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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 09.03.2006

Hörbuch - Ein ganz gewöhnlicher Jude
Sharon Adler

Das Buch des Schweizer Autors Charles Lewinsky in der H√∂rspielfassung. Vorgelesen von Ben Becker. (Fast) alle Infos √ľber Juden in 69 Min. AVIVA-Berlin verlost 3 CDs



Ganz gewöhnliche Juden?
In einem √§hnlichen Dilemma wie der Protagonist des Buches ‚ÄěEin ganz gew√∂hnlicher Jude" befindet sich in dieser Minute die Rezensentin ‚Äď wo fange ich an, was schreibe ich, was nicht, wie kann ich das Thema und den Tenor intelligent erkl√§ren, verst√§ndlich transportieren - und vor allem ‚Äď zum H√∂ren, Lese- oder Kinobesuch motivierend darstellen? Denn sowohl die Buchvorlage, die H√∂rspielfassung als auch die Verfilmung ist absolut sehenswert ‚Äď jedes einzelne Wort, jeden Satz und jede Geste m√ľsste man hier ver√∂ffentlichen.

Nu...:
Der Journalist Emanuel Goldfarb (Ben Becker) wird gebeten, vor einer 8. Schulklasse √ľber sein Leben "als (nach 1945 in Deutschland geborene) Jude in Deutschland" zu sprechen. Eine "Schnapsidee", meint Goldfarb. Ist nicht schon genug zum Thema "Juden in Deutschland" gesagt, geschrieben, lamentiert worden?

"Was soll ich f√ľr ein Gesicht dabei machen? Freundlich l√§chelnd? So? Oder besser so? Die Last von viertausend Jahren Geschichte auf meinen Schultern? Oder lieber so, dass man die Nase besser sieht?"

Und nur, weil er gut Geschichten erz√§hlen kann, will er "nicht √∂ffentlich Ich sein m√ľssen", mehr noch, er will das Unm√∂gliche, "ein ganz gew√∂hnlicher Mensch, ein ganz gew√∂hnlicher Jude" sein und "keineswegs wie ein Vertreter einer ausgestorbenen Tierart behandelt werden".

"... Ein gew√∂hnlicher Jude in Deutschland ‚Äď
das ist wie ein ganz gewöhnliches Spitzmaulnashorn in Afrika.
Ein Widerspruch in sich.
Wir sind zu selten geworden, wir Nashörner.
Man hat uns zu lange gejagt und abgeschossen.
Wir sind ein Fall f√ľr die Tiersch√ľtzer geworden.
F√ľr Greenpeace und den Verein f√ľr christlich-j√ľdische Zusammenarbeit.
Nashörner guckt man sich im Zoo an, Juden lädt man sich in den Unterricht ein..."

Sehr geehrter Herr Gebhardt, Sie haben mir einen Brief geschrieben....

Seine fiktive Antwort auf die Anfrage des Lehrers, spontan und deutlich zum Absagebrief formuliert, entwickelt sich zur Abrechnung mit der ganz besonderen deutschj√ľdischen und j√ľdischdeutschen Beziehung - und zur Reflexion auf sein eigenes Leben, seiner ganz pers√∂nlichen Geschichte als Sohn von Holocaust-√úberlebenden, als Vater eines nicht-beschnittenen Sohnes und Ex-Ehemann einer nichtj√ľdischen Frau. Goldfarbs Rede sinniert √ľber das Thema israelische Politik und die st√§ndig pr√§sente Erwartungshaltung an ihn, Statements daf√ľr oder dagegen abzugeben, √ľber all die Stereotypen, denen Juden in Deutschland und anderswo ausgesetzt sind.

"Alle Optimisten sind Tr√§umer, damit behalten die Pessimisten auch immer recht. Sie werden blo√ü nicht gl√ľcklich dabei."

Immer und immer wieder beginnt, verwirft und schlie√ülich entwirft Goldfarb seinen Brief, einen emotional geladenen Monolog, auf seiner IBM-Kugelkopf-Schreibmaschine - er w√ľhlt in Familienfotos, "Es ist nun mal so, dass die Leute auf meinen Familienfotos auf andere Weise tot sind als Ihre", rauft seine blonden(!) Haare, l√§uft auf-und-ab, philosophiert, trinkt Rotwein, setzt seine Brille auf und ab ‚Äď in atemberaubend furiosem Tempo. Im Film dargestellt von einem konzentriert- authentischen Ben Becker.

"Jude ist kein Schimpfwort" dieses Fazit zieht Goldfarb, der es satt hat, als "Mitglied Ihrer Religionsgemeinschaft" oder "j√ľdischer Mitb√ľrger" mit dem "Gedenkansprachen-Gesicht", dem Lea Rosh-Gesicht" von seinem Nicht-J√ľdischen Gegen√ľber angesprochen zu werden.
"Jude hei√üt das!" schreit er w√ľtend in das Diktierger√§t, das seinen Monolog aufzeichnen wird.

Doch - wie also wird Emanuel Goldfarb die Anfrage des Lehrers beantworten?

AVIVA-Tipp: Man sollte das (H√∂r-)Buch nicht ohne den Film genie√üen und umgekehrt. Ben Becker als Emanuel Goldfarb in der Verfilmung von Oliver Hirschbiegel ist grandios. Laut, leise, subtil, intensiv, authentisch und sehr gelungen. (Fast) alle Infos √ľber Juden in 69 Minuten. Jeder einzelne Satz des eineinhalb Stunden dauernden, intensiven Monologs ist es wert, gedruckt, gesehen und geh√∂rt zu werden.

Die Zitate sind dem Buch "Ein ganz gewöhnlicher Jude" von Charles Lewinsky entnommen.


AVIVA-Berlin verlost 3x "Ein ganz gewöhnlicher Jude" von Charles Lewinsky, dargeboten von Ben Becker. Bitte nennen Sie uns einen weiteren Buchtitel der Autors und senden Sie bis zum 31.03.2006 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiel@aviva-berlin.de


Charles Lewinsky: Ein ganz gewöhnlicher Jude. CD
Hoffmann & Campe Verlag/Audios, erschienen Januar 2006
ISBN: 3455304249
Laufzeit ca. 70 Minuten.
Vorgelesen von Ben Becker.
14,99 Euro90008115&artiId=3555939"


Gewinnspiele Beitrag vom 09.03.2006 Sharon Adler 





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