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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.05.2008

Atelierbesuch bei der Bildhauerin Rachel Kohn
Gerlinde Behrendt

Fr├╝hsommer in Berlin, das ist die richtige Zeit f├╝r einen Atelierbesuch bei der Bildhauerin Rachel Kohn. Wer den 2. Hof in der Charlottenburger Danckelmannstra├če betritt,...



...sieht gleich die wundersam mit dem Gr├╝n verwachsenen Zeichen - Bodenskulpturen aus Ton.



Die ehemalige Remise mit dem urt├╝mlich bewachsenen Garten ist ein Gl├╝cksfall: hier ist viel Platz f├╝r die Au├čenraumgestaltung mit gro├čen handfesten Tonskulpturen. Bei dem hellen Sonnenlicht erscheinen die Objekte noch einmal anders als in geschlossenen Galerier├Ąumen.
Die Skulpturen der Keramikk├╝nstlerin sind von besonderer Materialit├Ąt. Die Oberfl├Ąchen haben eine lebendige Anmutung: die Objekte laden zum Ber├╝hren ein. Rachel Kohn verwendet f├╝r die Herstellung des Tons unterschiedliche Tonpulvermischungen, die Wirkungen des Materials und der Farben fallen auf diese Weise immer individuell, manchmal auch ├╝berraschend aus. Viel Arbeit flie├čt in die Herstellung der Skulpturen - bis zum Brennvorgang im eigenen Ofen.



Das Keramikmaterial der ausgestellten Figuren ist dennoch nie ganz "fertig", es ver├Ąndert sich mit dem Lauf der Zeit. Bl├Ą├člicher und kalt im Winter, nimmt es in warmen Jahreszeiten eine intensivere Farbe an und l├Ądt noch mehr zum Anfassen, zum "Begreifen" ein.
Rachel Kohns wohl popul├Ąrste Skulptur in Berlin steht an der Kreuzung Bismarck/Ecke Kaiser-Friedrich-Stra├če. Es ist das Denkmal f├╝r Dersu, einen radfahrenden Jungen, der von einem rechtsabbiegenden LKW ├╝berfahren wurde. Eine hohe Keramikstele, kombiniert mit einer Bildplatte auf dem Boden ermahnt die PassantInnen, sich f├╝r die "schw├Ącheren" VerkehrsteilnehmerInnen zu engagieren. An dieser Stelle werden h├Ąufig Blumen oder kleine Stofftiere abgelegt. Aus der N├Ąhe betrachtet wirkt die ├╝ber 3 Meter hohe Skulptur riesig gro├č, vom Beifahrersitz eines LKWs aus sieht sie jedoch sehr zerbrechlich aus.

Gegenst├Ąndlich und abstrakt gleichzeitig sind Rachel Kohns Skulpturen, ihre Figuren scheinen einerseits wohlbekannt zu sein, aber sie entziehen sich auch nobel dem allzuleichten konsumentenhaften Direktzugriff. Spannungsgeladen sind zum Beispiel die "Schwestern", augenscheinlich geh├Âren sie zusammen, sind aber entzweit ├╝ber ein drittes Objekt, das zwischen ihnen steht. Ebenso aufw├╝hlend der "Zerfall": eine Schale, die nichts mehr h├Ąlt, oder ein Haus, das zusammenst├╝rzt.

Neben den Kunstobjekten stellt Rachel Kohn keramische Gegenst├Ąnde her, gro├če und kleine Schalen, Vasen, Leuchter, Tassen, und komplette Gedecke f├╝r den t├Ąglichen Gebrauch.



Bemerkenswert sind vor allem ihre farbig gestalteten Judaica, Objekte f├╝r j├╝dische Feiertage: Pessach-Teller in unterschiedlichen Formen, Chanukka-Leuchter, Kiddush-Becher und am T├╝rpfosten anzubringende Mezuzot aus Keramik. Speziell zum Weihnukka-Fest - das Fest wird in Amerika von Einwanderern aus Deutschland zu Chanukka gefeiert - hat sie einen Weihnukka-Lichterbaum erdacht: Die "Weihnukkia" sind zum erstenmal vor 2 Jahren auf dem Chanukka-Markt vor dem j├╝dischen Museum Berlin vorgestellt worden.
AVIVA-Tipp: Weil Rachel Kohns Kunstwerke in der freien Natur so gut zur Geltung kommen, empfehlen wir zwei Park-Ausstellungen.

Wenn Sie eine Reise nach Bayern vorhaben, planen Sie doch einen Abstecher in den Skulpturengarten Sonnenwald ein, in Grattersdorf, mitten in der herrlichen Landschaft des Bayerischen Waldes. Ausstellungsdauer: vom 11. Mai bis zum 31. Oktober 2008.

In Berlin k├Ânnen Sie Rachel Kohn im Atelier in der Charlottenburger Danckelmannstra├če 54c besuchen . Wenn Sie sicher sein wollen, dass sie da ist, vereinbaren Sie einen Termin unter der Telefonnummer 030 / 32 60 80 70, denn es gibt keine festen ├ľffnungszeiten.

Liste der abgebildeten Werke:
Schwestern, 2007
Blick in den Vorgarten des Ateliers
Chanukka-Leuchter
Pessach-Teller
Kiddush-Becher

Interviews Beitrag vom 16.05.2008 Gerlinde Behrendt 





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