Interview mit Golden disk√≥ Ship - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Interviews
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

etage7
AVIVA-Berlin > Interviews AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J√ľdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.04.2010

Interview mit Golden diskó Ship
Undine Zimmer

Im Rahmen des LFSM 2010 - The female indie-music festival sprach AVIVA-Berlin mit der Musikerin √ľber Rastlosigkeit, Chaos und Ordnung, Zwischenzust√§nde und die Suche nach immer neuen Kl√§ngen.



Teresa wirft sich auf der B√ľhne noch schnell den goldenen Umhang um, setzt sich den goldenen Schirm auf und Sekunden sp√§ter vibriert der Raum. Auf der Leinwand fliegen Landschaften vorbei, Wasser rauschen und ein Karussell dreht sich zu der Musik. Scharfe Konturen verwischen. Irgendwie stellt sich das Gef√ľhl ein, zu schweben. "golden disk√≥ ship" ist unterwegs und l√§sst sich treiben, schraubt mal hier, mal da. Gitarre und Geige, Rascheln und Sausen treiben die Assoziationen vorw√§rts, landen kurz - doch nur, um kurz darauf wieder abzuheben.

Angefangen hat alles mit Laptop und Gitarre. Hinter der One-woman Band "Golden disk√≥ ship" steht die seit 2007 in Berlin lebende Theresa Stroetges. Sie versteht sich als eine experimentierende Klangk√ľnstlerin, Bastlerin elektronischer Sounds und musikalische Sachensucherin. Dank ihrer Affinit√§t zur isl√§ndischen Landschaft schleichen sich sph√§rische Kl√§nge zwischen die elektrischen und akustischen Gitarrent√∂ne. Ihre Musik besteht aus zwei Schichten: Im Hintergrund liegt ein vorw√§rts strebender Drive, der durch den Beat, Ger√§usche im Hintergrund und Breaks gepr√§gt ist, im Vordergrund dominieren sehr weiche, warme Kl√§nge und Melodien. Ihr Album "City Splits #1 Berlin" ist am 26. M√§rz 2010 bei dem Label Monika Enterprise, gegr√ľndet von der Musikerin und Managerin Gudrun Gut erschienen.


AVIVA-Berlin: Das "LFSM Festival 2010" steht unter dem Motto "Frauen mischen sich ein" und möchte alle Facetten weiblicher Musik präsentieren. Was ist das speziell Weibliche in Deiner Musik?
Golden disk√≥ ship: Ich bin mir nicht ganz sicher ob es wirklich so etwas gibt wie weibliche Musik. Ist es nicht nur eine Art Klischee, dass es Musik gibt, die M√§nner machen k√∂nnen und Frauen nicht? In meine Musik flie√üt nat√ľrlich meine eigene Perspektive ein - und ich bin nun auch einmal eine Frau. Aber ich glaube eigentlich nicht, dass meine Musik so viel anders w√§re, wenn ich keine Frau w√§re.

AVIVA-Berlin: Du bist daf√ľr bekannt, dass du gerne mit Sounds und Kl√§ngen experimentierst und auch Spielzeuginstrumente verwendest. Wo sammelst du am liebsten Ger√§usche?
Golden diskó ship: In meinem Zimmer! Ich benutze Samples von meinem Computer, gehe aber auch draußen. Letztens habe ich ganz viele Wassersamples aufgenommen. Ich suche sehr gerne auf Flohmärkten, dort finde ich alte und skurrile Instrumente, die eigentlich keine richtigen Instrumente sind, weil sie niemand mehr verwendet.

© Undine Zimmer, AVIVA-Berlin


AVIVA-Berlin: Du bist jetzt 27 Jahre alt und sagst √ľber dich selbst, dass Rastlosigkeit eine deiner Inspirationsquellen ist. Wie √§u√üert sich das in Deiner Musik? Was sind die Bereicherungen dieser Rastlosigkeit, was nervt Dich vielleicht manchmal daran?
Golden disk√≥ ship: Gut ist daran, dass mich das Gef√ľhl der Rastlosigkeit dazu bringt, Sachen zu machen, wie Musik. Was sich konkret in der Musik niederschl√§gt, ist so ein Chaoselement: Ger√§usche und Sounds, die die Ordnung aufbrechen. Viele meiner Songs haben ein rastloses Element und ich versuche die feste Struktur von Strophe und Refrain aufzubrechen. Manchmal ist es auf der Kippe zum Auseinanderfallen. Das Gute daran ist, dass man sich zwingt, etwas Neues zu machen. Ich finde Chaos interessant. Ich habe oft w√§hrend des Schreibens von meinen Songs so einen Moment, wo ich denke, dass mir alles zu viel wird - und dann muss ich da wieder etwas Ordnung reinbringen.

AVIVA-Berlin: Dein K√ľnstlername "golden disk√≥ ship", klingt glamour√∂s und geheimnisvoll. Du hast dich nach einem alten heruntergekommen Schiff an der K√ľste Islands benannt. Wie hast du diesen Namen f√ľr dich gefunden und was dr√ľckt er f√ľr deine Musik aus?
Golden disk√≥ ship: Da lag dieses Schiff zwischen all den anderen arbeitenden Schiffen in einem Hafen in Island. Es war golden angemalt, total heruntergekommen und eigentlich gar nicht so glamour√∂s. Ich habe nachgeforscht und die Geschichte entdeckt von diesen Isl√§ndern, die auf einem goldenen Partyschiff in der S√ľdsee von Insel zu Insel schippern wollten. Am Ende haben sie es gerade mal geschafft das Schiff golden anzumalen und jetzt liegt es im Hafen und verrottet. Ich habe damals ein Video davon gemacht, das ich mir angeguckt habe, als ich wieder zuhause war. Da ich gerade einen Bandnamen suchte, habe ich mich golden disc√≥ ship genannt.

AVIVA-Berlin: Du hast deine letzte CD zusammen mit Jasmina Maschina bei Monika Enterprise veröffentlich. Wie war die Zusammenarbeit?
Golden disk√≥ ship: Ich arbeite schon lange mit Jasmin zusammen. Wir haben uns auf einem Geburtstag getroffen, wo ich eine lange betrunkene Rede dar√ľber gehalten habe, dass ich unbedingt Schlagzeug spielen m√∂chte bei irgendwem. Danach entstand so eine kleine peinliche Stille, weil ich so lange geredet hatte und keiner eine Chance hatte etwas zu sagen. Pl√∂tzlich sagte Jasmin in die Stille hinein: "You can be my drummer if you want". So haben wir zusammen angefangen. Ich habe dann nicht bei ihr Drums gespielt, sondern andere Instrumente und bald sind wir zu zweit auf Tour gegangen - oft in meinem Auto. Beide haben wir, unabh√§ngig voneinander, Aufnahmen an Gudruns Label geschickt. Gudrun hatte dann die Idee, eine zweiseitige LP daraus zu machen. Ihr neues Konzept ist, eine CD mit zwei K√ľnstlerinnen aus einer Stadt zu produzieren. So sind wir die Nummer Eins in der Serie "City Splits" geworden, mit Berlin als erster Stadt. Das war schon toll. Jasmin und ich machen sonst auch viel zusammen und jetzt sind wir zusammen auf einem Vinyl.

© Undine Zimmer, AVIVA-Berlin


AVIVA-Berlin: Worin liegen die Vorteile, mit Frauen zusammen zu produzieren und auf einem "Frauenlabel" zu veröffentlichen?
Golden disk√≥ ship: Ich sehe da keinen Unterschied. Ich arbeite nicht besser mit Frauen zusammen als mit M√§nnern. Es sollte aber vordergr√ľndig um die Musik gehen und nicht darum, dass ich einen Vertrag bekommen habe weil ich eine Frau bin.

AVIVA-Berlin: Deine Titel und Texte sind verschl√ľsselt und poetisch und vereinen manchmal Gegens√§tzliches, wie der Titel "Wake Sleep" oder so komplizierte Konstruktionen wie "my exgirlfriends new boyfriend".
Golden diskó ship: Oft entstehen meine Songs aus einem Mix. Es geht nicht um etwas super Konkretes. Jeder Satz bezieht sich vielleicht auf etwas anderes in meinem Kopf. Es ist auch gar nicht meine Absicht, jemandem eine Story zu erzählen oder etwas genau zu beschreiben. Meine Songs sind schon persönlich, aber nicht in diesem Sinne. Das Lied "Wake Sleep" handelt zum Beispiel von dem Zwischenzustand morgens vor dem Wachsein, wenn man noch ganz viele unlogische Gedanken und komische Assoziationen hat.

AVIVA-Berlin: Was sind Deine musikalischen Ziele f√ľr 2010?
Golden disk√≥ ship: Erst mal viele Touren. Mit Jasmin werden wir f√ľr die "City Splits" in Deutschland und √Ėsterreich unterwegs sein. Im Oktober gehen wir nach Frankreich und in die Schweiz. Im Juni bin ich zehn Tage auf UK-Tour. √úber kurz oder lang w√ľrde ich auch total gerne mein eigenes Album rausbringen. Also eins nur von mir.

Vielen Dank f√ľr das Interview und: wir lieben Deine Website! www.goldendiskoship.com.

Weitere Infos zu Golden diskó ship unter:

www.myspace.com/goldendiskoship

www.monika-enterprise.de

Weitere Infos zum "The Female Indie-Music Festival 2010": www.lfsm.net


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Tender Forever

Jasmina Maschina im Interview

Was ich mache, mache ich mit Leidenschaft

Interviews Beitrag vom 10.04.2010 Undine Zimmer 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken