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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 15.09.2010

Interview mit Nana A.T. Rebhan
Britta Meyer

Nana A.T. Rebhans Dokumentarfilm "Berlin: Hasenheide", der am 14.10.2010 in den Kinos startet, zeichnet ein alternatives Bild des f√ľr seine Drogenkriminalit√§t ber√ľchtigten Berliner Volksparks...



... und seiner regelmäßigen, zum Teil schrägen und unvergesslichen BesucherInnen.

Nana A.T. Rebhan studierte von 2001 bis 2006 an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) und spezialisierte sich dabei auf Dokumentarfilm, in den Bereichen Regie, Kamera und Produktion. Sie drehte Dokumentarfilme wie "Osmans Land" (2004) und "Skarbek" (2006), wirkte als Regisseurin, Kamerafrau und Produzentin an experimentellen Spielfilmen mit, und arbeitet seit einigen Jahren als freie Filmkritikerin und Redakteurin f√ľr ARTE online und Fluter.

AVIVA-Berlin hatte die Gelegenheit, die Regisseurin, die seit vielen Jahren im Schillerkiez in Berlin-Neukölln wohnt und regelmäßig durch die Hasenheide joggt, anlässlich des baldigen Kinostarts ihres neuen Dokumentarfilms "Berlin: Hasenheide" zu interviewen.

AVIVA-Berlin: Neben Ihrer Arbeit f√ľr ARTE online und Fluter haben Sie in den letzten Jahren bereits mehrere Filmprojekte, sowohl Dokumentationen, als auch Spielfilme, verwirklicht. Was unterscheidet "Berlin: Hasenheide" von Ihren bisherigen dokumentarischen Filmen?
Nana A.T. Rebhan: In meinen vorhergehenden Filmen waren immer Personen die Hauptdarsteller. In "Berlin: Hasenheide" ist es der Park selbst, wie es schon der Titel verr√§t. Aber nat√ľrlich geht es auch um viele, sehr unterschiedliche Menschen, die "Stammg√§ste" des Parks, die diesen mit Leben f√ľllen.

AVIVA-Berlin: In "Berlin: Hasenheide" sprechen Sie im Park die verschiedensten Charaktere an, manche davon sind exzentrisch wirkende EinzelgängerInnen, andere feste Personengruppen. War es einfach, mit den "HasenheidenerInnen" in Kontakt zu kommen? Wie reagierten die einzelnen ProtagonistInnen auf ein Fragen stellendes Kamerateam?
Nana A.T. Rebhan: Die Reaktionen waren so unterschiedlich wie die Menschen selbst es sind. Die Fu√üballspieler, die √ľberwiegend aus afrikanischen L√§ndern stammen, reagierten anfangs etwa sehr skeptisch auf eine Kamera, da bereits ein Team eines privaten Senders mit ihnen gedreht hatte und diese Szenen dann anschlie√üend in einen ganz anderen Kontext gestellt hat. Auf einmal waren sie dann die "Dealer" der Hasenheide. Sie wollten nat√ľrlich vermeiden, dass so etwas noch einmal passiert, fassten nach einer Weile aber dann doch Vertrauen zu mir und meiner Arbeitsweise. Die Nudisten dagegen waren von Anfang an sehr aufgeschlossen. Ich wollte einige von ihnen als Protagonisten gewinnen, wollte sie aber nicht voll bekleidet ansprechen. Also machte ich einen Aushang, auf dem ich mein Vorhaben beschrieb. Als ich gerade dabei war, diesen an einem Baum in der N√§he der Wiese zu befestigen, kamen gleich die ersten Nackten neugierig an und fragten, ob sie mitmachen d√ľrften. Das waren die Jungs mit dem Schwimmbecken...

AVIVA-Berlin: Seit den Dreharbeiten 2008 hat eine √∂ffentlich wahrnehmbare Umdefinierung des Stadtteils Neuk√∂lln hin zum schicken Szenebezirk stattgefunden. Die Medienberichterstattung wechselte von Warnungen vor dem gef√§hrlichen Ghetto hin zu Beschreibungen Neuk√∂llns als lebendigem Kiez f√ľr Besserverdienende. Haben Sie durch die mediale Aufwertung des Bezirks bereits konkrete Ver√§nderungen im Volkspark feststellen k√∂nnen?
Nana A.T. Rebhan: Im Park selbst konnte ich bislang noch keine Ver√§nderungen wahrnehmen. Auch in der Hasensch√§nke, dem bislang einzigen "Lokal", mit Kioskcharakter hat sich noch nicht viel ver√§ndert, weder beim Angebot noch bei den G√§sten. Bionade und Latte Macchiato sucht man bislang da zum Gl√ľck noch vergeblich. Wer Durst hat, wird mit Rixdorfer Fassbrause belohnt.

AVIVA-Berlin: Ihr Portrait der Hasenheide zeigt bewusst andere Seiten der Hasenheide, als die eines durch Drogenhandel gefährlichen Ortes. Dies war Ihnen ein besonderes Anliegen, da die Heide seit Jahren Ihr Lieblingspark in der direkten Nachbarschaft ist. Planen Sie vergleichbare Dokumentationen anderer Bezirke und besonderer Berliner Orte? Kann das vielleicht eine Serie werden?
Nana A.T. Rebhan: Dokumentationen anderer Bezirke plane ich nicht, denn meine Wahlheimat Neukölln ist mir ein Anliegen. Es gibt ein weiteres filmisches Projekt, das sich mit den Veränderungen dieses Bezirks beschäftigt.

AVIVA-Berlin: Sie inszenieren im Film den Raum des st√§dtischen Parks als einen Ort, an dem Privatsph√§re und √Ėffentlichkeit ineinander √ľbergehen. Warum dienen gerade die Parks der Gro√üstadt als Plattform solch √∂ffentlich gelebter Pers√∂nlichkeit?
Nana A.T. Rebhan: In einkommensschwachen Bezirken wie etwa in Neuk√∂lln haben viele Bewohner in ihren vier W√§nden nicht die M√∂glichkeiten, die ihnen ein Park bietet. Deshalb werden gerade in diesen Bezirken Parks exzessiv genutzt: als Wohnzimmer, wie etwa bei den feiernden T√ľrken, als Sportplatz wie bei den Fu√üballspielern - obwohl Fu√üballspielen im Park eigentlich verboten ist - oder als Schwimmbadersatz, weil der Besuch eines √∂ffentlichen Freibades schlichtweg zu teuer ist.

AVIVA-Berlin: Im Film zeigen Sie unter anderem die feierliche Einweihung eines Tempels der hinduistischen Gottheit Sri Ganesha. SponsorInnen sollten den weiteren Tempelbau ermöglichen. Was ist inzwischen aus diesem Tempel inmitten der Hasenheide geworden? Haben sich SponsorInnen eingefunden?
Nana A.T. Rebhan: Seit der Grundsteinlegung am 4. November 2007 sind nun schon fast drei Jahre vergangen. Am 20. Januar 2009 wurde die Baugenehmigung erteilt, und es wird sich zeigen, wie lange es dauert, bis die interkulturelle Begegnungsstätte fertig gestellt ist.

AVIVA-Berlin: Die von Ihnen interviewten Personen sind "Stammgäste" des Volksparks. Hat sich die Zusammensetzung der festen "HasenheidenerInnen" seit dem Dreh verändert, sind manche aus dem Park verschwunden, bzw. neue hinzugekommen und wenn ja, welche?
Nana A.T. Rebhan: Viele der Menschen, die ich in meinem Film portr√§tiert habe, treffe ich immer wieder mal beim Spazierengehen oder beim morgendlichen Joggen. Das ist sehr nett, sie gr√ľ√üen mich freundlich, wir plaudern ein wenig. Durch das vom Privaten Museum finanzierte Tiergehege, in dem es sogar Lamas und ein Kamel gibt, kommen in den letzten Jahren zus√§tzlich viele kleine Kinder mit ihren Eltern in den Park, der zunehmend auch von Kitas genutzt wird, auch wegen des ger√§umigen Spielplatzes in der Mitte des Parks. Die Dealer hingegen st√∂rt dies nicht, sie stehen immer noch an ihren angestammten Orten und grinsen l√§ssig, wenn man an ihnen vorbeijoggt.

AVIVA-Berlin: Danke f√ľr das Interview und viel Erfolg mit dem Film und f√ľr alle weiteren Projekte!

Den Trailer zu "Berlin: Hasenheide" finden Sie unter: www.youtube.com

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Berlin: Hasenheide. Ein Film von Nana A.T. Rebhan

Interviews Beitrag vom 15.09.2010 Britta Meyer 





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