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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.10.2010

Berlin: Hasenheide. Ein Film von Nana A.T. Rebhan. Kinostart: 14. Oktober 2010
Britta Meyer

In der Berliner Hasenheide wurden K├╝he geweidet und Hasen gejagt, hier wurde exerziert, illegal geturnt und sich offiziell vergn├╝gt. Heute ist der Volkspark vor allem als die "No-Go-Area"...



... Neuk├Âllns bekannt. Die Regisseurin Nana A.T. Rebhan zeigt in ihrem Portr├Ąt des 50 Hektar gro├čen Areals eine andere Seite der Hasenheide, als die eines blo├čen Drogenumschlagplatzes. Der Park ist hier der Hauptdarsteller, und er wird vor allem durch die Menschen definiert, die ihn besuchen.

In ihrem Dokumentarfilm will die in Berlin lebende Regisseurin Nana A. T. Rebahn etwas anderes, als wieder einmal die skeptische Perspektive auf den sozialen Brennpunkt Neuk├Âlln zu lenken. Mit gro├čer Geduld und Aufgeschlossenheit f├╝r die Menschen widmet sie sich sowohl den gelegentlichen BesucherInnen, als auch den Dauerg├Ąsten des Volksparks. Sie zeigt dabei die Wiesen und Wege vorrangig als Orte des menschlichen (und tierischen) Miteinanders: Ein Fahrradfahrer f├Ąhrt seine Papageien spazieren, die es sich auf seinem Lenker gem├╝tlich gemacht haben. Zwei herrlich miteinander kontrastierende Hundebesitzerinnen, die eine in Samt und Seide gekleidet, die andere in Schlapphut und Flatterrock, mit ihren ebenso gegens├Ątzlichen Tieren unterhalten sich ├╝berraschend einvernehmlich. Auf dem Rasen sonnt sich eine Clique von Nudisten im eigens mitgebrachten aufblasbaren Pool, w├Ąhrend nebenan eine verschleierte Frau unbeeindruckt den Fitnesspfad entlang joggt.

Nana A.T. Rebhan zeichnet ein entspanntes Portr├Ąt des verrufenen Parks und interviewt dabei weder Dealer noch PolizistInnen. "Berlin: Hasenheide" zeigt ein Bild des Parks, das ├ľffentliches und Privates aus dem Leben der ProtagonistInnen vor dem Hintergrund einer Gr├╝nfl├Ąche miteinander verbindet. Die Regisseurin stellt den HasenheidenerInnen nur wenige Fragen und l├Ąsst sie und die Bilder ihrer Interaktionen f├╝r sich selbst sprechen. So erfahren die ZuschauerInnen unter anderem von "D├╝ld├╝l", dem Falken des Parks, der von der t├╝rkischen Musikerclique t├Ąglich gef├╝ttert wird. Den Soundtrack zu den einzelnen Szenen liefern die ParkbewohnerInnen selbst. Die Hasenheide entfaltet sich im Film vor den ZuschauerInnen vor allem als eine St├Ątte der Kreativit├Ąt: Ein Graffitik├╝nstler malt Zille-Motive auf die W├Ąnde der "Hasenschenke", eine Tai-Chi-Gruppe trainiert unter sommerlichen B├Ąumen und t├╝rkische M├Ąnner musizieren am Rande der "Hartz4-Wiese" auf mitgebrachten Instrumenten.
Zur Geschichte der Hasenheide

Der Begriff "Hasenheide" wurde erstmalig 1678 gepr├Ągt, als Kurf├╝rst Friedrich Wilhelm das Areal als sein pers├Ânliches Hasengehege einz├Ąunen lie├č. 1808 ging die Heide vom k├Âniglichen Privatbesitz in Staatseigentum ├╝ber. Hier fand das Duell statt, das Theodor Fontane zu seinem Roman "Effi Briest" inspirierte. Ber├╝hmt wurde das Gebiet durch die Aktivit├Ąten Friedrich Ludwig Jahns, der hier seinen ersten Turnplatz errichtete. Seit 45 Jahren finden einmal j├Ąhrlich die Neuk├Âllner Maientage in der Heide statt, ein Volksfest, das einen Querschnitt der gesamten Neuk├Âllner Bev├Âlkerung in den Park lockt.

AVIVA-Fazit: Der Regisseurin ist ein ruhiger, humorvoller Film ├╝ber diesen besonderen Berliner Park und seine Menschen gelungen. Sie nimmt sich f├╝r jede Betrachtung und f├╝r jede/n BewohnerIn der Hasenheide viel Zeit, was den Film streckenweise ein wenig langatmig werden l├Ąsst. Der Gesamteindruck ist ein angenehm unspektakul├Ąrer Kontrast zu sonstigen rei├čerischen Berichterstattungen ├╝ber gro├čst├Ądtische "Problembezirke". Doch so sympathisch die zum Teil schr├Ągen BesucherInnen der Hasenheide auf die ZuschauerInnen auch wirken, so kommt doch das Gef├╝hl auf, dass Rebhan die gef├Ąhrliche Seite des Parks verharmlost. Sie selbst sagt, sie w├╝rde zwar nicht nachts allein durch die Hasenheide spazieren - aber das gelte auch f├╝r jeden anderen Park Berlins. Fair enough.

Zur Regisseurin: Nana A.T. Rebhan studierte von 2001 bis 2006 an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) und spezialisierte sich dabei auf Dokumentarfilm, in den Bereichen Regie, Kamera und Produktion. Sie drehte Dokumentarfilme wie "Osmans Land" (2004) und "Skarbek" (2006), wirkte als Regisseurin, Kamerafrau und Produzentin an experimentellen Spielfilmen mit, und arbeitet seit einigen Jahren als freie Filmkritikerin und Redakteurin f├╝r ARTE online und Fluter.

Berlin: Hasenheide
Deutschland, 2010
Regie und Kamera: Nana A.T. Rebhan
Ton: Alfred Exner
Schnitt: Justyna Hajda
Produktion: ALFAVILLE
Titeldesign: Svetlana Ivanova
L├Ąnge: 72 Minuten
Kinostart: 14. Oktober 2010

Weitere Informationen finden Sie unter: www.hasenheidefilm.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin: Das Interview mit Regisseurin Nana A.T. Rebhan



Kultur > Kino Beitrag vom 01.10.2010 Britta Meyer 





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