Makatsch und Marie B├Ąumer bekannt.

AVIVA-Tipp: F├╝r BerlinerInnen ist "Knallhart" sicherlich fast Pflicht. Wer Neuk├Âlln und die soziale-Brennpunkt-Debatte kennt, wird diese Kombination aus Buck`schem Humor und scharfsinniger Sozikritik mit der notwendigen Distanz f├╝r die Klischees, die am Rande der Storyline ├Âfters lauern, genie├čen k├Ânnen. Und nicht nur das, der Film r├╝ttelt tats├Ąchlich auf und sensibilisiert f├╝r das wachsende Problem der Jugendgewalt, die leider mit den neuen Technologien weiter an Brutalit├Ąt gewinnt - man erinnere sich nur an den Fall von digitalgefilmten Qu├Ąlen eines Jugendlichen an einer Berufschule in Hildesheim.
Zu hoffen ist, dass "Knallhart" durch die stark unterhaltenden Komponenten ein breites Publikum erreicht und zum Diskutieren des ernsten Kernthemas aufr├╝ttelt - wird hier in der Realit├Ąt doch gerne schnell weggesehen.

Lesen Sie auch das Interview mit Jenny Elvers-Elbertzhagen.


AVIVA-Berlin verlost 3 Berliner Club- und Barquartette von www.kultquartett.de. Das Quartettspiel mit 44 spannenden Berliner Bars und Clubs. Der Clou: Jede Spielkarte ist gleichzeitig ein Thekengutschein f├╝r Freigetr├Ąnke und andere Verg├╝nstigungen. Gesamtwert ├╝ber 315 Euro. Bitte nennen Sie uns den Titel des Erstlingswerks von Detlef Buck und senden Sie bis zum 30.03.2006 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiel@aviva-berlin.de





Knallhart

Regie: Detlev Buck
Drehbuch: Zoran Drvenkar, Gregor Tessnow
Nach dem gleichnamigen Jugendroman von Gregor Tessnow
Deutschland 2006, 98 Min., FSK ab 12 J.
DarstellerInnen: David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Inan├ž Oktay ├ľzdemir, Kida Khodr Ramadan, Arnel Taci, Kai Michael M├╝ller, Hans L├Âw, Jan Henrik Stahlberg u.a.
Verleih: Delphi
Kinostart: 09.03.2006

Die Website zum Film - sehr originell und technisch hochwertig gestaltet, inklusive Forum und Hinweisen zur Gewaltpr├Ąvention:
www.knallhart-derfilm.de

Gewinnspiele Beitrag vom 06.03.2006 AVIVA-Redaktion 





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